Eine Hymne an den Wein

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Eine Hymne an den Wein

Von Heiner Hug, 19.07.2019

In Vevey begann eines der grössten und farbenprächtigsten Volksfeste der Schweiz. Eine Million Besucher und Besucherinnen werden erwartet.

Das Winzerfest am Genfersee, die „Fête des Vignerons“, findet nur alle 20 bis 25 Jahre statt: einmal pro Generation. Das über dreiwöchige Fest wurde am Donnerstag mit einer fast dreistündigen Freilichtaufführung auf der Place du Marché in Vevey, einem der grössten Plätze der Schweiz, eröffnet. Auch Bundesrat Guy Parmelin, ein früherer Winzer, war dabei.

Eröffnung der Fête des Vignerons am Donnerstagabend in Vevey (Foto: Keystone/Valentin Flauraud)
Eröffnung der Fête des Vignerons am Donnerstagabend in Vevey (Foto: Keystone/Valentin Flauraud)

Zuvor zogen Rebbauern, Schauspieler, Sennen, Musikkapellen, Kühe und Ziegen in einem farbenprächtigen Umzug durch das Genfersee-Städtchen. 40’000 Zuschauer applaudierten.

Der Umzug (Foto: Keystone/Laurent Gillieron)
Der Umzug (Foto: Keystone/Laurent Gillieron)

Mit dem Fest wird der Arbeit in den Weinbergen gehuldigt. Dabei werden auch die besten Weinbauern geehrt, die von der „Bruderschaft der Winzer“ bewertet worden waren. Zum neuen Winzerkönig wurde am Donnerstag der 56-jährige Jean-Daniel Berthet aus Epesses/Bourg-en-Lavaux gekrönt.

Jean-Daniel Berthet (Foto: Keystone: Laurent Gillieron)
Jean-Daniel Berthet (Foto: Keystone: Laurent Gillieron)

Sechs weitere Winzer wurden mit Goldmedaillen ausgezeichnet, unter anderem auch eine Frau: Corinne Buttet.

Corinne Buttet (Foto: Keystone/Laurent Gillieron)
Corinne Buttet (Foto: Keystone/Laurent Gillieron)

Auf dem Marktplatz von Vevey finden bis zum 11. August 20 Theateraufführungen statt. Der Aufbau der Arena dauerte vier Monate. Das Tragwerk ist 700 Tonnen schwer (der Eiffelturm wiegt 7000 Tonnen). Die Tribüne bietet Platz für 20’000 Zuschauer.

Fast 6’000 kostümierte Schauspielerinnen und Schauspieler – die meisten sind Laien – stellen die Arbeit in den Weinbergen des Lavaux dar. Dabei treten zahlreiche Figuren aus der griechischen, lateinischen und christlichen Mythologie auf. Im Mittelpunkt steht Bacchus, der Gott des Weins. Choreografisch sind die Aufführungen in die vier Jahreszeiten gegliedert.

Das Fest wurde bereits im 17. Jahrhundert von den Weinbruderschaften, der „Confrérie des vignerons“ gefeiert – allerdings sehr bescheiden mit einer schlichten Prozession, während der Holzfiguren, so genannte Marmousets, getragen wurden. Im Laufe der Jahre wurde der Umzug immer umfangreicher. Jetzt wurde er von Musikkapellen, Tänzern und Chören begleitet. Die Prozession führte von der Kirche St. Martin, dem höchsten Punkt der Stadt, bis zum See. Belegt ist, dass schon 1730 dem Weingott Bacchus gehuldigt wurde. Es waren vor allem junge Männer, die die Rolle des Weingotts spielten.

Die Prozession fand zunächst alle drei, später alle sechs Jahre statt. 1791 wurde der letzte Umzug dieser Art organisiert. Dann,1797, fand die erste offizielle Fête des Vignerons statt. Dazu wurde erstmals auf der Place du Marché eine Tribüne gebaut, auf der 2’000 Besucher Platz fanden. Damals auch wurden erstmals die besten Rebarbeiter gekrönt.

Grösstes Westschweizer Volksfest

Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Winzerfest zum grössten Volksfest der Westschweiz. Ehrengäste waren immer wieder schweizerische und ausländische Persönlichkeiten. Am 1. August 1955 wurde beim Festbankett General Henri Guisan samt seinem Stuhl von kostümierten Festteilnehmern hochgehoben und durch die Halle getragen.

General Guisan an der Fête des Vignerons (Foto: Keystone/Photopress-Archiv)
General Guisan an der Fête des Vignerons (Foto: Keystone/Photopress-Archiv)

Bacchus am Fête des Vignerons, 1977
Bacchus am Fête des Vignerons, 1977

Le Pressoir, die Weinpresse, Fête des Vignerons 1977
Le Pressoir, die Weinpresse, Fête des Vignerons 1977

Die Fête des Vignerons ist vor allem auch ein Volksfest. Sechzig Restaurants wurden eingerichtet. Überall wird Wein aus der Region degustiert. Tagsüber werden die Weinkeller besucht. Zum ersten Mal sind alle Schweizer Kantone vertreten. Die SBB setzen tausend Extrazüge ein.

Unesco-Welterbe

Die Hänge des Lavaux gehören nicht nur zu den besten Weingebieten der Schweiz: sie gehören zu den schönsten Landschaften überhaupt. Ihre Terrassen und malerischen Dörfer haben immer wieder zahlreiche Dichter und Schriftsteller fasziniert.

(Foto: www.lavaux.com)
(Foto: www.lavaux.com)

Bereits im 12. Jahrhundert haben hier Zisterziensermönche an den steilen Hängen Terrassen angelegt und darauf Wein angebaut. Die Gebiete um Dezaley, Epesses und Saint-Saphorin gelten seit jeher als Top-Lagen. Insgesamt wird zwischen Pully und Bex auf fast 850 Hektar Wein angebaut.

Die Lavaux-Weinberge zählen wegen ihrer Schönheit seit zwölf Jahren zum Unesco-Welterbe. Vor drei Jahren hat die Unesco auch die Fête des Vignerons zum immateriellen Kulturgut erkoren.

Die letzte Fête des Vignerons fand 1999 statt. Damals wurden 210’000 Flaschen Wein getrunken. Da man dieses Jahr mit doppelt so vielen Zuschauern rechnet, geht man davon aus, dass diesmal über 400’00 Flaschen konsumiert werden.

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