Megalativ

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Megalativ

Von Heiner Hug, 15.09.2017

Der Superlativ stirbt aus.

Was ist nicht alles „super“? In Deutschland fanden im März 2016 gleich drei Landtagswahlen statt. Es war „Supersonntag“. Da gibt es die Superstimmung, den Super-G, den Super Bowl, den Super Tuesday, der Superhammer, den Super BH mit Reissverschluss. Ein deutscher Grossverteiler wirbt mit „super-süss, super-sexy, super-easy, super-geil“. Alles super.

Doch die Superisierung ist in die Jahre gekommen. „Super“ gehört längst zum Betagten-Vokabular. Wer etwas auf sich hält, steigert origineller – und vor allem brutaler.

Der Superlativ genügt längst nicht mehr. Heute herrscht der Mega-lativ, der Hyper-lativ und der Ultra-lativ. Heute werden Ausdrücke bis zum Wahnsinn gesteigert. Oder bis zum Schwachsinn.

Wir alle, nicht nur die Werber, haben den Drang, allem noch eins draufzusetzen. Und wir glauben, nur dann kommt die Botschaft an. Erst dann merken wir, dass ein Essen eben nicht nur ausgezeichnet schmeckt, sondern der totalste Wahnsinn ist.

Totalste? Maximalste? Perfekteste? Mehr als „total“, als „maximal“, als „perfekt“ kann etwas nicht sein. Eine Firma verspricht den „optimalsten Service“. Wenn dieser Service doch nur wenigstens gut wäre.

Nützen sich diese hemmungslosen Übertreibungen nicht langsam ab? Werden wir nicht immun dagegen? Wäre manchmal weniger nicht mehr?

„Das ist ein gutes Buch.“ Darunter kann ich mir etwas vorstellen. Wenn ich höre: „Dies ist das einzigartigste megageilste Buch“ weiss ich eigentlich gar nichts.

Wenn eine Firma das „unübertroffenste Angebot“ anpreist, denke ich: Na ja, der übliche Werbe-Quatsch. Ich sage mir: Wer so werben muss, taugt nichts. Wenn ich aber höre: „Ein faires Angebot“, horche ich auf. Die Werber haben es mit ihren Hyperlativen längst zustande gebracht, dass man ihnen nicht mehr glaubt.

Trotzdem geht der Steigerungsirrsinn ungezügelt weiter: Das „Absoluteste“, das „Vollkommenste“, das „Einzigartigste“, das „Göttlichste“. Etwas Vollkommenes wird noch vollkommener. 

Und natürlich: „Der grösste Super-GAU“. Wie kann der absolut „grösste anzunehmende Unfall“ noch grösser und gar super sein?

Er kann es. Es heisst dann: „Die absoluteste Mutter aller unübertroffensten Mega-super-GAUs“. Einzigartigst geil, nicht wahr?

Kommentare

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Nicht göttlich, sondern banal.

Richtig, kehren wir doch den Spiess um. Immer wenn jemand mir gegenüber das Wort Super spricht, entgegne ich: ich finde dies nicht super sondern infer. Dann grosses Fragezeichen oder was soll das? Ich: das Gegenteil Ihrer/deiner Wertung.

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