Der Medientross wartet vor Wood Farm im britischen Sandringham, Norfolk, wo Andrew Mountbatten-Windsor (ehemals Prinz Andrew, Herzog von York) festgenommen wurde. Die Thames Valley Police gab an, die Festnahme sei wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch erfolgt. Die schon länger bekannte Verwicklung des Ex-Prinzen in den Epstein-Skandal bringt mit dieser Verhaftung das britische Königshaus in die Bredouille.
Die Polizei bestätigte, dass sie Ermittlungen wegen des «Straftatbestand des Fehlverhaltens im öffentlichen Dienst» führt. Dazu habe sie einen Mann festgenommen. Der Name wird von der Polizei nicht genannt, aber es handelt sich um den ehemaligen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor.
Mountbatten-Windsor wurde am Morgen seines 66. Geburtstags in seinem Haus festgenommen. Die Polizei von Thames Valley teilte mit, dass sie die Durchsuchung seines Hauses in Norfolk abgeschlossen habe, aber noch ein anderes Anwesen in Berkshire durchsuche. Laut Juristen kann eine polizeiliche Massnahme bis zu 96 Stunden dauern, allerdings ist dann ein Gerichtsentscheid notwendig. Ein «Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt» kann laut der Strafverfolgungsbehörde Crown Prosecution Service mit lebenslanger Haft bestraft werden.
König Charles III. gab eine schriftliche Erklärung ab: «Lassen Sie mich klar sagen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.» Es folge nun ein umfassendes, faires und ordnungsgemässes Verfahren, in dem diese Angelegenheit durch die zuständigen Behörden untersucht werde. Die Polizei habe die «uneingeschränkte und vorbehaltlose Unterstützung und Zusammenarbeit», machte König Charles klar und betonte: «Während dieses Verfahren andauert, wäre es nicht richtig, wenn ich mich weiter zu dieser Angelegenheit äussern würde.» Die königliche Familie werde weiter ihre Pflichten erfüllen.
Der 66-jährige ehemalige Prinz hat durch seine Verbindung zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein seine gesellschaftliche Stellung und die Privilegien des Königshauses verloren. Er musste 2019 von allen royalen Ämtern zurücktreten.
Mountbatten-Windsor soll in seiner früheren Rolle als britischer Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 gestorbenen US-Investor Jeffrey Epstein weitergeleitet haben. Die Festnahme folgte auf die Veröffentlichung weiterer Dokumente aus den Ermittlungsakten zu Epstein durch das US-Justizministerium. Britische Medien hatten darin E-Mails entdeckt, die nahelegen, dass Andrew Berichte offizieller Besuche in Hongkong, Vietnam und Singapur an den Finanzier weitergeleitet hat.
Angesichts des gestiegenen Drucks komme die Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor nicht ganz überraschend, sagt SRF-Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser und verweist auf die seit längerem laufende selbstverschuldete öffentliche Zerlegung des Ex-Prinzen. Ausschlaggebend war laut Wülser am Ende wohl der Vorwurf, dass Andrew als einstiger Handelsdelegierter der britischen Regierung vertrauliche Papiere an Epstein weitergegeben haben soll. Zum Beispiel über Investitionsmöglichkeiten in Afghanistan. Das habe wohl auch zur aktuellen Hausdurchsuchung geführt.
Für die britische Monarchie sei die Festnahme des problematischen Ex-Prinzen ein ausserordentliches Ereignis. Dass Mitglieder der Königsfamilie festgenommen würden, sei bisher nicht üblich gewesen, lebten die Royals doch gewissermassen in einem Paralleluniversum mit anderen Regeln, so Wülser. In diesem Sinn habe sich der Umgang mit der Monarchie markant verändert. Sie sei antastbar geworden. «Es ist ein Reputationsschaden, den der König noch zu verhindern glaubte, indem er seinen Bruder vor einem halben Jahr zuerst degradierte und ihn dann aus dem Scheinwerferlicht in die Provinz verbannte.» Dort habe ihn die Vergangenheit nun eingeholt.
Quellen: EPA, SRF