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Medien

Bleibt «La Repubblica» linksliberal?

25. März 2026
Heiner Hug
La Repubblica
(Bild: PD)

Das von einer griechischen Familie kontrollierte internationale Medienunternehmen «Antenna Group» übernimmt die einflussreiche linksliberale italienische Tageszeitung «La Repubblica». Der Kauf wurde diese Woche besiegelt. Die Antenna Group, die bereits in zahlreichen Ländern Zeitungen sowie Radio- und Fernsehstationen besitzt, will zu einem internationalen Medienkoloss werden.

Die 1976 vom italienischen Schriftsteller und sozialistischen Politiker Eugenio Scalfaro gegründete La Repubblica ist die zweitgrösste Zeitung Italiens. In Römer Politkreisen ist sie einflussreicher als viele andere Medien. Kann La Repubblica mit dem Verkauf ins Ausland ihre linksliberale Haltung verteidigen?

Die Zeitung wird oft mit der französischen «Le Monde» verglichen. Ein Verschwinden des Römer Blatts wäre ein schwerer Verlust für die italienische Polit- und Medienlandschaft. La Repubblica ist oft die einzige Zeitung, die kritisch über Giorgia Meloni und ihre rechtspopulistische Regierung berichtet.

Nicht nur La Repubblica geht es seit Jahren finanziell nicht gut. Auch die altehrwürdige Turiner Tageszeitung «La Stampa» kämpft ums Überleben. Beide Zeitungen gehörten bisher zum Medienkonzern «Gedi» (Editoriale S.p.A.). Diese Gruppe wiederum war Teil des Investmentkonzerns «Exor».

La Stampa, La Repubblica
(Bild: PD)

Exor wird von der Turiner Unternehmerfamilie Agnelli-Elkann kontrolliert. CEO von Exor ist John Elkann, Mitglied der Familie Agnelli und Leiter ihrer Geschäfte. Er ist auch Aufsichtsratsvorsitzender von «Stellantis» (u. a. Fiat, Lancia, Alfa Romeo, Maserati, Chrysler, Citroën, Peugeot, Opel) sowie Ferrari.

John Elkann
John Elkann (Keystone/Gaëtan Bally)

Dieser John Elkann wollte La Repubblica und La Stampa retten. Exor war schon 2017 als kleiner Aktionär bei Gedi eingestiegen, übernahm dann schrittweise die Kontrolle und war seit Juli 2024 Hauptaktionär. Doch die Rettung misslang.

Jetzt stösst Elkann beide Zeitungen ab. «Was bleibt, ist ein Trümmerhaufen», sagt die nationale Journalistengewerkschaft FSNI. Dem widerspricht Elkann. Die gefundene Lösung garantiere beiden Zeitungen «eine Zukunft voller Entwicklung und Freiheit».

Über allem ein Schatten

Kürzlich feierte La Repubblica mit grossem Pomp ihren 50. Geburtstag. Ausstellungen wurden organisiert, öffentliche Diskussionen mit Chefredaktoren und Verlegern fanden statt, Kolloquien und Festbankette standen auf dem Programm. Staatspräsident Sergio Mattarella sagte bei der Eröffnung, die Zeitung sei «eng mit der Geschichte Italiens verbunden». Er würdigte die Rolle von La Repubblica als Teil der demokratischen Öffentlichkeit und der politischen und gesellschaftlichen Debatten in Italien.

Auch andere Spitzenpolitiker machten ihre Aufwartung. Nur Giorgia Meloni, die in der Zeitung oft ihr Fett abkriegt, sandte keine Glückwünsche. Man schwelgte an den Anlässen in den Zeiten, als La Repubblica die grösste Zeitung des Landes war. Doch über den Feierlichkeiten lag der Schatten des baldigen Verkaufs des Blatts ins Ausland. Während Gedi und damit La Repubblica an die griechische Antenna Group verkauft wurden, ging La Stampa an die italienische Verlagsgruppe SAE.

Rasanter Expansionskurs

Theodore Kyriakou
Theodore Kyriakou (Foto: www.antenna-group.com)

Die Antenna Group, die sich in Familienbesitz befindet, war 1983 gegründet worden. Das Medien- und Unterhaltungsunternehmen, das von Theodore Kyriakou geleitet wird, verfolgt seit Jahren einen rasanten Expansionskurs. Antenna ist nicht nur das grösste Medienunternehmen Griechenlands. Die Gruppe ist stark in Zentral- und Osteuropa vertreten, wo sie 22 Pay-TV-Kanäle betreibt. Auch in Nordamerika und Australien hat das Unternehmen Fuss gefasst.

Mit dem Kauf von Gedi geht nicht nur La Repubblica in den Besitz von Antenna über. Zum Gedi-Paket gehören auch die italienischen Radiostationen Radio Deejay, Radio Capital sowie die italienischen Ausgaben der Huffington Post und National Geographic Italia sowie die Werbeagentur Manzoni. Antenna zahlte für Gedi zwischen 100’000 und 110’000 Euro. 

Hoffnung?

Zwar werfen die Gewerkschaften John Elkann «Missmanagement» vor und kritisieren, dass kein italienischer Käufer gefunden werden konnte. Doch die Kritik am Exor-CEO ist recht verhalten. Vielleicht war der Verkauf von La Repubblica an Antenna doch die einzig gangbare Lösung.

Und er gibt sogar zu Hoffnung Anlass, denn Antenna will Geld in das defizitäre Blatt stecken. Nach eigenen Worten plant Antenna, «erhebliche neue Mittel zu investieren, um die Reichweite von La Repubblica zu vergrössern und die mehrfach ausgezeichnete Arbeit ihrer zahlreichen talentierten Journalisten aufzuwerten». Sie will auch das Radiogeschäft von Gedi weiterentwickeln und einen bedeutenden Radio-Hub im Mittelmeerraum schaffen.

Tiefe Krise im Printbereich

John Elkann erklärt, was ihn und seine Familie zum Verkauf der Zeitung bewog: «Als meine Familie die beiden Zeitungen übernommen hat und bei der Gruppe Gedi eingestiegen ist, waren wir überzeugt, dass es uns dank einer tiefgreifenden digitalen Transformation gelingen würde, die gesamte Gruppe in die Gewinnzone zu führen. Leider mussten wir im Laufe der Jahre feststellen, dass dies nicht möglich war.» Grund sei die tiefe Krise, die den Printbereich erfasst habe.

«Die Antenna-Gruppe», so Elkann, «ist international stark vertreten und verfügt über grosse Erfahrung im Bereich multimedialer Innovationen: zwei entscheidende Faktoren, um die technologischen Investitionen nachhaltig zu gestalten, die die Branche dringend benötigt, angefangen bei der künstlichen Intelligenz.» Die italienische Journalistengewerkschaft FSNI schreibt, sie werde darauf pochen, dass die Printzeitungen, das Online-Angebot, das Radio und die Rechte der Journalisten geschützt werden. Entlassungen würden nicht akzeptiert. Bei diesen Themen würden dem neuen Herausgeber keine Zugeständnisse gemacht.

Wahrung der redaktionellen Unabhängigkeit

Chefredaktor von La Repubblica bleibt Mario Orfeo, ein früherer Generaldirektor der Rai, des öffentlich-rechtlichen italienischen Radios und Fernsehens. Seit Oktober 2024 steht der erfahrene Medienmacher La Repubblica vor und soll jetzt weiterhin für publizistische Kontinuität sorgen.

Die Antenna-Gruppe verpflichtet sich ausdrücklich dazu, «die redaktionelle Unabhängigkeit aller erworbenen Zeitungen zu wahren», und bekräftigt, dass «die Bewahrung der Identität, der Glaubwürdigkeit und des Pluralismus jeder Marke ein Grundprinzip» ihrer Strategie darstellt. Auch Mirja Cartia d’Asero, Geschäftsführerin der Gruppe «Sole 24 Ore» und neue Geschäftsführerin von Gedi, verspricht, dass La Repubblica ihren linksliberalen Kurs beibehalten wird. Sie spricht von einem «tiefen Bekenntnis zu redaktioneller Unabhängigkeit».

Tendenziell konservativ

Sind das nur schöne Worte? Theodore Kyriakou, der starke Mann bei Antenna, gehört zur wirtschaftlichen Elite Griechenlands und vertritt eher unternehmerische Interessen. Die Medien, die er bisher kontrollierte, sind tendenziell wirtschaftsfreundlich und eher konservativ geprägt.

Wird nun Antenna La Repubblica, die klar linksliberal positioniert ist, nach rechts drängen? Eher nicht, vermuten Marktbeobachter, und zwar aus wirtschaftlichen Gründen. La Repubblica bedient ein Publikum, das zur gemässigten Linken tendiert. Würde die Zeitung das linksliberale Etikett verlieren, käme es wohl zu einem weiteren massiven Einbruch der Leserschaft und damit zu schweren Einnahmeverlusten.

Das rechte Spektrum ist gesättigt

Und eine weitere rechtsgerichtete Zeitung braucht Italien nicht. Rechtsgerichtete Medien gibt es im Belpaese schon genug. Zu ihnen gehören mehrere Regionalblätter und vor allem der Mailänder Corriere della Sera, ein häufig seriöses Polit- und Wirtschaftsblatt. Auch das Berlusconi-Fernsehen ist klar rechts positioniert, und die Rai unter Meloni driftet immer mehr in den Rechtspopulismus ab.

Die Besitzer von Antenna sind Wirtschaftsleute, die Geld verdienen wollen. Das rechte Spektrum ist besetzt und gesättigt. Ein Abdriften der jetzt libnksliberalen Repubblica nach rechts würde nichts einbringen. Geld verdienen kann man noch mit einer gemässigt oppositionellen Linkszeitung. «Hoffentlich wissen das die Verantwortlichen von Antenna», heisst es auf der Römer Redaktion von La Repubblica.
 

In Italien gibt es drei führende nationale Zeitungen. 

Ihre Auflagen sind in den letzten Jahren dramatisch gesunken.

Der «Corriere della Sera», Hauptsitz in Mailand, gegründet 1876, liberal, eher konservativ, heute zur Mitte rückend, wirtschaftsfreundlich, ist mit einer Gesamtauflage (Print und Digital) von 210’000 die heute grösste Zeitung des Landes. 2023 lag die Gesamtauflage noch bei rund 246'000. Vor hundert Jahren hatte das Blatt eine Auflage von einer Million.

«La Repubblica», Hauptsitz in Rom, gegründet 1976, linksliberal, hat eine Gesamtauflage (Print und Digital) von 150’000 Exemplaren. Politisch ist das Blatt zum Teil einflussreicher als der Corriere und wird deutlich mehr von anderen Medien zitiert. Die Zeitung hatte in den Gründerjahren einen starken Aufstieg und erreichte noch in den Neunzigerjahren Auflagen von bis zu 800'000 Exemplaren. Zeitweise war das Römer Blatt die grösste Zeitung des Landes. Ab 2005 ging es kontinuierlich bergab.

«La Stampa», Hauptsitz in Turin, gegründet 1867, die älteste der drei nationalen Qualitätszeitungen, liberal, wirtschaftsfreundlich. Das Blatt hatte in den Achtzigerjahren noch eine Auflage von 800'000 Exemplaren. Heute sind es 85'000. Dazu kommen etwa ebenso viele digitale Aufrufe. Die Zeitung, einst eines der drei Qualitätsmedien Italiens, konzentriert sich in jüngster Zeit auf Norditalien und verliert nationale Reichweite.

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