Hosni Mubarak ist tot

Peter Philipp's picture

Hosni Mubarak ist tot

Von Peter Philipp, 25.02.2020

Der autokratisch regierende Langzeit-Präsident stirbt im Alter von 91 Jahren.

Es war für die meisten Beobachter mehr eine von den Ereignissen und den juristisch-politischen Vorgaben diktierte Selbstverständlichkeit denn das Ergebnis einer wohldurchdachten Strategie, dass Hosni Mubarak am 14. Oktober 1981 als neuer Präsident Ägyptens vereidigt wurde.

Eine Woche zuvor war der bisherige Staatschef, Anwar as-Sadat, einem Anschlag islamistischer Extremisten zum Opfer gefallen. Sein Stellvertreter Mubarak, der hierbei leicht verletzt wurde, war bislang nicht durch besondere politische Aktivitäten aufgefallen und hatte sich eher im Hintergrund gehalten, obwohl er von den Ägyptern als Hauptstratege der Rückkehr auf die Sinai-Halbinsel im Oktoberkrieg (1973) gefeiert wurde und deswegen wohl auch zum Stellvertreter des „Ra’is“ Sadat berufen wurde. Die Ermordung Sadats fand am achten Jahrestag des ägyptischen Teilsieges in diesem Krieg statt. Was lag also näher als den Volkshelden Mubarak zu seinem Nachfolger zu machen?

Bomberpilot Mubarak

Der 1928 Geborene absolvierte mit 21 Jahren die ägyptische Militärakademie und schloss sich der Luftwaffe an, wo er Fluglehrer und Pilot wurde. Nach der Absetzung König Faruks wurde er an eine wichtige Militärakademie der Sowjetunion entsandt, wo er unter anderem zum Bomberpiloten ausgebildet wurde.

Trotz dieser wichtigen Verbindung zur Sowjetunion – dem jahrelang wichtigsten Waffenlieferanten und seit 1971 auch offiziell militärischen Verbündeten Ägyptens – brach Sadat 1972 mit Moskau und verwies rund 16'000 sowjetische Militärberater des Landes. Ein Erbe, das Mubarak widerspruchslos antrat, als er ein Jahr später Sadats Stellvertreter wurde.

Unterkühlter Frieden

Überhaupt musste Mubarak sich in dieser Position grundlegend neu orientieren. Was ihm allerdings vorzüglich gelang: Mit den USA als Nachfolger der UdSSR ebenso wie mit einer gewissen Neuorientierung Kairos in der arabischen Welt.

Sadat war dort weitgehend isoliert – vor allem wegen seiner ebenso plötzlichen wie dann aber auch erfolgreichen Friedensbemühungen, die Sadat 1978 zusammen mit dem israelischen Premier Begin den Friedens-Nobelpreis für den Camp-David-Vertrag einbrachten. Ein Friedensschluss, der mit einer der wichtigsten Gründe für die Ermordung Sadats gewesen war, von Mubarak aber anstandslos intakt gehalten und weiter gepflegt wurde, wenngleich Kritiker immer wieder bemängelten, dies sei unter Mubarak eher ein kühler, wenn nicht unterkühlter Frieden geworden.

Vermittler zwischen Palästinensern und Israel

Hatte sein Vor-Vorgänger Nasser noch für die Lösung des Palästinakonflikts Kriege geführt, so war Vorgänger Sadat der Visionär, der den ersten Frieden mit Israel schloss, aber erst Mubarak legte die Grundlage für ein aktives Engagement Kairos als Vermittler zwischen Palästinensern und Israeli. Eine Aufgabe, die über Mubaraks Absetzung 2011 andauerte und nun nach seinem Tod wohl auch weiter wahrgenommen wird.

Ägypten machte während der Amtszeit Mubaraks  einige beachtliche wirtschaftliche Fortschritte, die freilich sicher grösser hätten sein können, wenn das politische System unter ihm nicht auch – wie unter den Vorgängern und dem gegenwärtigen Präsidenten nicht immer wieder aufs Neue darunter zu leiden (gehabt) hätte, dass nicht nur Korruption und Vetternwirtschaft an der Tagesordnung waren und sind, sondern auch die mächtige Rolle des Militärs nie wirksam eingeschränkt wurde.

Bis auf den ebenfalls gestürzten und inzwischen auch verstorbenen von Präsidenten Mursi von den Moslembrüdern waren alle Staatschefs seit dem Sturz des Königs aus den Reihen des Militärs ins Amt gelangt und das Militär spielte und spielt unangefochten die Rolle eines Staates im Staat.

Daran  hätte Mubarak etwas geändert, wenn es nicht 2011 zum „Arabischen Frühling“ gekommen wäre: Er beabsichtigte offenbar, einen seiner beiden Söhne als Nachfolger aufzubauen. Der junge Mann war Experte für Wirtschaftsfragen und hätte das Land sicher auf manchen Bereichen weiter bringen können, aber der Verdacht war nicht unbegründet, dass eine präsidiale Erbfolge letztlich doch auch nicht das Richtige gewesen wäre.

Hosni Mubarak winkt am 16. Oktober 2016 aus dem Fenster des Maadi-Militärspitals in Kairo (Foto: Keystone/AP/Amr Nabil)
Hosni Mubarak winkt am 16. Oktober 2016 aus dem Fenster des Maadi-Militärspitals in Kairo (Foto: Keystone/AP/Amr Nabil)

Schrittweise freigesprochen

Abgesehen davon, dass die Ereignisse eine andere Entwicklung diktierten: 2011 geriet Mubarak unter massiven Druck der auch in Kairo demonstrierenden Bevölkerung und gab schliesslich seinen Rücktritt bekannt. In der Folge wurde er in mehreren Prozessen wegen angeblicher Verantwortung für die Tötung von Demonstranten, wegen Korruption und wegen Unterschlagung angeklagt.  

Die Prozesse zogen sich hin – während Ägypten zuerst unter die Herrschaft der Moslembrüder, dann aber wieder des Militärs geriet. Mubarak wurde schrittweise freigesprochen, die Gesundheit des 91-jährigen litt darunter aber zusätzlich. Anfang des Jahres musste er wieder einmal operiert werden und am 25. Februar wurde sein Tod bekanntgegeben.

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

'Einmal mehr wiederholte sich das afrikanische Muster der nachkolonialen Zeit.
Siehe Zimbabwe, Südafrika, Aethiopien, Libyen, Tunesien, beide Kongo, Algerien, 'Eritrea, Kenya, fast ohne Ausnahmen. Ein Ableger Afrikas mit demselben Muster haben wir in Haiti. Nur, das zu benennen ist politisch nicht korrekt. Die afrikanischen Herrscher genossen und geniessen immer noch seit rund 6o Jahren nicht nur das Wohlwollen sondern auch die Entwicklungshilfe der Europäer.

Das Ergebnis des Arabischen Frühlings fiel in Ägypten negativ aus. Das Land ist heute ärmer als unter H. Mubarak und aus der Demokratie westlicher Vorstellung ist auch nichts geworden, da in arabischen Ländern schlicht nicht praktikabel. Übersehen wurde auch, das bald nicht gemässigte Reformer den Ton angaben, sondern der islamische Klerus. Und M. Mursi musste feststellen, dass einen Umsturz initiieren eine Sache ist, zu Regieren eine ganz andere.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren