Vor der Schlacht um Hodeida

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Vor der Schlacht um Hodeida

Von Arnold Hottinger, 09.06.2018

Die von Saudi-Arabien unterstützten Anti-Huthu-Kämpfer marschieren auf die wichtigste jemenitische Hafenstadt am Roten Meer zu. Hilfswerke befürchten ein Blutbad.

Monatelang steckte der Angriff der Truppen des Präsidenten Abed Rabbo Mansur al-Hadi auf die wichtige jemenitische Hafenstadt Hodeida fest. Unterstützt wird dieser Angriff von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Präsident al-Hadi war von den Huthis davongejagt worden, doch Saudi-Arabien will, dass er wieder die Macht übernimmt.

In den letzten Wochen ist nun Bewegung in den Vorstoss der al-Hadi-Kräfte gekommen. Dies vor allem deshalb, weil sie wichtige Unterstützung erhalten haben.

Tareq Saleh aufseiten al-Hadis

Diese Unterstützung kommt von General Tareq Saleh, einem Neffen des im vergangenen Januar ermordeten langjährigen Präsidenten und starken Mannes Jemens, Ali Abdullah Saleh. Tareq Saleh hat nun seine Nachfolge angetreten und grössere Teile der jemenitischen Armee, die seinem getöteten Onkel loyal ergeben blieben, um sich gesammelt. Unterstützt und neu bewaffnet wurden seine Truppen nun von Saudi-Arabien und den Emiraten. In einem Ausbildungslager nördlich der Hafenstadt Mokha wurden Tareq Salehs Verbände trainiert.

Ex-Präsident Ali Saleh Abdullah hatte im vergangenen Januar den Versuch gewagt, das Lager zu wechseln. Er kehrte den Huthis, seinen bisherigen Verbündeten in der Hauptstadt Sanaa, den Rücken und schloss sich seinen bisherigen Feinden, der pro-saudischen Regierung al-Hadi an. Diesen Positionswechsel bezahlte er mit dem Leben.

Vormarsch auf Hodeida

Die Truppen von Ali Saleh Abdullahs Neffen, Tareq Saleh, haben nun die Initiative ergriffen und sind bis in die unmittelbare Nähe der Hafenstadt Hodeida vorgestossen. Diese wird von den Huthis gehalten. Salehs Soldaten sollen bereits 20 Kilometer vor der Stadt stehen.

Hodeida ist eine Stadt von gegen 400’000 Einwohnern und liegt am Roten Meer. Der dortige Hafen bildet das wichtigste Eingangstor für Nahrung, Weizen in erster Linie, und für Treibstoff, die für das dicht bewohnte Hinterland Jemens und seine Hauptstadt Sanaa lebenswichtig sind. Diese dicht bewohnten gebirgigen und grünen Teile Jemens werden nach wie vor von den Huthis gehalten. In den von ihnen kontrollierten Landesteilen leben mindestens 15 der 25 Millionen Jemeniten.

Karte: Journal21.ch/stepmap.de
Karte: Journal21.ch/stepmap.de

Angeblicher Waffenschmuggel aus Iran

Die pro-saudischen Kräfte versuchen die Hafenstadt zu erobern, um – wie sie erklären – die Waffenlieferungen aus Iran, welche die Huthis über das Meer erreichen, abzuschneiden.

Doch die Bedeutung Hodeidas für die Ernährung der weiten Regionen, die sich in der Hand der Huthis befinden, legt auch die Annahme nahe, dass der Verlust der Hafenstadt für die Huthis kriegsentscheidend werden könnte. Jedenfalls ist zu erwarten, dass Kämpfe in der Hafenstadt die ohnehin katastrophale Versorgungslage der jemenitischen Zivilisten, die unter der Herrschaft der Huthis leben, noch weiter verschlechtern würden.

Ermahnungen an Saudi-Arabien und an die VAE

Die Menschenrechtsorganisationen wie auch die amerikanische Regierung haben Saudi-Arabien und die VAE ermahnt, einen Angriff auf Hodeida zu unterlassen. Die Beauftragten des Sicherheitsrates versuchen, eine Regelung auszuarbeiten, nach welcher der Sicherheitsrat die Verantwortung für den Hafen erhalten könnte. Gleichzeitig soll er den Waffenschmuggel unterbinden und die Einfuhr lebensnotwendiger Güter sichern.

Ob das gelingt, ist allerdings fraglich. Die Pro-Hadi-Seite sieht in der Eroberung von Hodeida die Chance eines endgültigen Sieges – wenn auch auf Kosten der jemenitischen Zivilbevölkerung.

Flüchtlingsströme

In Erwartung der Schlacht um Hodeida sind nach Angaben der Hilfswerke bereits etwa 100’000 Menschen aus der Hafenstadt und der umliegenden Gebiete geflohen. Sie versuchen, den erwarteten Bombardements auszuweichen und Aden zu erreichen. Wenn die Kämpfe beginnen, wird mit einem riesigen Flüchtlingsstrom gerechnet.

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Zu Römerzeiten galt Jemen wegen seiner Prosperität als ARABIA FELIX.
'Als 1945 endlich Frieden nach Europa kommt, ist Jemen eine Oase von der Größe Frankreichs mit bezaubernder Architektur und nur vier Millionen Menschen. Zählt man seine bewaffneten Konflikte ab 1962, steht die Heimat Osama bin Ladens (1957-2011) momentan im zwölften Krieg. Es soll einmal mehr der letzte sein. Was spricht dagegen?' (G. Heinsohn)
Bevölkerung 1970: 6.2 Mio
Bevölkerung 2017: 28.2 Mio.
Kriegsindex nach Heinsohn: 5.4 (540 Junge konkurrieren um die frei werdenden Plätze von 100 Alten)
Der Islam, die 'Religion des Friedens', ist in Jemen Staatsreligion. Noch Fragen?

(sorry, Herr Hottinger - ich schätze Ihre Artikel sehr)

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