Ganser, Trump, Putin und andere

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Ganser, Trump, Putin und andere

Von Reinhard Meier, 09.04.2018

Roger Schawinski hat ein Buch über Verschwörungstheorien und ihre Konstruktionsmuster geschrieben. Dank des Internets verbreiten sie sich heute in zuvor unvorstellbaren Dimensionen.

Bild Peter Schneider, Keystone
Bild Peter Schneider, Keystone

Die Arena-Sendung im Schweizer Fernsehen vom Februar 2017 ist dem Medienprofi  Roger Schawinski offenkundig tief unter die Haut gefahren. Es ging um das Thema «Trumps Krieg gegen die Medien». Im Verlauf der Sendung kam es zu einem hitzigen Zusammenstoss zwischen dem Moderator Jonas Projer und Daniele Ganser, der sich als Historiker und Friedensforscher bezeichnet. In den letzten Jahren hat sich Ganser in bestimmten Kreisen der schweizerischen und deutschen Öffentlichkeit durch unzählige Vorträge und einige auflagestarke Bücher als Kritiker der offiziellen Erklärungen der 9/11-Attentate  und anderer angeblich manipulierten Darstellungen terroristischer Anschläge hervorgetan. 

Gansers akademische Anfänge

Der erregte Streit zwischen Ganser und dem Moderator brachte auch viele Zuschauer in Wallung. Es gab über 500 Beanstandungen beim Ombudsmann, der bestimmte Verhaltensweisen des Moderators rügte. Doch eine spätere Beurteilung der unabhängigen Aufsichtsinstanz entschied, dass die Sendung insgesamt das Radio- und Fernsehgesetz nicht verletzt habe. Schawinski war ein Teilnehmer der Arena-Diskussionsrunde, stand aber nicht im Zentrum der Ganser-Projer-Kontroverse.

In seinem jetzt im NZZ-Verlag erschienen Buch setzt sich Schawinski in einem ganzen Kapitel mit der Person und den Praktiken von «Doktor Daniele Ganser» auseinander. Der 1972 in der Schweiz geborene Sohn eines Deutschen, der sich geweigert hatte, in den Krieg für Hitler-Deutschland zu ziehen, ging in Basel zur Schule, studierte Geschichte an der dortigen Uni und schrieb eine Dissertation über die italienische Geheimoperation Gladio während des Kalten Krieges, die von der Nato zum Teil unterstützt wurde. Die Ergebnisse der späteren Aufklärungen sind nicht unumstritten.

Schawinski ist den Einwänden gegen Gansers in hoher Auflage verkauftem Gladio-Buch nachgegangen und zitiert dabei eine Reihe von vorwiegend amerikanischen Fachleuten, die dem Autor einseitige Fixierung auf ein gefälschtes Dokument, Ignorierung des richtigen historischen Kontexts und das Ausblenden der mit der Operation Gladio verknüpften KGB-Desinformationskampagnen vorwerfen. (Letztere belegt durch die sogenannten Mitrochin-Archive). Ganser war später Mitarbeiter der Denkfabrik «Avenir Suisse» und dann kurzzeitig an der ETH Zürich. In beiden Institutionen wurde er wegen seines Beharrens auf wilden Verschwörungstheorien entlassen.

Moskaus Krim-Operation war keine Annexion

Seine Habilitationsschrift zum Thema Peak Oil wurde von einem Universitätskollegium der Universität Basel, dem auch sein Doktorvater Georg Kreis angehörte, zurückgewiesen. Die Peak-Oil-These, laut der die Förderung von Öl in Kürze einen Höhepunkt erreichen werde, um danach rasant abzufallen, was schwere politische Erschütterungen durch Ressourcenkriege auslösen könnte, ist inzwischen durch neue Fördermethoden und die Entdeckung bisher unbekannter Vorkommen eindeutig überholt. Dies kratzt zwar auch an Gansers sorgfältig kultiviertem Anspruch, ein rein faktenorientierter und ideologiefreier Wissenschafter zu sein – was seine Anhängergemeinde indessen kaum wahrnimmt oder irritiert.

In seinem Buch «Illegale Kriege» stuft Ganser zwar die illegale Besetzung der Krim durch russische Truppen (die zunächst nicht als solche gekennzeichnet waren) auch als illegal ein, da Russland nicht über ein Mandat des Uno-Sicherheitsrats verfügt habe. Doch dieser Intervention, behauptet der Autor kühl und ohne glaubwürdige Fakten, sei «ein illegaler amerikanischer Putsch in Kiew vorausgegangen, für den auch kein Mandat des Uno-Sicherheitsrats vorlag». Ganser übernimmt, wie Schawinski in seinem Buch dokumentiert, beim Krim-Thema vollständig die Sprachregelung des Putin-Regimes und beharrt darauf, dass «der Begriff Annexion falsch ist und nur dazu dient, die Spannungen mit Russland zu schüren».

Charlie Hebdo und 9/11

Zur bewährten Technik  des selbsternannten «Friedensforschers» Ganser und anderer Aktivisten auf dem Geschäftsfeld der Verschwörungstheorien gehört es, sich als bloss kritischer Fragesteller zu inszenieren, der weitherum anerkannte Tatbestände im Namen der Wahrheit hinterfragt. So tweetete er zum Anschlag auf die Satirezeitung «Charlie Hébdo» mit zehn Todesopfern im Januar 2015, das zweifelsfrei von islamistischen Terroristen verübt wurde, vielleicht sei das eine «Operation unter falscher Flagge» (ein beliebtes Code-Wort bei Verschwörungstheorien) gewesen, «wir wissen es nicht». Für ihn jedenfalls sei dieser Terroranschlag ungeklärt. «Sicher ist, dass der militärisch-industrielle Komplex (ein anderes gern verwendetes Code-Wort) davon profitiert.» Wie genau dieser militärisch-industrielle Komplex von dem Massacker gegen die Satirezeitschrift profitiert, wird nicht näher erläutert, aber Ganser ist sich da ganz «sicher». 

Die brennenden Haupttürme des World Trade Centers. Manche Verschwörungstheoretiker sprechen von einer «kontrollierten Sprengung» - mindestens im Fall des später eingestürzten dritten Turms (WTC 7)
Die brennenden Haupttürme des World Trade Centers. Manche Verschwörungstheoretiker sprechen von einer «kontrollierten Sprengung» - mindestens im Fall des später eingestürzten dritten Turms (WTC 7)

In einem eigenen Kapitel setzt sich Schawinski mit dem in vielerlei Hinsicht erschütternden Attentat auf die Wolkenkratzer des World Trade Centers am 11. September 2001 und den darum herum nach wie vor blühenden Verschwörungstheorien auseinander. Zu diesen zählt meist an zentraler Stelle die Behauptung, dass für diese Katastrophe die US-Regierung und ihre Geheimdienste verantwortlich seien. Die Verbreiter solcher Theorien stützen sich dabei mit Vorliebe auf die «Erklärung», dass entweder alle drei eingestürzten Türme des World Trade Centers oder zumindest das erst später zusammengebrochene dritte Hochhaus (WTC 7) durch eine «kontrollierte Sprengung» zerstört worden seien. 

Mordaktion gegen 3000 eigene Bürger

Ein genaues Motiv für die atemberaubende These, dass die amerikanische Regierung oder eine ihrer Agenturen absichtlich gegen 3000 eigene Bürger in den Tod geschickt habe, wird zwar von den Propagandisten dieser Behauptungen nicht durchgehend ausformuliert, doch in den darauf spezialisierten Netzwerken werden vielseitige Spekulationen angestellt. Eine Version lautet, dass damit der anderthalb Jahre später von der Administration Bush junior durchgesetzte Einmarsch in Irak zur Behändigung der dortigen Ölquellen gerechtfertigt werden sollte. Auch Ganser deutet in seinem Buch zur diskreditierten Peak Oil-These solche Zusammenhänge an.

Schawinski hat eine einleuchtende Erklärung dafür, weshalb die offiziellen Fakten über den Ablauf von 9/11 und die arabischen Täter – mehrheitlich islamistische Extremisten aus Saudiarabien – von den Verschwörungspropagandisten so vehement dementiert oder einfach beiseite gewischt werden: Die eingehende Bezugnahme auf diese Täterschaft würde ja die eigene Grundthese von der abgrundtiefen Bösartigkeit und Verlogenheit der Machthaber in Amerika und ihrer Nato-Verbündeten erschüttern und damit auch die meisten der damit verknüpften Verschwörungs-Erzählungen ins Wanken bringen.

Deshalb müsse, argumentiert der Autor, auch bei jedem der verschiedenen Giftangriffe im syrischen Bürgerkrieg automatisch unterstellt und behauptet werden, dass «alles eben ganz anders abgelaufen sei, als es uns die von den zuständigen Behörden (etwa der Uno) und der mit ihnen verbandelten, korrupten westlichen Medien glauben machen wollen».

Trump – Verschwörungstheoretiker-in Chief

Den jetzt im Weissen Haus regierenden Präsidenten bezeichnet Schawinski als «Verschwörungstheoretiker-in-Chief». Er hat den Wahlkampf gegen seine parteiinternen Rivalen in der Republikanischen Partei und dann gegen Hillary Clinton nicht zuletzt durch seine hemdsärmeligen Tiraden gegen den «Sumpf in Washington», die «korrupten Eliten» und die ihn kritisierenden «Lügenmedien» gewonnen. Damit schürte er bei einem beträchtlichen Teil des Wahlvolks den Glauben, dass sie «allesamt Opfer einer gewaltigen Verschwörung» seien, der er – der furchtlose Baulöwe und milliardenschwere Anwalt des kleinen Mannes – endlich den Garaus machen werde.

Zu Trumps Verschwörungspropaganda gehört, wie man sich erinnert, auch seine entgegen allen Beweisen über Jahre verbreitete Behauptung, Präsident Obama sei eigentlich ein heimlicher Muslim und gar nicht in den USA geboren. Um die sein Ego offenkundig tief kränkende Tatsache zu bemänteln, dass er zwar die Präsidentschaft gewonnen, aber drei Millionen Wählerstimmen weniger als Hillary Clinton bekommen hatte, verkündete er wiederum ohne glaubwürdige Fakten, es seien mehrere Millionen «illegale Stimmen» für seine Kontrahentin abgegeben worden. 

Grosses Geld mit Verschwörungsgeschichten

Trump ist gewiss nicht der einzige Gaukler, der es mit skrupellosen Wahrheitsverdrehungen und simplistischen Erklärungsmustern für komplexe Sachverhalte sehr weit gebracht hat. Schawinski verweist in seinem Buch auf eine ganze Reihe von geschickten Manipulatoren, die via Internet, Radio, Live-Auftritten oder Massenabsatz von Büchern in dafür spezialisierten Verlagen grosses Geld mit abstrusen Verschwörungserzählungen verdienen.

Einer davon ist in den USA Alex Jones, der täglich eine vierstündige Radio-Sendung bestreitet, die seit Jahren von mehr als 150 Mittelwellen- und UKW-Sendern ausgestrahlt werden. Seit 2010 wird ihm auch bei RT, dem vom Putin-Regime finanzierten internationalen Fernsehkanal (früher Russia Today) Sendezeit eingeräumt. Trump war im Wahlkampf öfters in der Alex Jones-Show zu Gast.

Einen Teil der Sendung verwendet Jones damit, seine Produkte anzupreisen, bei denen es sich zumeist um obskure Wundermittel und Quacksalbereien handle, schreibt Schawinski. Damit verdiene er etwa zwei Drittel seiner Einnahmen in vielfacher Millionenhöhe. In diesem Fall wie bei andern Verschwörungstheorie-Vermarktern, drängt sich daher die Vermutung auf, dass sie ihre Tiraden gegen die «Eliten» und die etablierte «Lügenpresse» sehr gezielt als Mittel zu kommerziellen Erfolgen einsetzen. So hat auch Kurt Spillmann, der emeritierte Professor für Sicherheitspolitik an der ETH, seinen ehemaligen Mitarbeiter Ganser als «Verführer und Geschäftemacher» eingestuft.

Brandbeschleuniger Internet

Das Internet und die damit verbundene digitale Revolution seien entscheidende «Brandbeschleuniger» für die «gewaltige Renaissance von Verschwörungstheorien», meint Roger Schawinksi. Dass das Internet und die auf dessen Grundlage lancierten Social-Media-Plattformen wie Facebook, Youtube oder Twitter die Möglichkeiten zur Verbreitung und laufenden Ergänzung von Verschwörungstheorien für praktisch jeden User ins Unermessliche multipliziert haben, ist unbestritten. Aber ist es bei all diesen technischen Kommunikationserweiterungen gerechtfertigt, von einer «Renaissance» der Verschwörungstheorien zu sprechen?

Da kann man seine Zweifel haben. Gab es nicht schon immer Verschwörungstheorien, auch im vermeintlich so aufgeklärten vorigen Jahrhundert? Hitler hat seine antijüdischen Verschwörungstheorien auch ohne Internet verbreiten können. Stalin und Mao waren in der Lage, mit ideologischen Fake-News weit über ihre Landesgrenzen hinaus Millionen von Menschen zu beeinflussen. Der Mord an John F. Kennedy ist noch vor der Existenz des Internets von geschäftstüchtigen Autoren und Filmemachern wie Oliver Stone als teuflisches Komplott geheimdienstlicher Drahtzieher einem Millionenpublikum vorgeführt worden. Und im Mittelalter, als es praktisch überhaupt noch keine allgemein zugänglichen Medien gab, hatten wohl die meisten Menschen kaum eine andere Wahl, als sich an undurchsichtigen Legenden, dubiosen Marktschreiern und unüberprüfbarer Flüsterpropaganda zu orientieren.

Putin als «grosser Verbündeter»

Dennoch ist es wichtig, dass man sich als wacher Zeitgenosse mit den heutigen neuartigen Methoden zur Verbreitung von zusammengeschusterten Verschwörungstheorien und einseitig manipulierten Nachrichten vertieft auseinandersetzt. Die kaum mehr überblickbare Vielfalt des Informations- und Interpretationsangebots macht die Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen und zwischen Wahrheit, Halbwahrheit und Lüge zu unterscheiden, keineswegs leichter. Und Schawinski hat Recht, wenn er feststellt, dass mit Donald Trump im Weissen Haus «die Kampfzone der Verschwörungstheoretiker in einer zuvor unvorstellbaren Weise erweitert» worden sei. Denn wenn Verschwörungstheorien «von höchster Stelle mit grosser Kadenz abgefeuert und blitzschnell von immer neuen Lügen abgelöst werden, erhalten sie eine gesellschaftliche Akzeptanz, die sie früher nicht erlangen konnten».

Auch Putin kommt bei dieser Analyse der digital geförderten und beschleunigten Verschwörungstheorien nicht gut weg. Der Autor nennt ihn den «grossen Verbündeten» der professionellen Verschwörungstheoretiker, weil er neben der grossflächigen Lancierung von mittlerweile recht geschickt verpackten Fake News (Stichwort: die Troll-Fabrik in St. Petersburg) und Behauptungen über angeblich antirussische Verschwörungen westlicher Regierungen auch einige Rechtsaussenparteien in westlichen Ländern (bekannt ist der Fall des Front National von Marie Le Pen) finanziell unterstütze.

Gegengift Bescheidenheit

Was kann man gegen diese zumindest im numerischen Sinne sich vermehrenden Missstände der gezielten Wahrheitsverwirrung tun? Schawinski zitiert dazu den bekannten Kolumnisten David Brooks von der «New York Times». Dieser empfiehlt als ein mögliches Gegengift gegen die zersetzenden verschwörungstheoretischen Fixierungen die Bescheidenheit. Man müsse den Mut haben zu begreifen, «dass die Welt zu komplex ist, um sie in ein einziges politisches Glaubenssystem zu pressen», schrieb Brooks vor einigen Wochen. Es gelte zu begreifen, dass es keine einfachen Antworten oder bösartige Verschwörungen gibt, die die grossen politischen Fragen oder die existenziellen Probleme zu erklären vermögen. «Fortschritt erreicht man nicht, indem man einen Schwarm von bösartigen Feinden zerschlägt. Man erreicht ihn nur, indem man ein delikates Gleichgewicht zwischen Freiheit und Sicherheit findet, zwischen Solidarität und Verschiedenheit.»

Anders als einst erhofft, hat sich die Idee der Aufklärung bisher nicht als jenes Wunderrezept erwiesen, das die Welt ständig besser und die Menschen laufend vernünftiger machen würde. Doch trotz schwerer Rückschläge wäre es falsch, diese Idee einfach abzuschreiben. Wer Roger Schawinskis faktenreiches Buch über den obskuren Kosmos der Verschwörungstheorien, deren zynische Produzenten und ihre blauäugigen oder verbitterten Anhängergemeinden liest, gewinnt einiges an aufklärerischen Einsichten zu diesem hochaktuellen Themenkreis.

Roger Schawinski: Verschwörung! Die fanatische Jagd nach dem Bösen in der Welt. NZZ Libro, Zürich 2018.

Kommentare

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Ich teile die Sichtweise von Herr Schawinski vollumfänglich und die vielen, teils äusserst merkwürdigen Kommentare hier beweisen, dass es dringend notwendig ist, sich mit diesen Verschwörungstheoretiker und vor allem den Interessen der professionell agierenden Strippenzieher dahinter intensiv auseinanderzusetzen!

zumal sich schon so einige Verschwörungstheorien im Nachhinein als wahr und die Aussagen der Mächtigen als lügen erwiesen haben, iran contra Affäre, die gründe für den 1. und 2. Golfkrieg...

Hmmm, ich weiß nicht. Es gibt definitiv eine Menge Leute, deren Ideologie es ist, hinter allem und jedem eine Verschwörung zu sehen und die es sicherlich auch irgendwie genießen, sich selbst und ihresgleichen als die Erleuchteten, die Erwachten, die mit dem Durchblick zu inszenieren. Aber daraus zu schließen, dass jede Theorie einer Verschwörung eines Machtzirkels zum Zwecke der Realisierung eigener Interessen unter Täuschung der Mehrheit der Menschen nichts weiter sei als Futter für die Anhänger dieser Ideologie, erscheint mir wie ein Schuss weit übers Tor hinaus.

Haben Sie denn, wenn sie sich z.B. einen Vortrag von Herrn Ganser anschauen, wirklich das Gefühl, er würde da nur ausgemachten Unsinn reden? Für mich macht es eher den Eindruck, dass er natürlich aus einer recht klaren, einseitigen Perspektive spricht und dass er sehr unterschiedliche Maßstäbe an die verschiedenen Player der Weltpolitik ansetzt, dass aber eine ganze Menge von dem, was er sagt, schon über ein gewisses Fundament verfügt.
Ich finde es sehr auffällig, dass so gut wie niemand daran zweifelt, dass die Mächtigen in verschiedensten Teilen der Welt und zu allen Zeiten die weniger Mächtigen getäuscht und manipuliert haben, um ihre eigene Position zu festigen und auszubauen; nur dass dies auch bei UNS der Fall sein soll, weigern sich die meisten auch nur hypothetisch anzunehmen. Ich vermute, dass auch dahinter eine gewisse Eitelkeit steckt. Wir sind die Aufgeklärten, die Vernünftigen, die Rationalen, die Demokraten, der Souverän unseres Staates. WIR würden doch nicht auf diese Manipulationen reinfallen! Die Russen vielleicht, die Chinesen, die Araber, die Afrikaner, die Südamerikaner... aber nicht WIR! Dabei fällt es doch ins Auge, dass es den Staaten, in denen wir und unsere Verbündeten in diesem Jahrtausend militärisch interveniert haben - nach der offiziellen Geschichte jeweils rein im Interesse der Menschlichkeit, von Demokratie, Freiheit und allgemeinen Menschenrechten - durch die Bank nicht besser geht als vor der jeweiligen Intervention... Afghanistan, Irak, Libyen... und es fällt auch auf, dass in Ländern wie Saudi-Arabien oder Ägypten, wo es um Freiheit, Demokratie und Menschenrechte augenscheinlich nicht besser bestellt ist als in Afghanistan, dem Irak oder Libyen, aus irgendeinem Grund niemand eine militärische Intervention fordert.
Naja, sagen wir besser, dass MIR das so zu sein scheint. Keine Ahnung, sehen Sie das anders?

Die CIA, MI6, BND, NDB, Mossad, NATO, Wallstreet, City of London, der militärisch-industrielle und Banken-Komplex, die Bilderberger, WEF, CFR, Trilaterale Kommission, Bohemian Grove, Le Cercle, The 1001 Club, The Pilgrim Society, MPS, P2, die Freimaurer, Illuminati und Mafia, Kosher Nostra, Chabad Lubawitsch, die Zionisten und the former Project for the New American Century (PNAC) haben durch Roger Schawinski ein Buch über Verschwörungstheorien und ihre Konstruktionsmuster schreiben lassen und attackieren darin u. A. das Schweizer Mind Control Opfer (ein Augenlid halb geschlossen;-( Historiker Dr. Daniele Ganser. Sie sind damit der Planung und Mittäterschaft an 9/11 und deren Folgen überführt. Sämtliche Verdächtigen und bereits Überführten werden in Bälde verhaftet, wozu in USA 800 FEMA Camps bereit gestellt wurden.

Schawinski hat in der Arena gesagt: „… ebä, drum gang ich au nid I uf 9/11, will dä Fall isch klärt.“

Das ist eine 100%-ige Lüge.

"Der militärisch-industrielle Komplex" als ein Verschwörungstheoretiker codewort ab zu tun finde ich falsch.

Dazu zwei Fakten:
- 15 der 18 Attentäter bei 9/11 waren aus Saudi Arabein
- Letztes Jahr hat die USA Waffen für 110 Milliarden Dollar nach Saudi Arabien verkauft.

Ich frage mich wie viel Geld den mächtigen Kriegstreibern ein Menschenleben wert ist und ich glaube nicht das diese zwischen Amerikaner oder Syrier unterscheiden.

Damoklesschwert Jobverlust.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte!

Artikel 19
(1) Jedermann hat das Recht auf unbehinderte Meinungsfreiheit…und das ohne seinen Job zu riskieren!
cathari

Liebe Frau Cathari, falls Ihr Kommentar eine Reaktion auf meinen unten ist, antworte ich: Herr Ganser soll selbstverständlich seine Meinung öffentlich äussern dürfen und tut dies ausführlich (Bücher, Internet, etc.), d.h. die Meinungsfreiheit ist offensichtlich gewährleistet. Aber keine Institution ist verpflichtet, MitarbeiterInnen zu beschäftigen, von deren Qualität sie nicht überzeugt sind. Arbeitsplatzgarantie ist doch kein Menschenrecht.

Eigenartig, hat der HSG-Absolvent und offensichtlich Verschwörungsignorant oder -leugner Roger Schawinski nach 70 Jahren neoliberaler Indoktrination beispielsweise völlig vergessen, dass das gesamte System, in welchem wir heute leben und welches heute selbstverständlich viel weniger im Sinn einer Verschwörung denn als sich selbst organisierendes System funktioniert, auf eine Verschwörung der 1947 gegründeten Mont Pèlerin Society mit Superreichen zurück geht? Die Keimzelle der neoliberalen Revolution war diese MPS. Nach dem WW II war die korrekte Meinung weit verbreitet, der wieder einmal völlig asozial degenerierte Kapitalismus hätte diesen ausgelöst und herrschte in der Elite Panik vor dem Sozialismus. Deshalb entwickelten Hayek, Mises, Friedman et al. den weder neuen noch liberalen Neoliberalismus, das Umverteilungsprojekt von unten nach oben, von Süden nach Norden und vom Staat zum Privaten, gründeten 1947 die MPS und wurden von Superreichen dankbar gesponsert. Mit hunderten bis tausenden von ihnen finanzierten Think Tanks wurde der Neoliberalismus zuerst in den Universitäten etabliert, ab 1973 in Chile (Pinochet, CIA!) getestet und nach dessen grossem "Erfolg", die Reichsten Chiles vervielfachten ihren Reichtum und die Restbevölkerung Chiles verarmte, in den gesamten Gesellschaften möglichst global etabliert, erschaffen auf einer perversen Ökonomie mit dem Menschenbild des Homo oeconomicus, der medizinisch der Homo psychopathicus ist. Heute leben wir in der von ihnen der Gesellschaft übergestülpten kollektiven "Psychopathie", in welchem "schwergradige bösartige Narzissten" bis zu Psychopathen selbstverständlich ganz von selbst in fast alle Machtpositionen hinauf gespült werden.

Viele empathische Menschen, immerhin bis zu 97%, spüren den hierdurch bedingten globalen Wahnsinn. Aber noch verstehen die wenigsten, dass sich dieser ganz einfach erklären lässt. Wir leben mittlerweile im psychopathischen Anti-Universum, in welchem die Lüge die Wahrheit, das Unrecht verrechtlicht, die Satire die Realität ist und seit 9/11 die Naturgesetze Kopf stehen.

Da kann Herr Schawinski noch so viele Bücher schreiben. Sie, Herr Binder, beschreiben trefflich, was eine empathischere Mehrheit dumpf
fühlt. Es gilt: Geld vor Recht. Dies nach Möglichkeit zu verändern, soll unser Bestreben sein.

Ja, lieber einer Lüge glauben, als gar keinen Bezug mehr zur Wahrheit zu haben. Wahnsinn ist diesbezüglich ein wahrhaftiges Wort.

Dieses Buch weckt in mir den Unglaubn an die menschliche Vernunft und Anstand, dem Bekenntnis zu Fairness, dem ewige Gesetz der der Liebe und der Treue zur Wahrheit.
R. Schawinski verstösst gegen die elementaren Regeln der Empathie,wie er sein Gift, das er aus seinem kindlichem Zorn einem Menschen entgegenschleudert, mit dessen Aussagen er sich klarerweise nie wirklich auseinandergesetzt hat.

Ich muss gestehen, dass mir TV-Sendungen + Gansers Vortrag über die Rolle der NATO zu denken gaben (während ich seine Ansichten über 9/11 schwach fundiert und abenteuerlich fand). Wenn ich nun vernehme, dass er bei der Uni Basel, ETH, Avenir Suisse, HSG abgeschifft ist, wachsen meine Zweifel über die Zuverlässigkeit seiner Aussagen. Es ist durchaus nützlich, dass Hr. Schawinski dieses Buch geschrieben hat und Herr Meier es hier vorstellt, merci.

Sie schreiben in diesem Beitrag selber, dass ein Trump sich ebenso der Propaganda bedient, um die Amerikaner für sich zu gewinnen, wie es ein Putin in Russland tut. Sie sagen also ganz klar: Propaganda ist ein Mittel, das von Menschen in Machtpositionen benutzt wird, um die Menschen unter ihnen in ihrem Sinne zu manipulieren. Sie bestreiten nicht, dass das in verschiedensten Regionen und zu allen Zeiten der Fall gewesen ist und noch immer ist. Aber sie nennen es Verschwörungstheorie und lehnen es quasi kategorisch ab, wenn jemand wie Herr Ganser dasselbe Phänomen auch in UNSERER Region, in UNSERER westlichen Gesellschaft aufgefunden zu haben meint. Warum eigentlich? Meinen Sie, dass unsere Machthabenden prinzipiell anders Ticken als ihre Gegenstücke in anderen Gesellschaften und Zeiten? Meinen sie nicht, dass auch bei uns Menschen mit bestimmten charakterlichen Eigenschaften einen Vorteil im Konkurrenzkampf haben und deshalb proportional umso häufiger anzutreffen sind, je höher wir auf der Erfolgsleiter steigen? Ich denke da an Eigenschaften wie Skrupellosigkeit, Höhergewichtung des eigenen Wohls gegenüber dem der Mitmenschen, Höhergewichtung des eigenen Aufstiegs gegenüber der Pflege moralischer Tugend. All diese Eigenschaften geben ihren Trägern zusätzliche Handlungsmöglichkeiten in Entscheidungssituationen und damit einen klaren Vorteil im Vergleich zu denen, denen diese Optionen nicht offen stehen. Zugleich kann der skrupellose Egoist aber fast uneingeschränkt die vorteilhafte Außenwirkung der Tugendhaftigkeit genießen, sofern er über ein hinreichendes schauspielerisches Talent verfügt. Schon Machiavelli hat in seinem principe geschrieben, entscheidend sei nicht, dass der Fürst über eine tugendhafte Gesinnung verfüge, sondern dass es nach außen den Anschein mache, als ob er es täte.
Wenn Sie mir bis hierher folgen wollen, dann müssten sie zugestehen, dass es nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich ist, dass auch in unserer Gesellschaft unter den Machthabenden überproportional viele anzutreffen sind, die alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um ihre egoistischen Zwecke zu verfolgen. Und wenn wir hier wieder zu Machiavelli zurückkehren wollen, dann steht an der Spitze dieser Zwecke definitiv nicht die Förderung des Gemeinwohls, von Demokratie und Menschenrechten, sondern die langfristige Sicherung und der Ausbau der eigenen Machtposition.
Diese oder eine ähnliche Sicht auf die Verhältnisse, in denen wir leben, ist das Fundament für eine scharfe Kritik an unserem eigenen System und der Grund dafür, dass derartige Kritik auch von Menschen, die ihren Denkapparat durchaus zu gebrauchen wissen, als nachvollziehbar empfunden wird; nicht, wie Sie es so polemisch behaupten, die "Grundthese von der abgrundtiefen Bösartigkeit und Verlogenheit der Machthaber in Amerika und ihrer Nato-Verbündeten erschüttern." Und das ist auch der Grund dafür, weswegen von einem aufgeklärten Standpunkt aus betrachtet absolut nichts gewonnen ist, wenn Sie Herrn Ganser mit dem ideologisch bis zum zerbersten aufgeladenen Kampfbegriff des Verschwörungstheoretikers schlagen. Verschwörung (als das bewusste Verbergen von Handlungen, die dem Erreichen der eigenen Ziele dienen, vor den Augen der Mehrheit der Menschen) ist in bestimmten Situationen ein effektives, zielführendes Mittel. Von daher gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass es keine Menschen gebe, die davon auch bei uns Gebrauch machen würden.

Abschließend sei erwähnt, dass man Herrn Ganser mit gutem Recht vorwerfen kann und muss, dass er gegenüber den Gegnern und Gegenspielern der westlichen Staaten nicht annähernd dieselbe kritische Schärfe an den Tag legt wie gegenüber unserer Seite und dass das Weltbild, dass er zeichnet, dadurch natürlich eine erhebliche Schräglage gewinnt. Generell darf man nicht vergessen, dass die Daseinsberechtigung der sogenannten alternativen Medien mit dem Grad der Unterschiedlichkeit zwischen ihren Darstellungen der Phänomene und denen der traditionellen Medien steigt und fällt. Damit gibt es - insbesondere für Leute, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen - natürlich immer ein sachfremdes Motiv, diesen Unterschied so groß wie irgend möglich erscheinen zu lassen. Das ändert aber nichts daran, dass auch ein überkritischer Blick auf unser System noch immer ungleich wertvoller ist als ein Mangel an Kritik, wie man ihn leider in weiten Teilen unserer Medienlandschaft findet und wie er auch diesen Ihren Beitrag prägt.

Seit "Adam, Eva, der Schlange und Gott" beginnt jeder Krieg mit Lügen, weil die empathischen Menschen von Psychopathen im weiteren Sinn nur in einen Krieg hinein verführt werden können, wenn sie durch PRopaganda 24/7 in allen Kanälen schliesslich GLAUBEN, Gutes zu tun wenn sie angebliche Böse töten.
Die Historiker dürfen Kriege problemlos untersuchen, wenn diese beendet sind und so lange zurück liegen, dass keiner der Kriegsverbrecher noch am Leben ist und bestraft werden kann, zuallererst als Abschreckung zukünftiger Kriegsverbrecher.

Daniele Ganser tut das Zielführende in Richtung Frieden. Er ist quasi "Echtzeithistoriker", erklärt nicht erst nach Jahrzehnten, dass wir uns wieder in einen sinnlosen Krieg hatten hinein manipulieren lassen, sondern entlarvt die Kriegslügen in Echtzeit, damit wir die Kriege endlich verhindern können. Er wird als Historiker politisch.

Dies darf man selbstverständlich nicht tun, falls man keine gewalt(tät)igen Probleme bekommen möchte!

Aktuelle Beispiele für Kriegslügen sind der völlig absurde (cui bono?) angebliche Chemiewaffeneinsatz Assads am Vorabend jedes seiner Siege gegen die von der "westlichen Wertegemeinschaft" unterstützten "moderaten Kopfabschneider" und die noch absurdere (cui bono?) Causa Skripal.

Roger Schawinski wäre "damals" mit Sicherheit nicht auf einen "deutschen Ganser" los gegangen, der den Deutschen Hitlers (Kriegs)lügen mutig in Echtzeit entlarvt hätte, um sie aus ihrem Verblendungszusammenhang aufzuwecken und die Shoa zu verhindern. Er wäre (auch) hinter ihm gestanden. Weshalb denn nicht heute und überall?

Weshalb er nicht als Aufklärer sondern als Dogmatiker wirkt, der Häretiker öffentlich teert und gansert, ist die (hier) alles entscheidende einzige interessante Frage!

"cui bono?" ist ein Argument, dass sich, wenn man es konsequent durchzieht, mit voller Wucht gegen die meisten derjenigen richtet, die es oft und gerne benutzen. Wer profitiert davon, die Kluft zwischen den Berichten der traditionellen Medien und denen alternativer, neuer Medien möglichst groß erscheinen zu lassen? Davon profitieren vor allen anderen die alternativen Medien, denn sie ziehen ihre Daseinsberechtigung aus der Differenz zwischen ihren Berichten und dem, was man sonst so zu lesen/hören bekommt. Ein Herr Ganser, der sich der Öffentlichkeit (= den Käufern seiner Bücher) in erster Linie über diese alternativen Medien präsentiert, hat also einen wirtschaftlichen Vorteil davon, möglichst weit von dem, was der mediale Mainstream schreibt, abzuweichen. Wenn wir also "cui bono?" auf Herrn Ganser anwenden, könnten wir sagen: NATÜRLICH kommt der Westen in seinen Schilderungen extrem schlecht weg und NATÜRLICH sät er Misstrauen an den "offiziellen" Deutungen weltpolitischer Ereignisse; denn wenn er das nicht täte, gäbe es keinen Grund, sein Buch anstelle irgendeines Spigel-Berichts zu lesen; wenn er das nicht täte, wäre er mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit kein Bestseller-Autor.
Aber können wir Herrn Ganser in einer SACHLICHEN Auseinandersetzung auf diese Weise besiegen? Natürlich nicht... weil "cui bono?" überhaupt kein Argument ist, sondern lediglich ein grober Wegweiser, der uns darauf aufmerksam macht, an welchen Stellen es angebracht ist, besonders genau und kritisch hinzuschauen.

Noch ein Gedanke:

Die Verschwörung wird zum Gestaltungsmittel für Täter sowie für weitere Taten, da es im Laufe der Zeit immer leichter wird die Masse mit solchen (Atten-)Taten zu täuschen, denn je vereinfachter Meinungen gebildet werden können, desto mehr spielen diejenigen, die Verschwörungen lächerlich machen bzw. sie komplett und vehement ablehnen, jenen in die Hände, die sich einer Verschwörungstheorie im Vorfeld einer Tat bedienen können, um die Tat entsprechend durchzuführen, zumal absichtliche Ungereimtheiten oder auch Fehler im Nachhinein die Verschwörung anfeuern.

Ja, Fakten sind Fakten und f…ed ist alles ANDERE, sprich, the science is settled. Punkt. Ausrufezeichen.

Der Verschwörungstheoretiker ist EINE praktische Schublade, in der faktisch jeder landen kann, der, wodurch auch immer motiviert, eine andere Sicht vertritt als jene, die den Fakten ewige Treue geschworen haben. Fakten, die verankert im Raume stehen und allen Stürmen von Beobachtung, Logik und Kontextbewahrung scheinbar widerstehen können. Tauchen Verschwörungen auf, fragt sich kaum EINER, warum dem so ist, denn Verschwörungen sind einzig EIN Symptom, das auf EINE Bruchstelle in der faktischen Fassade hinweist – nicht mehr, nicht weniger.

Verschwörungen lassen sich mit Legenden vergleichen, denn in beiden Fällen kommt es primär überhaupt nicht auf den Inhalt an, sondern vorerst auf die Umstände, die Verschwörungen bzw. Legenden bedingen. Der Inhalt ist sekundär und einzig dafür da, dass sich der Inhalt räumlich wie zeitlich auszubreiten bzw. zu halten vermag, wie es für Symptome typisch ist – vorausgesetzt man versucht sie nicht sofort, aus welchem Grund auch immer, wieder zum Verschwinden zu bringen, insbesondere durch Kontextauflösung.

Symptome sind Hinweise auf Unstimmigkeiten in einem größeren Kontext; auf Geschehnisse, deren schieres Auswirkungspotenzial derart groß ist, dass EIN Bewusstsein versucht, die Größe in die begrenzte Räumlichkeit bestehender Weltbilder zu integrieren. Je länger sich demnach EIN solches Symptom zu halten vermag, desto mehr Unstimmigkeiten sind thematisch am Werk, desto eher droht die Bruchstelle, der für robust gehaltenen Fassade, sich zu vergrößern, desto mehr rückt das Symptom der Masse auf den Pelz. Die Masse aber ist Vereinfachungen gewohnt, deren Verallgemeinerung EINEN fragilen Gegenpart zu den Fakten bildet, was zu weiteren Spannungen in der Fassade führt. EIN Teufelskreis – EINER, der mit Wahrheiten droht, hinter der Fassade gelegen? Oder EINER, der nach und nach mehr und mehr verdeutlichen wird, dass Schubladen, egal welcher Quadratur, nicht ewig gefüllt werden können, weil der Schrank der WAHRHEIT nur EINE begrenzte Anzahl von Schubladen hat?

Wie gut, dass wir also in EINEM Daten(!)zeitalter leben und nicht in einem Informationszeitalter, denn je mehr virtueller Raum geschaffen wird, desto seltener benötigt man noch EINEN Schrank. Wie viele Schubladeninhalte passen in EINE Cloud? Ist der Datenhimmel grenzenlos? Nein, denn Fakt ist: Je weniger Kontext, desto näher kommt man der Wahrheit – nee, Moment, es heißt: Fu…ed ist, wer den Fakten glaubt und den Kontexten nicht vertrauen kann, die mit räumlichen, zeitlichen und inhaltlichen Informationen verwoben sind.

Sicherlich ist es praktisch über solche Schubladen zu verfügen und all jene darin zu verstauen, die nicht nur Verschwörungstheoretiker sind, sondern auch jene, die über weitreichende Informationen zu verschiedenen Themen verfügen, die nicht als Fakten angesehen werden oder aber nicht zu den Fakten passen, weshalb Quadrierer Verschwörungen gerne aufgegriffen und die zugehörigen Theoretiker in den Kreis von Quadrierenden eingeladen werden. So lassen sich unbequeme Informationen bzw. deren Vermittler schließlich vereinfacht als Verschwörung bzw. als deren Theoretiker verallgemeinern. Doch nicht jeder andersdenkende und kontextaffine Informant ist EIN wahrhaftiger Verschwörer, so, wie nicht jeder Datensatz eine Information darstellt – und Fakten keine Fakten sind, wenn Kontext einzig auf Schubladengröße heruntergebrochen wird.

Warum überhaupt quadriert wird? Nun, in der Hoffnung, die allgemeine Meinung kontrollieren zu können. Nicht, dass eines Tages, statt vereinfachter Daten, wohlinformierte einfache Grundlagen auf die Allgemeinheit herabregnen und Fassaden voller Risse weiter aufweichen. Klingt nach Verschwörung? Fu…!

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was das hier für ein Beitrag ist. Ist das vor allem Wortspielerei aus Spaß am Spiel? Ist das ein poetischer Text? Oder soll er auf sachlicher Ebene irgendeine Position vertreten? Sollte letzteres der Fall sein, dann kann ich schlicht nicht folgen. Stupid me :(

Damit kann ich leben. Ich meine, aus Spaß am Spiel eine Position im Anschein von Poesie zu vertreten. Lucky me :)

Wer ein Buch von Schawinski liest ist selber schuld. Ich würde kein Geld dafür ausgeben.

Blauäugig, Herr Meier? Danke gleichfalls!
Dem Osterhas glaube ich mehr als Ihrem sogenannten Medienprofi Schawinski...

Danke fuer diesen aufschlussreichen Kommentar.

Und was ist ihre Erklärung für den Einsturz von wtc 7,
Dass keine abfangjäger aufgestiegen sind
Dass im Pentagon keine Triebwerke gefunden wurden
Dass die flugmanöver nicht von Anfängern geflogen worden sein können
Dass .....?????

Es gibt für all Ihre Fragen plausible Antworten, aber ich mache mir gar nicht erst die Mühe diese aufzulisten (hatte ich lange getan, das macht einen nur müde). Jedenfalls ist es eines der vermeintlichen Privilegien von Verschwörungstheoretikern, dass sie die Beweislast umkehren wollen. Nicht sie widerlegen die offizielle These, nein, sie fordern, dass ihre eigene, oft wilde Behauptung, von den offiziellen Stellen widerlegt werden soll. Selbst wenn dies geschieht, ist man damit nie zufrieden, aber doch immer zu faul selbst Beweise für die eigenen Thesen herbeizuschaffen. Ergo: Verschwörungstheoretiker sind nichts als ein Störgeräusch, das nichts zur Wahrheitsfindung beiträgt. Noch immer waren es die traditionellen Journalisten, die durch akribische Recherche und Bezugnahme auf Quellen die Coups gelandet haben. Kein einziger Verschwörungstheoretiker hat je etwas vergleichbares geleistet. Ein Armutszeugnis eigentlich.

Ihre Antwort(en) würden mich auch interessieren, vielleicht hätten Sie Links zu entsprechenden Beiträgen?

Eine so große Verschwörung wie 9/11 soll über so lange Zeit aufrechterhalten werden können ohne das ein Insider plaudert oder ohne dass Chinesen oder Russen diese Verschwörung aufdecken und so einen maximalen Progagandasieg erzielen? Oder stecken die auch „mit drin“? An Ockham‘s Razor sei erinnert. Das KO für fast jedwede „VT“.

Wo hätten Sie denn Aufdeckungen der Russen oder Chinesen zu entdecken erwartet - in amerikanischen oder europäischen Medien?

Schawinski gehört doch auch dazu...

Schawi hat doch den grossen Zulauf zu alternativen Meinungen bemerkt und macht nun ganz einfach mit Büchern über dort (zu recht) hinterfragten Themen Geld... ;)

Manche Wörter sind die Leichen der Dinge, schrieb Bert Brecht. Und das Wort Verschwörungstheoretiker ist augenscheinlich ein extrem toxischer Kadaver, der unsere politische Diskussion vergiftet. Das Schlagwort wird in unseren Breiten hauptsächlich als moralische Keule benutzt, um unliebsame Kritiker westlicher Rüstungspolitik zu schlagen. Schawinskis Buch unterstellt Daniele Ganser allenthalben Aussagen, die er nie gemacht hat. In Hinsicht auf journalistische Qualität ist sein Buch ein Armutszeugnis. Vielleicht sollte Schwawinski Spielbergs Film "The Post" anschauen, der derzeit in ZH läuft. Dann würde er vielleicht mal die Pentagon Papers lesen und erkennen, dass nicht Individuen sondern oft westliche Regierungen die grössten Verschwörungstheoretiker waren und sind. Ob er es glaubt oder nicht: Nicht alles Böse auf dieser Welt kommt aus Moskau.

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