Direkt zum Inhalt
  • Politik
  • Kultur
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft
  • Medien
  • Über uns
close
Venezuela

«Danke María»

16. Januar 2026
Heiner Hug
Trump, Machado
(Foto: Donald Trump/Truth Social)

Im Weissen Haus hat die venezolanische Oppositionspolitikerin die Friedensnobelpreis-Medaille dem amerikanischen Präsidenten weitergereicht. Das Ganze ist eine Farce. Das Nobelkomitee in Oslo betont, dass der Preis nicht weitergegebenen werden kann.

María Corina Machado war am Donnerstag mit grossem Pomp in Washington empfangen worden. Zahlreiche hochrangige Politiker, auch Demokraten, erwiesen ihr die Ehre.

Machado mit Senatoren
Machado mit demokratischen und republikanischen Senatoren am Donnerstag in Washington (Keystone/AP/J. Scott Applewhite)

Daraufhin wurde sie von Donald Trump begrüsst. Sie überreichte ihm die Urkunde und die Medaille des Friedensnobelpreises.

Vor Journalisten sagte sie anschliessend, dies sei «eine Anerkennung für Trumps Engagement für die Freiheit des venezolanischen Volkes». Auf der Plattform Truth Social schrieb Trump: «María hat mir ihren Friedensnobelpreis für meine Arbeit überreicht. Eine wunderbare Geste gegenseitigen Respekts. Danke, María!» Das Nobelpreiskomitee in Oslo reagierte gelassen auf die Posse: «Sobald ein Nobelpreis bekannt gegeben wurde, kann er nicht mehr widerrufen, geteilt oder auf andere übertragen werden», schrieb das Institut. «Die Entscheidung ist endgültig und gilt für alle Zeiten.»

«Eine sehr nette Frau»

Der amerikanische Präsident platzte fast vor Wut, als er am 10. Dezember den Nobelpreis nicht erhalten hatte. Statt an Trump verlieh das Osloer Nobelkomitee die Medaille an Machado. 

Sie hatte nach dem Sturz von Präsident Maduro gehofft, Trump würde sie jetzt als venezolanische Präsidentin einsetzen. Stattdessen ernannte der amerikanische Präsident die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zur geschäftsführenden Präsidentin. Trump fürchtete, dass eine Ernennung Machados in Venezuela zu Protesten und Unruhen führen könnte, denn die Oppositionschefin ist im Land nicht nur beliebt. Sie gilt vielen als Vertreterin der reichen, weissen, korrupten Oberschicht. Trump hatte erklärt, Machado sei zwar «eine sehr nette Frau», sie habe aber «nicht den Respekt, um das Land zu führen». Nach diesen Worten soll die Oppositionsführerin laut Insidern einen stundenlangen Weinkrampf gehabt haben. 

Aufstände verhindern

Mit der Übergabe der Medaille an Trump hofft Machado nun, später dann doch von Trump mit der Führung des Landes beauftragt zu werden. Karoline Leavitt, die Sprecherin des Weissen Hauses, sagte am Donnerstag, Trump bleibe bei seinem Entscheid, Delcy Rodríguez mit der provisorischen Führung Venezuelas zu beauftragen. Mit ihr, so hofft Trump, Aufstände von Maduro-Treuen im Land verhindern zu können. Mit Erstaunen hatten die USA feststellen müssen, dass der unfähige, diktatorisch regierende Maduro noch immer zahlreiche Anhänger im Land hat.

Seit Monaten lobt Machado den amerikanischen Präsidenten. Zu den Bombenangriffen, die die USA gegen angebliche «Drogenboote» durchführten, schwieg sie. Über hundert Menschen sind bei diesen Angriffen ums Leben gekommen.

«Wir scheuen uns nicht»

Machados Reise nach Washington wurde auch von den derzeitigen Machthabern in Venezuela verspottet. In einer Rede an die Nation gab sich die Übergangspräsidentin äusserst selbstsicher. «Wir wissen, dass die USA mächtig und eine Atommacht sind», sagte Delcy Rodríguez am Donnerstag im Parlament in Caracas. Aber: «Wir scheuen uns nicht, den USA diplomatisch, durch politischen Dialog, entgegenzutreten.

Delcy Rodríguez
Delcy Rodríguez am Donnerstag im venezolanischen Parlament (Keystone/EPA/Ronald Peña)

In einer Art State-of-the-Union-Botschaft sagte die amtierende Präsidentin, Venezuela wolle die Ölindustrie grundsätzlich reformieren. Ausländische Investitionen seien möglich. «Jeder Dollar» aus dem Öl- und Gasgeschäft würden im maroden Gesundheitssektor investiert.

Abbruch der Beziehungen zu China, Russland, Kuba und Iran gefordert

Die USA haben andere Pläne. Trump ist der Ansicht, dass das venezolanische Öl den USA gehört. Er begründet den Anspruch damit, dass die amerikanischen Ölgesellschaften von Maduro enteignet worden sind.

Doch Trump verlangt von Venezuela noch mehr: Er will, dass Caracas sämtliche wirtschaftliche Beziehungen zu Russland, Kuba, China und Iran abbricht. Alle Öleinnahmen müssten auf Bankkonten in Washington geleitet werden. Trump sagte, er werde persönlich kontrollieren, was mit diesen Einnahmen geschehe. Venezuela dürfe mit diesem Geld einzig US-amerikanische Ware kaufen, so Agrarprodukte, Medikamente, medizinische Instrumente und Ausrüstung zur Verbesserung des Stromnetzes und der Energieanlagen.

«Wir nehmen 50 Millionen Barrel»

«Wir arbeiten weiterhin eng mit den interimistischen Behörden zusammen und ihre Entscheidungen werden nach wie vor von den Vereinigten Staaten von Amerika vorgegeben», erklärte Karoline Leavitt. Die USA hätten bereits begonnen, das Öl internationalen Käufern zu verkaufen. Die Gewinne würden «zum Wohl der US-amerikanischen und venezolanischen Bevölkerung geteilt». Tanker, die Rohöl zum Beispiel nach Russland transportieren wollen, würden beschlagnahmt. 

Marco Rubio, der US-Aussenminister, wurde präzis. «Wie sie gesehen haben, wurden zwei weitere Schiffe aufgebracht. Wir stehen zur Zeit davor, eine Vereinbarung umzusetzen, um das gesamte venezolanische Erdöl zu nehmen. Das Erdöl ist in Venezuela blockiert und kann aufgrund unserer Quarantäne und der Sanktionen nicht transportiert werden. Wir werden zwischen 30 und 50 Millionen Barrel nehmen», sagte Rubio. Venezuela müsse sich verpflichten, exklusiver Partner der USA bei der Ölförderung und beim Verkauf des Schweröls zu sein. Dazu müssten China, Russland, Iran und Kuba «rausgeworfen» werden.

Fuchtel über Lateinamerika

Vor allem für Kuba ist das keine gute Nachricht. Die Zuckerinsel mit ihrer maroden Wirtschaft, die bereits seit Jahrzehnten unter den amerikanischen Sanktionen leidet, war stark vom venezolanischen Öl abhängig. Trump macht keinen Hehl daraus, dass er damit rechnet, dass das verkalkte, diktatorische kubanische Regime, das die USA seit 66 Jahren zu stürzen versuchen, endlich in sich zusammenbricht. 

Damit wäre der amerikanischer Präsident einen Schritt weiter, den «lateinamerikanischen Hinterhof» unter seine Fuchtel zu bringen. Dazu wird er auch die Souveränität mehrerer Länder verletzen und versuchen, bei Wahlen teils rechtsradikale Kandidaten, die ihm genehm sind,  an die Macht zu bringen.

Letzte Artikel

Wir stimmen ab über Solidarität zwischen den Regionen

Beat Allenbach 16. Januar 2026

Trump im Machtrausch

Urs Meier 15. Januar 2026

Es geht um wesentlich mehr als die SRG!

14. Januar 2026

Auf den Spuren des Krieges in der Ukraine

Stephan Wehowsky 14. Januar 2026

Turbo-Boomer wird Altersratgeber

Reinhard Meier 14. Januar 2026

Irans Eliten zwischen Messianismus und Machterhalt

Reinhard Schulze 13. Januar 2026

Newsletter abonnieren

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Zurück zur Startseite
Leserbrief schreiben
Journal 21 Logo

Journal 21
Journalistischer Mehrwert

  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Newsletter
To top

© Journal21, 2021. Alle Rechte vorbehalten. Erstellt mit PRIMER - powered by Drupal.