Donald Trump verachtet die Uno, jetzt gründet er eine «Gegen-Uno» – unter seiner Vorherrschaft natürlich. In Washington hat an diesem Donnerstag die konstituierende Sitzung seines «Board of Peace» stattgefunden. Bereits ist es dem amerikanischen Präsidenten gelungen, die Europäer zu spalten.
Donald Trump verachtet die Uno, jetzt gründet er eine «Gegen-Uno» – unter seiner Vorherrschaft natürlich. In Washington hat an diesem Donnerstag die konstituierende Sitzung seines «Board of Peace» stattgefunden. Bereits ist es dem amerikanischen Präsidenten gelungen, die Europäer zu spalten.
Wie immer war der amerikanische Präsident um grosse Worte nicht verlegen. «Es ist ein grosser Tag», sagte er zur Eröffnung des Board of Peace. «Der ‹Friedensrat für Gaza› ist der wichtigste Rat, den es je in Bezug auf Macht und Ansehen gegeben hat. Was wir tun, ist ganz einfach: Frieden schaffen. Frieden ist ein Wort, das leicht zu sagen ist, aber schwer zu erreichen.»
Gloria – «eine grossartige Musik»
Bevor das Familienfoto mit JD Vance, Marco Rubio, der Stabschefin des Weissen Hauses Susie Wiles, Jared Kushner, dem Sonderbeauftragten Steve Witkoff und den anderen Vertretern des Friedensrats aufgenommen wurde, forderte Trump alle auf, für diesen Anlass zu «lächeln».
«Gloria», der Song von Umberto Tozzi aus dem Jahr 1979, war der Soundtrack zum Gruppenfoto der Führungskräfte, die im «Donald J. Trump Institute of Peace» in Washington zur ersten Sitzung der Gruppe anwesend waren. Trump fragte die Anwesenden: «Gefällt euch allen diese Musik? Es ist grossartige Musik.»
Zerschlagung der Uno?
Über vierzig Jahre ist es her, dass der damalige US-Präsident Ronald Reagan, ein Republikaner, das «Institute of Peace» gegründet hatte. Dieses war keineswegs als «Gegen-Uno» geplant, sondern hatte zum Ziel, nach dem Kalten Krieg Friedensprozesse zu fördern.
Donald Trump nun hat dieses «Institute of Peace» umbenannt. Es heisst jetzt «Donald J. Trump Institute of Peace». Kritiker argumentieren, dass es Trump nicht nur um Frieden, sondern um Personenkult geht. In Uno-Kreisen fürchtet man, dass Trump mit seinem Institut nun endgültig die Uno zerschlagen will.
«Trump, fahr zur Hölle!»
«Es gibt nichts Wichtigeres als Frieden und nichts Günstigeres als Frieden. Wissen Sie, wenn man in den Krieg zieht, kostet das hundertmal mehr, als Frieden zu schliessen», sagte Trump. «Meinen Namen dem Friedensinstitut in Washington zu geben, war eine Initiative von Marco Rubio, ich habe damit nichts zu tun», stellte er klar. Damit konterte er Kritiker, die ihm vorwarfen, er pflege einen unersättlichen Grössenwahn und Personenkult.
Vor dem Institut empfing eine Gruppe pro-palästinensischer Demonstranten den amerikanischen Präsidenten mit Plakaten mit der Aufschrift «Donald Trump, fahr zur Hölle!»
Weder Merz noch Macron noch Sánchez noch Starmer noch von der Leyen noch der Papst
Trumps Idee fand bisher keineswegs viel Begeisterung. Deutschland, Frankreich, Spanien und Grossbritannien haben eine Teilnahme an der Konstituierung des Instituts abgelehnt. Sogar Pietro Parolin, der Staatssekretär des Vatikans, distanzierte sich ausdrücklich. Zwar war der Papst von Trump eingeladen worden, doch Leo XIV. sagte ab.
Die EU ist weder durch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen noch durch einen der sechs Vizepräsidenten der EU-Kommission vertreten. Doch um Trump nicht allzu sehr zu provozieren, schickt die EU die kroatische Kommissarin Dubravka Šuica «als Vertreterin des Mittelmeerraums» nach New York. Tiefer stapeln geht nicht. Šuica soll sich ausdrücklich nur auf Gaza beschränken. «Wir haben immer klargestellt», bekräftigt die EU, «dass wir alles in unserer Macht Stehende tun, um den Friedensprozess im Nahen Osten zu unterstützen, den Bedürfnissen der Bürger in Gaza gerecht zu werden und die Wiederaufbaubemühungen zu unterstützen.»
Lob für Orbán und Milei
In seiner Eröffnungsrede lobte er die anwesenden Politiker, namentlich Viktor Orbán und Javier Milei. Mit einem Seitenhieb kritisierte er die Abwesenden. Wer noch nicht akzeptiert habe, dem Friedensrat beizutreten, werde sich schon noch anschliessen. «Einige versuchen, sich ein wenig schlau zu verhalten. Das funktioniert nicht. Mit mir geht das nicht. Aber sie werden sich anschliessen.»
Er kündigte an, dass Norwegen zugestimmt habe, eine Veranstaltung des Board of Peace auszurichten. «Ich hatte gehofft, sie würden verkünden, dass sie mir den Nobelpreis verleihen», versuchte er zu scherzen. «Der Preis interessiert mich aber nicht, ich möchte nur Leben retten.»
«Kein anderes Gremium kann die Uno ersetzen»
Vordergründig geht es bei dem Board of Peace vor allem um Gaza. Doch Beobachter rechnen damit, dass Trump mehr im Sinn hat: nämlich eine Institution, die sich weltweit um Konflikte und Kriege kümmern soll – eben eine Gegen-Uno.
Uno-Generalsekretär António Guterres lehnt eine solche «Trump-Uno» kategorisch ab. «Die Verantwortung für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit liegt bei der Uno und innerhalb dieser beim Sicherheitsrat. Nur der Rat hat die in der Charta verankerte Befugnis, im Namen aller Mitgliedstaaten zu handeln, verbindliche Beschlüsse zu fassen und den Einsatz von Gewalt im Sinne des Völkerrechts zu genehmigen. Kein anderes Gremium und keine andere Initiative kann ihn ersetzen.»
5 oder 70 Milliarden?
Rund zwanzig Länder haben sich verpflichtet, am Wiederaufbau des Gazastreifens teilzunehmen und dafür erhebliche finanzielle Beiträge zu leisten. Trump hatte einst als «Mitgliederbeitrag» des Boards eine Milliarde Dollar verlangt. Von dieser Forderung ist er wieder abgerückt. Er sagt, für den Aufbau des Gazastreifens brauche es 5 Milliarden Dollar. Die Uno erklärte demgegenüber, es brauche 70 Milliarden.
Und plötzlich sprach Trump auch über Iran. In etwa zehn Tagen werde er entscheiden, wie es weitergeht.
An der Eröffnungssitzung nehmen etwa 20 Staaten teil, unter anderem Ungarn, Belarus, Zypern, die Slowakei, Tschechien, Usbekistan, Uruguay, Kambodscha, Vietnam, Armenien und mehrere arabische Länder. Und Tony Blair. Trump nannte bei der ersten Sitzung des «Friedensrats», dass fünf Länder (Marokko, Albanien, Kosovo, Kasachstan und Indonesien) Soldaten in den Gazastreifen schicken werden.
Italien hin- und hergerissen
In Europa fand Trumps Board vor allem bei rechtsgerichteten und rechtspopulistischen Politikern wie Orbán und Fico Anklang. Sie sind die neuen Lieblinge der amerikanischen Regierung und klettern ins Boot des amerikanischen Präsidenten. Und Italien? Das Land tat sich schwer mit einem Entscheid. Einerseits will Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Europäer nicht brüskieren – andererseits steht sie in der Gunst des amerikanischen Präsidenten.
Laut italienischen Journalisten hatten am Dienstag in Rom mehrere Krisensitzungen stattgefunden. Man einigte sich zunächst, die Eröffnungssitzung des Board of Peace herunterzustufen und nur einen einfachen Botschafter zur Konstituierung zu schicken. Die Rede war vom italienischen Uno-Botschafter Marco Peronaci. Noch am Mittwochabend war man hin- und hergerissen.
Kniefall vor Trump
Dann, nach dem Abendessen am Dienstag, knickte Meloni ein. «Antonio, geh du», sagte sie. Mit Antonio war Aussenminister Antonio Tajani gemeint. Der sagte am Mittwochmorgen in Rom: «Ich gehe nach New York.» Die italienische Linke und die Cinque Stelle heulen auf und sprechen von einem Kniefall vor Trump. Tajani geht zwar nur als «Beobachter», doch für Trump zählt: Italien ist mit seinem Aussenminister und Vizepräsidenten präsent – und den Europäern kann Meloni sagen: «Wir sind ja nur Beobachter.» Und als Beobachter hielt sich Tajani extrem zurück.
Dem Herrscher im Weissen Haus ist es gelungen, die Einheitsfront der wichtigen westeuropäischen Staaten zu sprengen. Und Meloni reiht sich in die Riege der EU-Kritiker und Putin-Versteher Orbán und Fico ein.
Und wenn es die amerikanische Eishockeymannschaft an den Olympischen Spielen ins Finale schafft, wird der amerikanische Präsident nach Italien kommen. In der ehrwürdigen Arena von Verona werden Meloni und Trump sich umschmeicheln.