„Ich will nicht ins Militär“ - Eine Polemik

Jonathan Clivio's picture

„Ich will nicht ins Militär“ - Eine Polemik

Von Jonathan Clivio, 22.05.2017

Finden Sie mich feige, weil ich nicht ins Militär will? Bin ich deshalb für Sie etwa kein richtiger Mann? Und schon gar kein richtiger Schweizer?

Lassen Sie mich raten: Sie sind gegen Gewalt. Trotzdem denken Sie, dass die aktuellen Gefahren, welche die Schweiz bedrohen, nur mit Hilfe einer tadellos funktionierenden Armee gestoppt werden können. Und dabei geht es Ihnen nicht nur um Ihre eigene Sicherheit, sondern auch – vielleicht sogar vorrangig – um die Schweizer Werte, die bewahrt und beschützt werden müssen.

Da gebe ich Ihnen Recht. Doch was genau verstehen Sie unter „Schweizer Werten“? Sie werden sagen: Freiheit, Demokratie und Gleichberechtigung. Ungefähr in dieser Reihenfolge. Vielleicht noch Toleranz. Dass Waffengewalt Toleranz aber nicht stärkt, das sehen Sie auch. Und ich habe grosse Zweifel, ob wir unsere Werte schützen, wenn wir junge Menschen ins Militär zwingen, wo sie ohne jegliche Mitsprache den Befehlen ihrer Vorgesetzten nachhecheln sollen – und zwar auch noch im 21. Jahrhundert ausschliesslich die Männer. Da stimmt doch etwas ganz gewaltig nicht.

Und was meinen Sie eigentlich genau, wenn Sie „Freiheit“ sagen? Meinen Sie, dass Sie in den Supermarkt gehen können und von früh bis spät eine unübersichtlich grosse Auswahl von Konsumgütern vorfinden? Wählen zu können, was Sie konsumieren, macht sicher einen Teil Ihres Freiheitsbegriffes aus. Das ist aber nicht zwingend Freiheit, sondern vor allem Überfluss. Ein Überfluss, der auf dem Rücken Schwächerer erwirtschaftet wurde. Sogar dieser Text, den Sie in diesem Moment lesen, steht Ihnen nur zur Verfügung, weil Technologie in der Schweiz so billig verfügbar ist. Sie können ihn nur deshalb konsumieren, weil Kinder rund um die Welt ihre Zukunft, ihre Gesundheit und ihr Leben für unseren Konsum aufs Spiel setzen. Nennen Sie das gerecht? Ist das Gleichberechtigung? Nennen Sie es demokratisch, wenn die Schweiz diktatorische Regime unterstützt, die unsere Werte zwar verachten, aber dafür wenigstens das Elend aus der Schweiz aussperren? Das ist es nicht.

Es geht Ihnen also nicht um die Schweizer Werte, wenn Sie fürs Militär sind. Es geht Ihnen nur darum, sicherzustellen, dass Sie auch in Zukunft Ihrem Konsum frönen können. Mit allem Respekt: Dafür gehe ich nicht ins Militär. Es geht Ihnen nicht um die Bedrohung Ihrer Sicherheit. Es geht um Ihr Nationalego.

Denn das ist die wahre Aufgabe des Militärs: Es soll für Sie ein glorifiziertes Bild der Schweiz entwerfen: Einer Schweiz als uneinnehmbarer Festung mit Bunkern und Geschützen, gesichert durch eine Truppe von tatkräftigen, starken jungen Mannen. Dieses Bild wird auch in den Prospekten, die mir das Militär zuschickt, zelebriert, und genau dieses Gefühl wird auch an den Orientierungstagen des Militärs heraufbeschworen. Und genau das meinen Sie, wenn Sie Jungen wie mir auf die Schulter klopfen und sagen, jetzt seien wir dran. Jetzt sollen wir das Vaterland verteidigen und richtige Männer werden. Mutig unsere Pflicht erfüllen. Und damit zeigen, dass wir richtige Schweizer sind.

Damit nicht genug: Auch für die Überwindung veralteter Geschlechterrollen stehen Sie selbstverständlich ein. Und dennoch rufen Sie mich dazu auf, allzeit bereit zu sein und alles für die Verteidigung meines Vaterlandes zu tun; nur weil ich einen Penis habe! Sehen Sie nicht, dass das ein sexistisches Klischee ist? Die Überwindung dieser Rollenklischees stellt einen wichtigen Teil unserer Werte dar. Und die Verteidigung genau dieser Werte haben Sie sich doch ausdrücklich auf Ihr Schweizer Fähnchen geschrieben. Sie konfrontieren mich mit einem längst veralteten Bild eines männlichen Helden; und ich soll danach streben, weil das die Emanzipation schützen soll?

Sie versuchen also allen Ernstes, mich nicht nur mittels eines sexistischen, sondern auch noch eines nationalistischen Klischeebildes zu motivieren. Ich sei nur ein richtiger Schweizer, wenn ich männlich-mutig zu den Waffen greife. Obwohl Sie wissen, dass es falsch ist, sehnen Sie sich nach diesem Bild. Obwohl Sie den Chauvinismus stets als gefährlich und veraltet abtun, bereitet Ihnen dieses Bild der Schweiz immer noch Freude. Wilhelm Tell wurde von einem Deutschen erfunden – zumindest so, wie wir ihn heute feiern. Auch das wissen Sie genau. Und jetzt möchten Sie wirklich, dass ich für dieses klischierte Trugbild ins Militär gehe? Das werde ich nicht.

Darum entgegnen Sie nun, es sei eine Erfahrung, die man eben mal machen müsse. So ein Stuss! Wenn Sie ein Elternteil sind und das Gefühl haben, dass ein Jahr lang Krieg auf Kosten des Steuerzahlers zu spielen Ihrem Kind etwas mitgibt, das Sie ihm nicht vermitteln konnten, haben Sie dann nicht total versagt? Soll das Militär den jungen Balgen Respekt einflössen, weil Sie in Ihrer antiautoritären Erziehung niemals der Böse sein wollten?

Und jetzt wollen Sie, dass ich bereit bin, für die Schweiz zu töten und zu sterben. Gleichzeitig verachten Sie jeden Moslem, der sich nicht ständig von Selbstmordattentätern distanziert. Dann haben Sie also das Gefühl, dass ein junger Mann, der bewaffnet in seinen sicheren Tod rennt, heldenhaft ist, solange er für Ihre – und nur für Ihre – Werte kämpft. Was unterscheidet Sie dann noch von einem islamistischen Hassprediger, der einem jungen Mann einen Sprengstoffgürtel überzieht, wenn Sie mich in die Militäruniform zwingen und für die gute Sache opfern wollen?

Sie müssen sich entscheiden: Wenn Sie die Emanzipation wollen, dann können Sie nicht propagieren, dass ein richtiger Mann ins Militär gehen muss. Und wenn Sie in der heutigen Zeit leben wollen, dann dürfen Sie nicht mit einem so veralteten Nationalbegriff um sich werfen. Wenn Sie glauben, dass Kinder von Autoritätspersonen nicht geschlagen werden dürfen, dann sollten Sie diesen antiautoritären Ansatz nicht beim ersten Versprechen für Sicherheit über den Haufen schiessen. Sie sehen: entweder Schweizer Werte oder Militär.

Jetzt sagen sie vielleicht, dass ich Sie vor ein falsches Dilemma stelle. Diese Radikalität sei ungehörig und nicht angebracht. Doch genau das ist sie. Denn das ist das Schöne an Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und Toleranz: Sie sind absolut; nur ein bisschen geht nicht.

Letztlich werden Sie anfügen, dass mein Denken zu idealistisch sei. Spätestens wenn die Russen mit ihren Panzern in Oerlikon stehen, sei dann auch ich fürs Militär. Doch genau das ist es: Islamischer Staat, Nordkorea, Trump und Putin sind alles Gefahren, gegen die das Militär in seiner heutigen (Un-)Form machtlos ist. Der Islamische Staat freut sich sogar über unser Militär: Die Hassprediger des Islamischen Staates können genau dort anknüpfen, wo Sie aufhören. Ein richtiger Mann sei nur, wer bereit ist, für das Richtige zu sterben. Aber Ausländer dürfen nicht ins Militär. Die müssen sich ein anderes Richtig suchen. Der Islamische Staat muss dann nur noch die Hand ausstrecken und den Verstossenen aufzeigen, dass auch die Schweiz nicht perfekt ist. Spoilerwarnung: Sie ist es nicht.

Damit Sie mich ja nicht missverstehen: Ich möchte mit Nachdruck betonen, dass ich die Schweiz für schützenswert halte. Und genau darum bin ich gegen das Militär. Ich glaube, dass das wirklich Schützenswerte an der Schweiz unsere Werte sind. Genau diese Werte werden bereits durch die blosse Existenz des Militärs mit Füssen getreten. Wenn Sie die Schweiz so wie ich wirklich schützen wollen, dann müssen Sie das Militär abschaffen.

                                                     ***

Jonathan Clivio wurde im Jahr 1999 geboren und besucht die fünfte Klasse im Realgymnasium Rämibühl in Zürich. Er interessiert sich für Politik, Theater und Mathematik. Im letzten Jahr erreichte er bei „Jugend debattiert“ die Regional-Halbfinals und im Känguru-Mathematikwettbewerb den dritten Platz der Deutschschweiz.

Verantwortlich für die Betreuung der jungen Journalistinnen und Journalisten von „Jugend-schreibt“ ist der Deutsch- und Englischlehrer Remo Federer ([email protected])

Weitere Informationen zum Zürcher Realgymnasium Rämibühl unter www.rgzh.ch

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Die Schweizer Armee setzt sich seit dem Jahre 1848, also seit der Gründung des Bundesstaates, für die Sicherheit im Lande ein.
Die Armee verteidigt das Land, sowie seine Bevölkerung und nur ihr ist es möglich in einer Krisensituation mit ausreichender Kapazität die Schweiz vor allen möglichen Gefahren zu schützen. Eine Abschaffung der obligatorischen Wehrpflicht bzw des Militärs würde zu einem Abbau der Einsatzfähigkeit führen. Ein neutraler Kleinstaat, wie die Schweiz kann ohne Armee, in einer Krisensituation, ganz auf ausländische Hilfe verzichten.
Die Sicherheit unserer Volkswirtschaft ist also definitiv abhängig von der Armee. Ein globaler Konflikt scheint heute zwar als eher unwahrscheinlich, doch Konflikte auf regionaler Ebene werden nicht ausbleiben. Die Bedrohungslagen mögen heutzutage vielleicht nicht offensichtlich sein, wie vor einem halben Jahrhundert, doch darum sind sie umso unberechenbarer.

Für dich heisst die Armee nur eines: "Kriechen"
Doch die Rekrutenschule bietet bei genauerem Hinschauen einiges mehr. Eine persöhnliche Lebenschule: Respekt, Loyalität, Durchhaltewille, sowie auch Führungserfahrungen.
In unserer Privatwirtschaft kommen dir diese Eigenschaften sehr gelegen. Ausserdem werden die Führungslehrgänge der Armee sehr positiv im System der Bildung aufgenommmen.
Das Kader des Militärs überlappt sich in vielen Bereichen mit dem Kader der Schweizer Gesellschaft.

Zudem würde eine Abschaffung des Militärs wohl kaum zu einer Anpassung des Rollenbilds zwischen Mann und Frau führen. Weiter denke ich auch nicht, dass die obligatorische Wehrpflicht die Selbstbestimmung junger Männer einschränkt.
Jeder Mann und jede Frau sollte seine/ihre Pflicht erfüllen und seinem Land einen Dienst, egal in welcher Form, leisten. Also lieber Jonathan erfülle deine Pflicht und absolviere einen, von vielen dir zur Verfügung stehenden Diensten.

Diesem jungen Mann und seinem Lehrer kann man nur danken und gratulieren. Sie gehören zur raren, aber bitter nötigen Gattung der Selbstdenkenden. Seine Darlegungen gegen die Armee sprechen mir aus der Seele und sind ein Schritt runter vom Baum der Ideologien, Dogmen und blindem Gehorsam. Ich habe die Armee erlebt als Anstalt, in der vor allem Duckmäusertum und Menschenverachtung erzeugt wurde.

Den Artikel von Jonathan Clivio hätte ich schreiben können - vor 50 Jahren. Gut, dass er ihn heute schreibt, gibt Hoffnung. Bin heute überzeugt, dass es Voraussetzungen für die Freiheit, die Jonathan beansprucht: Land, Leute und Machtmonopol (zudem noch eine wertebildende Religion), demokratisch legitimiert und durchsetzbar. Da gehört das Militär dazu, die Genderfrage ist Nebensache. Nur innerhalb dieses sicheren und vertrauten Rahmens können sich Ideen entwickeln, wie diejenige von Jonathan - ich hoffe, wir erreichen das einmal.

Gewisse Pflichten sollte jeder Einwohner eines Landes übernehmen müssen. Muss es aber der Dienst im Militär sein? Eine allgemeine Dienstpflicht wäre die Lösung und zwar für alle Einwohner. Zu leisten im Militär, im Zivildienst, im Zivilschutz oder auch in anderen Behörden z.B. auf kommunaler Ebene in der Schulpflege oder in einer Kirchenpflege. Wer den Dienst nicht leisten kann, der zahlt. Wie gesagt, es leisten alle diesen Dienst, Frau, Mann, mit oder ohne Schweizer Pass. Unser bisheriges System hat tatsächlich eine männlich-sexistische Schlagseite. Genau dies sollten wir überwinden! Und trotzdem ist es wichtig, dass alle Bewohner ihren Beitrag leisten. Den Artikel von Jonathan Clivio erachte ich als sehr wichtigen visionären Denkanstoß. Gerade von KantonsschülerInnen erwarte ich, dass sie über den Tellerrand hinausblicken und helfen, die Gesellschaft weiterzuentwickeln. Vielen Dank dafür!

Der Artikel von Jonathan Clivio hat mich sehr gefreut. Ich bin der Meinung, militärische Konfliktlösungen taugen nichts, sind katastrophal, sowohl gegen innere wie gegen äussere Feinde. In Syrien, im Irak, in Libyen, ins Somalia, in Afghanistan, Pakistan, im Jemen usw. sind schon hunderttausende Menschen umgekommen, ohne dass eine Lösung durch all die Militärinterventionen in Sicht ist. Die Schweizer Armee würde uns auch im Kampf gegen innere und äussere Feinde zwischen den AKWs zu Tode verteidigen.

Es gibt heute Alternativen zur militärischen Verteidigung die durchaus erfolgreich sein können, wie es sich 1990 zum Beispiel in Estland, Lettland und Litauen, im Baltikum zeigte.

Der Berliner Friedensforscher Theodor Ebert war auf dem Baltikum als Berater für ein gewaltloses Vorgehen tätig. Ebert verfasste 1972 die Studie "Gewaltfreier Aufstand - Alternative zum Bürgerkrieg"

Der Kampf für die Befreiung und die Unabhängigkeit der baltischen Staaten wurde gewaltlos geführt. Im Zuge der Auflösung des sowjetischen Imperiums, die Gunst der Stunde unter Gorbatschow nutzend, erreichten die Balten ohne Krieg die Unabhängigkeit und den Abzug der Roten Armee. Nach 50 Jahren Diktatur gelang es gewaltlos, die russische Besatzung zu beenden. Ein gewaltsames Vorgehen der Esten, Litauer und Letten gegen die russischen Besatzer, mit Bomben und Attentaten, hätte sicher eine blutige Reaktion der Roten Armee ausgelöst, wie in Tschetschenien. Die Sichtweise, ein Regime der Diktatur und der Unterdrückung zu überwinden sei nur mit Gewalt möglich, stellte der friedliche Umbruch in Osteuropa und der Falle der Berliner Mauer in Frage.

Theodor Ebert sah die soziale Verteidigung nicht als Allheilmittel für den Weltfrieden, sondern vielmehr als eine vorsichtige Überlebensstrategie in einer, unter anderem durch Atomwaffen, immer stärker bedrohten Welt.

Auch unter extremen Diktaturen, in Norwegen und Dänemark sogar unter dem Naziregime, waren gewaltlose Aktionen oft erfolgreicher als Operationen der bewaffneten Résistance in Frankreich oder Jugoslawien. Dazu gibt es umfangreiche Literatur, zum Beispiel das Buch „Die gewaltfreie Aktion“ von Gernot Jochheim, vom Verlag Rasch und Röhring, 1984. Diese Studien wären gerade heute in unserer so gewaltgläubigen Zeit, des so genannten weltweiten Krieges gegen den Terror aktuell.

Ich bin auch gegen Waffen und gegen Gewalt. Ich kann das auch gefahrlos sagen, denn als alte Frau laufe ich nicht Gefahr, in die RS eingezogen zu werden, wo ich Kartoffeln essen müsste statt Sushi und nicht genügend Zeit hätte mit meinem Handy herumzuspielen. Aber: ich bin 1942 geboren und weiss, dass mein Leben ohne die Waffen der Amerikaner, der Engländer und auch der Russen ziemlich anders herausgekommen wäre. Deren Sieg über die deutsche Kriegsmaschine wurde mit Waffengewalt erreicht, leider nicht mit Kommunikation und Toleranz. Trotz meiner Abneigung gegen Gewalt würde ich noch heute zur Waffe greifen wenn wieder eine solche Situation das nötig machen würde. Nämlich damit Sie, junger Mann, weiterhin die Wahl haben zwischen Aldi und Lidl. Allerdings würde ich Ihnen zuerst die Lektüre eines Geschichtsbuchs empfehlen.

Sie schreiben:
Damit nicht genug: Auch für die Überwindung veralteter Geschlechterrollen stehen Sie selbstverständlich ein. Und dennoch rufen Sie mich dazu auf, allzeit bereit zu sein und alles für die Verteidigung meines Vaterlandes zu tun; nur weil ich einen Penis habe! Sehen Sie nicht, dass das ein sexistisches Klischee ist? Die Überwindung dieser Rollenklischees stellt einen wichtigen Teil unserer Werte dar. Und die Verteidigung genau dieser Werte haben Sie sich doch ausdrücklich auf Ihr Schweizer Fähnchen geschrieben. Sie konfrontieren mich mit einem längst veralteten Bild eines männlichen Helden; und ich soll danach streben, weil das die Emanzipation schützen soll?

Krieg beginnt im Kopf. Die obige Aussage deutet darauf hin, dass Sie gewisse Klischees noch selbst verinnerlicht haben.
Ich mag Provokation allerdings sollte sie etwas differenzierter sein.

Ich behaupte auch, Sie sehen es falsch!
Obwohl die Gefahr besteht belehrend zu wirken, möchte ich das Risiko eingehen. Leben, sowohl im tierischen wie auch im menschlichen Bereich basiert auf fressen und gefressen werden. Territorialkämpfe gehören genauso dazu wie Verteidigung von schon erreichtem. Sozial orientierte Gruppen verteidigen, jagen, erobern auch oft gemeinsam. Satt bedeutet nur, auf der Hut zu sein um nicht selbst gefressen zu werden. So ist die Natur in ihren Grundzügen. In soziale Gruppen eingebunden, von ihnen zu profitieren, ihre Vorzüge auszukosten bedingt Eingliederung, sprich Integration, mitmachen, teilnehmen. Die Armeen von etlichen Staatengebilden garantieren daher Schutz und Abwehr. Auch jenes Erreichte von Familien, Lebenskultur und Selbstgestaltung jederzeit gegen mögliche aggressive Eindringlinge zu schützen tut Not. Dazu noch Selbstbehauptung durch Selbstbewusstsein und jenem Willen, miteinander schaffen wir das. Unsere Neutralität bedingt, sich niemals in fremde „Händel“ mit Waffen einzumischen, im Dialog mit anderen friedensstiftend zu wirken und auch abzuwarten bis ein Rest der Menschheit auch einmal so weit ist, so wie Sie es als Einzelperson schon sind. Beiträge zu leisten und aktive Bildung zu fördern, bis manche aggressive kriegsbereite Gruppen endlich zu intelligenteren Wesen mutieren. Lieber junger Mann, wir sind leider keine Insel, darum haben wir als Staat genauso wie Ihr Körper eine Immunantwort auf Bedrohungen. Muss eben sein! (Oskar Wilde)… Solange man Krieg als ein Verbrechen betrachtet, wird er die Menge immer geheimnisvoll anlocken. Wenn er als etwas Vulgäres gesehen wird, kann man endlich mit solchem Unsinn aufhören… cathari

Krieg löst keine Probleme sondern gibt dem Konflikt nur mehr O2. Kritische Stimmen welche sich dem status quo entgegensetzen sind sehr nötig, so dass sich das 'bewehrte' immer wieder neu selbst-identifizieren muss: als Menschheit (individuel und sozial) sind wir immer in Veränderung: das status quo kann nicht statisch bleiben. Neue Erfindungen für neue Bedürfnisse.
Jetzt, die Frage des Militärs: Jonathan hat so recht, dass die Institution des Militärs, und deren versuchte Konflikt Lösung sehr veraltet ist. Wir leben in der modernen Zeit, haben Kommunikationsmittel, verstehen Konfliktlösung und Verhandlungen so viel besser als noch vor 50 Jahren (oder so denke man?).
Warum Regierungen nicht die Hilfe von Psychologen und FriedensBeratern mit Billionen $$ einsetzen ist baffelnd.
Die Sucht der Militär Kultur wird vom Militärischen Industriellen Komplex genährt. Jonathan hat von dieser alternativen Wirtschafts Realität nichts erwähnt und doch ist dieser kapitalistische Kriegs Maschinerie Hintergrund das echte furcht erschreckende Monster. Wie diese komplexe weltweit verbundene Geschäfts Verhandlungen abzuschaffen sind, sehe ich ganz und gar nicht. Trauriger- und tragischerweise: die Kriegs Maschine lebt!

Unglaublich arrogante Falschanalyse eines Jungmannes in seiner Sturm- und Drangzeit.
Waffen und Soldaten hätten die vom IS ermordeten Jesiden im Irak retten können. Barack Obama hat es schlicht versäumt, aber er hat einen Friedensnobelpreis! Verkehrte Welt. Das wäre zum Beispiel ein gutes Thema für Herrn Clivio.

Freiheit nur mit Konsumfreiheit gleichzustellen zeigt die Unerfahrenheit von Herrn Clivio. Vermutlich hat er in den Geschichtslektionen über die Diktaturen des 20. Jahrhunderts gefehlt, oder diese wurden in seinem Gymnasium nie thematisiert.
Freiheit heisst für mich primär, dass mich in der Schweiz keine Geheimpolizei um drei Uhr morgens abholt.

Waffen sind abscheulich, aber es ist eine geschichtliche Tatsache, dass es leider Perioden gibt, in denen Gewalt notwendig ist.
Ohne die Waffenhilfe der Briten und Amerikaner im zweiten Weltkrieg wäre Herr Clivio vermutlich nie geboren worden.

Wieso nicht die klar vorhandene Intelligenz dazu gebrauchen zuerst Erfahrungen zu sammeln oder die Geschichte eingehender zu studieren, bevor man grossartige, langatmige (Kurz)Schlüsse zieht über die Notwendigkeit eines Instrumentes unseres Staates, das die Verfassung vorschreibt!

Kompliment an diesen jungen Mann. Ein frischer Artikel. Kompliment auch an journal21, dass ihr eine solche Kolumne mit Jungen führt. Merci.

Teile das Kompliment an Journal21 voll und ganz!

Ich habe mich über den Text von Jonathan Clivio gefreut, vor allem über sein ungeschminktes Engagement. Zugegeben, da und dort übertreibt er kräftig, aber manchmal muss man verzerren, um zu verdeutlichen.

Auch diesen Kommentar möchte ich bekräftigen. Selbstverständlich gibt's vieles im Artikel, das zu diskutieren wäre.
Interessant wären online Diskussionsformate, wo sich Junge und nicht-mehr-so-Junge über Themen, welche die Jungen doch brennend interessieren müssten (Gesundheitssystem, Altersvorsorge, Partnerschaft, politisches System, Rechtssystem, etc.) beteiligen können (vielleicht gibt's das ja schon - Hinweise an eine breite Leserschaft wären erwünscht).

In meiner Jugend (1950) traten Polizisten einzeln auf und waren angezogen wie Tramführer. Heute treten sie nur noch in Mehrzahl auf, in Kampfstiefeln und Kampfanzug, wennicht überhaupt in
Helm, Schutzweste und geschützten Fahrzeugen, gerüstet wie für den Häuserkampf. Die Militarisierung der Polizei ist ein weltweites Phänomen, auch in den USA. Und weil die ach so friedliebenden jungen Männer keinen Militärdienst mehr machen wollen weicht man auf Berufsarmeen aus. Dann braucht sich nur noch ein skrupelloser Politiker dieser Apparate zu bemächtigen und wir haben eine Diktatur. Beispiele gab es im alten Rom und vielleicht sind die USA auch bald soweit. Deshalb könnte man vertreten, dass es Pflicht jedes normalen Mannes sei, eine Waffe zu beherrschen und ihre Anwendung zu üben, auch im Verbund mit anderen.
Grosse Teile des Nahen Ostens und Afrikas werden in den nächsten dreissig Jahren vertrocknen und unbewohnbar werden, Viele Hunderte von Millionen Menschen werden sich auf die Flucht machen und flächendeckende Unruhen auslösen. Wer sich nicht wehren kann wird abgelöst und untergehen. Nicht dass ich dagegen wäre, denn ich werde es nicht mehr erleben.

Herr Clivio, Sie müssen, auch wenn Sie nicht wollen. So wie Sie auch Krankenversicherungsprämien und Staatsrundfunkgebühren zahlen müssen, auch wenn Sie nicht wollen. Nicht Ihr Wille entscheidet, sondern die von uns allen gewollte Pflichterfüllung.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren