Zwiespalt

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Zwiespalt

Von Christoph Kuhn, 23.05.2013

In diesen Tagen begeht man den 200. Geburtstag eines der Grossen der Musikgeschichte. Richard Wagner wird gefeiert. Nur zu gerne lässt man sich von seiner Musik berauschen: ein Genie, nichts weniger. Ein Genie, leider, das uns einen Stachel ins Fleisch treibt. Wagner war ein notorischer Antisemit. Blättert man in seiner Schmähschrift „Das Judenthum in der Musik“, mit der er sich ein Leben lang gebrüstet hat, kann es einem schlecht werden. Kein Zweifel: Das Genie Wagner ist als Mensch mit derartigen Überzeugungen verachtenswert. Den Zwiespalt, Musik zu geniessen, die ein Verachtenswerter komponiert hat, wird man nicht los. Ein ethisch-ästhetisches, ein unlösbares Problem: weder kann man Wagners Antisemitismus kleinreden oder verzeihen, noch liesse sich beweisen, dass dieser Dreck seine Musik vergiften würde. Wie gehen die Regisseure seiner Opern mit dem Konflikt um? Der eine, Burkhard C. Kosminski in Düsseldorf, macht aus Tannhäuser einen Nazi, der Juden erschiesst. Eine Provokation von seltener Einfältigkeit. Sie hat ein paar Besucher buchstäblich krank gemacht und den Intendanten des Theaters dazu bewogen, die Aufführung abzusetzen. Der andere, Hans Neuenfels, der in Zürich eine Aufführung über das Leben des Komponisten inszeniert, kennt das Dilemma, wenn er in einem Interview von dem „grässlichen Etwas“, vom „verbrecherischen Punkt“ in Wagners Biografie spricht - und dann meint, Wagner mit den Nazis gleichzusetzen sei für ihn „absolut indiskutabel“. (Christoph Kuhn)

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Weder die Kunst, noch die Wissenschaft kann die Menschen besser machen. Beide machen "bloss" intelligenter und erfüllter.

"Besser" ist aber nötig, wenn es denn in 200 Jahren oder so noch Menschen geben soll.

Seit tausenden von Jahren gibt es zwei Methoden um die Menschen besser zu machen.

Eine mit viel Blut mit all den Kriegen und Massakern gegen jene die man als die Bösen identifiziert und wegmachen will.

Das Gegenteil ist nicht der Frieden - der nie grundsätzlich mehr war als einige Pausen zwischen Tötungen.

Die andere Methode, die ohne Blut, ist die Schule. Lehrer und Schüler. Millionen davon geduldig Tag für Tag mit einer unglaublichen Vielfalt. Diese Vielfalt garantiert Stabilität. Es gibt jene, die an den Schulen sparen wollen.

Der Masstab für den Status eines Landes bemisst sich nach den Jahren der obligatorischen Schule für Mädchen. Die Taliban zum Beispiel wollen Null Jahre.

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