Die italienische Ministerpräsidentin gilt als «Chouchou« von Donald Tump. Er bezeichnete sie als eine «phantastische Frau.» Ihr gelang es, mit einer vorsichtigen Schaukelpolitik, den Herrscher im Weissen Haus bei Laune zu halten. Und diese Giorgia Meloni ist es nun, die Trump offen kritisiert.
Die Ministerpräsidentin befindet sich zur Zeit auf einer Asienreise. Nach Japan besucht sie jetzt Südkorea. Und dort, in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, setzte sie jetzt ein klares Zeichen.
An einer eilends einberufenen Medienkonferenz sagte sie: «Die Ankündigung einer Erhöhung der Zölle gegenüber den Ländern, die sich für die Sicherheit Grönlands engagieren, ist ein Fehler, den ich nicht teile.» Sie sagt es ganz klar: «ein Fehler».
Trump hatte am Samstag angekündigt, dass er gegen acht europäische Länder, die sich gegen seine Grönland-Politik stemmen, einen Zoll von 10 Prozent verhängt. Diese Länder sind Dänemark, Deutschland, Norwegen, Schweden, Frankreich, Grossbritannien, die Niederlande und Finnland. Italien ist nicht dabei. Die Zölle sollen ab dem 1. Februar gelten.
Es sei vielleicht das erste Mal, schreibt die Römer Zeitung La Repubblica, «dass die Ministerpräsidentin keine sanften Worte wählt, um den Tycoon zu kritisieren».
Die Entscheidung der europäischen Partner, in Grönland Militärmanöver durchzuführen, sei nicht als «anti-amerikanisch» zu verstehen, sagte Meloni. Es sei daher notwendig, «den Dialog wieder aufzunehmen, um eine Eskalation zu vermeiden».
Meloni lässt durchblicken, dass sie sich eine «Nato-Lösung» vorstellt. «Ich bestehe weiterhin auf der Rolle der Atlantischen Allianz», sagte sie. Die Nato sei das Mittel, um in einem Gebiet, das «eindeutig strategisch wichtig ist», gemeinsam «Abschreckung gegen Eingriffe» zu organisieren. Also im Klartext: Grönland soll nicht amerikanisch werden, aber Nato-Truppen mit amerikanischer Beteiligung sollen für die Sicherheit sorgen. Dann, wenn alles unter dem Kommando der Nato geschieht, kann sie sich auch vorstellen, dass italienische Truppen in Grönland eingesetzt werden.
An der Medienkonferenz teilt sie mit, dass sie wenige Stunden zuvor mit Trump am Telefon gesprochen habe. Sie habe ihn «auf diese Idee aufmerksam gemacht». Auch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte habe sie telefoniert. Und wie hat Trump auf den Vorschlag reagiert?, wird sie gefragt. «Ich hatte den Eindruck, dass er interessiert zuhörte.» Mit einem Lächeln fügte sie bei: «Ich glaube nicht, dass ich hier als Stenografin fungieren kann, um wiederzugeben, was ein Kollege gesagt hat …»
Beobachter in Rom sagen, die leise Kritik Melonis an Trump sei nicht zu unterschätzen. Von den anderen europäischen Führern, vor allem von Macron und Merz, hält der amerikanische Präsident nichts mehr. Meloni allerdings scheint er immer noch zu schätzen und ernst zu nehmen. Kann sie Einfluss auf seinen neuesten Zollentscheid ausüben?
Affaire à suivre.
(EU-Botschafter traten am Sonntag in Brüssel zu einem Dringlichkeitsmeeting zusammen. Laut Financial Times stand zur Dikussion, ob die EU den USA Vergeltungszölle von 93 Milliarden Euro berechnen sollen.)