Das Fieber steigt weiter

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Das Fieber steigt weiter

Von Max Winiger, 04.08.2017

Die Gesundheitskosten explodieren. Die Krankenkassenprämien explodieren. Medikamente sind zu teuer. Ärzte behandeln falsch. Politische Vorstösse noch und noch. Der Therapieansatz ist völlig falsch.

Kleine Vorwarnung: Dies ist der Versuch, ein überaus kompliziertes Thema aus einem grundsätzlichen Blickwinkel etwas anders zu beleuchten. Und wenn (falls) Sie diesen (etwas längeren) Beitrag zu Ende lesen, werden Sie unter Umständen trotzdem keine neue Erkenntnis haben. Willkommen in der Welt des Schweizer Gesundheitssystems.

Der Vergleich

Die Schweiz ist flächenmässig bezüglich bewohnbarer Fläche kleiner als das süddeutsche Bundesland Baden-Württemberg und hat drei Millionen weniger Einwohner. Bei uns gibt es rund 300 Spitäler, in Baden-Württemberg 220. Wir haben 26 kantonale Gesundheitsstrukturen, Baden-Württemberg hat eine. 2013 beliefen sich die Ausgaben für gesundheitsbezogene Waren und Dienstleistungen in Baden‑Württemberg auf insgesamt rund 45 Mrd. Franken, in der Schweiz auf rund 69 Mrd. Franken.

Der Filz

Gemäss dem SRF Lobbying-Register 2015 hatten damals 47 Mitglieder des Nationalrats (NR) eine deklarierte Interessensbindung im Bereich Gesundheit, fast gleich viele wie im Bereich Landwirtschaft (49). Jeder dritte dieser NR-Mitglieder hatte eine Interessensbindung mit einer Krankenkasse. Rund ein Viertel des gesamten Nationalrats war somit 2015 mit dem Gesundheitswesen verbandelt. Und fast jede dritte Krankenkasse hatte einen Interessensvertreter im Parlament (es gibt heute noch 45 Krankenkassen in der Schweiz). Im Ständerat hatten laut einer Analyse des Zürcher Tages-Anzeigers neun von 13 Mitgliedern der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK-SR) Interessensbindungen im Gesundheitsbereich. Jeder unserer 26 Kantone und Halbkantone hat eine eigene Gesundheitsdirektion, die wiederum in der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) organisiert ist.

Die Kosten und die Wertschöpfung

Das Schweizer Gesundheitswesen ist eine gigantische Maschinerie: Laut Prognose der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) steigen die Gesundheitsausgaben 2018 auf rund 87 Mrd. Franken. Knapp 272’000 Menschen arbeiteten, gerechnet in Vollzeitäquivalenten, 2016 im Gesundheitswesen. Das waren sieben Prozent aller Beschäftigten in der Schweiz. Laut KOF-Prognose beträgt der Anteil der Gesundheitsausgaben im nächsten Jahr 13 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Unser Gesundheitswesen verursacht also nicht nur Kosten, sondern generiert auch sehr viel Wertschöpfung, schafft Arbeitsplätze und sorgt für wirtschaftliche Stabilität.

Die Knacknuss

Niemand hat ein Interesse, das Problem grundlegend anzupacken und zu lösen. Wir leben in einem föderalistischen System. Die kantonale Autonomie ist heilig. Aus dem Grund ist es auch möglich, dass Sie nach dem Umzug von einer Gemeinde in einem Kanton in eine an sich ähnlich strukturierte Gemeinde in einem anderen Kanton bedeutend mehr oder weniger Krankenkassenprämien bezahlen. Für die exakt identischen Leistungen. Politiker schreien je nach Parteibüchlein nach mehr Regulierung oder nach mehr Deregulierung.

Peinlich wird es, wenn die Expertengruppe „Kostendämpfungsmassnahmen zur Entlastung der obligatorischen Krankenpflege“ über Lösungsszenarien brütet und unter anderem prüft, ob künftig gewisse Medikamente in Indien eingekauft werden sollten, weil sie dort zehnmal günstiger sind als hier bei uns. Zum Verständnis: der Anteil der Ausgaben für Medikamente beläuft sich im Bereich der obligatorischen Krankenversicherung (das sind unsere allgemeinen Krankenkassenprämien) auf rund 20 Prozent. Er lag schon vor zehn Jahren bei 20 Prozent, hat sich also linear entwickelt. Über alle Ausgaben gesehen liegt der Anteil an Ausgaben für Medikamente 2018 noch bei rund 8,5 Prozent, 2014 bei rund neun Prozent. Aber national kann nur der Preis für Medikamente beeinflusst werden. Alles andere muss durch die Föderalismus-Mühle. Inzwischen kamen Politiker auch auf die Idee, einmal mehr die Bundesverfassung als Notlösung zu missbrauchen: Die Deckelung der Zunahme der Ausgaben soll in der Verfassung verankert werden. Hilfloser geht’s nimmer.

Dass zwar mit diesen Hauruck-Übungen keinerlei grundlegende und nachhaltige Veränderungen des Systems erreicht werden, versteht wohl jeder, der rechnen kann. Aber es ist eben einfacher, unsinnige Lösungen stolz zu verkünden, statt sich dem wahren Problem zu stellen. Über den unsäglichen Präzedenzeffekt, der durch eine solche Lösung (Medikamentenkauf in Indien) ausgelöst würde, wollen wir gar nicht erst nachdenken. Es käme dem Öffnen der Büchse der Pandora gleich. Bevor ich’s vergesse: Die Medikamentenpreise werden in der Schweiz vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) nach immer strengeren Kriterien und auf Basis eines Vergleichs mit den Preisen in anderen Ländern festgelegt. Bisher verbot das im Krankenversicherungsgesetz verankerte Territorialitätsprinzip die Rückerstattung der Kosten von im Ausland gekauften Arzneimitteln. Im Herbst will die Kommission ihren Bericht zuhanden des Bundesrats vorlegen.

Das wahre Problem ...

... besteht aus drei Wörtern: „Föderalismus“, „stationär“ und „ambulant“. Der Föderalismus verhindert jegliche grundlegende Veränderung des Systems. Solange 26 Kantone und Halbkantone sich am Gesundheitsbuffet laben können, werden sie alles verhindern, was weniger Geld bringt. Politiker werden sich sträuben, die Interessen ihres Heimatkantons hinter nationale Bedürfnisse zu stellen, Spitäler werden mit allen Mitteln versuchen, ihre Betten zu füllen, und Bürger werden lauthals protestieren, wenn trotz ausreichender Versorgung eine Geburtenabteilung geschlossen werden soll. Es nützt wenig zu wissen, dass Avenir Suisse schon vor Jahren ein Konzept mit noch fünf Gesundheitsregionen für die Schweiz entwickelt hat. Das Konzept verstaubt in einer Schublade genauso wie ein weiterer nationaler Lösungsansatz im Bereich der Kardiologie mit noch fünf Herzzentren in der Schweiz. Und es hilft auch nicht, wenn die ehemalige Aargauer Ständerätin und renommierte Gesundheitspolitikerin Christine Egerszegi und selbst der ehemalige GDK-Präsident Dr. Carlo Conti überzeugt sind, dass unsere föderalistische, zerklüftete Struktur mit 26 Gesundheitsdirektionen von gestern ist. Sogar Conti schlägt eine Lösung mit sechs oder sieben Gesundheitsregionen vor. Und er findet auch, dass die heute noch immer kantonal geregelten Krankenkassenprämien versicherungsmathematisch nicht mehr tauglich sind.

Stationär und ambulant

Während die Pharmabranche laufend als Prügelknabe für die steigenden Gesundheitsausgaben herhalten muss (vor allem unser Preisüberwacher Stefan Meierhans lässt keine Gelegenheit dazu aus und sitzt übrigens auch in der oben erwähnten Expertenkommission), geht einer der wohl grössten Beeinflusser für die Entwicklung unserer Krankenkassenprämien nicht zuletzt aufgrund der Komplexität noch immer unter: der Kanton. Wenn Sie ins Spital müssen und stationär behandelt werden (Sie müssen mindestens eine Nacht im Spital bleiben), dann beteiligt sich der Kanton an den definierten Kosten zu derzeit 55%. Die Krankenkasse übernimmt 45% der Kosten. Wenn Sie hingegen ambulant behandelt werden (Sie können am selben Tag wieder nach Hause), dann werden alle Kosten von der Krankenversicherung bezahlt. Der Kanton bezahlt nichts. Der Staat versucht über die neue Abgeltung der stationären Spitalleistungen nach Fallpreispauschalen, möglichst viele Spitalleistungen in den ambulanten Bereich zu verschieben. Gleichzeitig sind die Kantone im Dilemma. Denn sie sind auch Spitalplaner, Spitalbesitzer, Spitalbetreiber und spielen Gesundheitspolizei.

Als Kanton möchten Sie natürlich, dass einerseits möglichst alle Betten in Ihrem Spital besetzt sind, da Sie ansonsten ein Defizit kompensieren müssen. Gleichzeitig freut es Sie, wenn Ihre Einwohner ambulant behandelt werden. Denn dann müssen Sie nichts an die Kosten bezahlen. Das übernimmt ja dann die obligatorische Krankenversicherung zu 100%.

Prämienzahler an den Tropf

Letztlich führt die Entwicklung dazu, dass wir Prämienzahler immer mehr Leistungen über die Krankenkasse abdecken müssen, während sich der Kanton aus der Kostenbeteiligung zurückzieht. Da nun aber die vor Jahren geplanten und inzwischen gebauten neuen Bettenabteilungen im Akutbereich der stationären Abteilung leer stehen, muss er dort als Spitalbesitzer Defizite tragen. Finanziert aus unseren Steuergeldern. Eine klassische Verschiebung von einer Baustelle auf die nächste.

Dass das alles nicht funktioniert und auf diesem Fundament auch nie funktionieren kann, belegt ein erneuter Blick in die letzte Gesundheitsausgabenprognose der KOF: Der Anteil an den Gesundheitsausgaben ist im Bereich der ambulanten Kurativbehandlung von rund 20 Mrd. auf 24 Mrd. Franken (Prognose 2018) gestiegen. Das war zu erwarten. Bei der stationären Kurativbehandlung steigen die Ausgaben aber auch immer noch an: von rund 15 Mrd. (2014) auf knapp 17 Mrd. Franken (Prognose 2018). Zusammen sind diese beiden Bereiche für fast die Hälfte aller Gesundheitsausgaben der Schweiz verantwortlich. Bitte nicht vergessen: Gleichzeitig erfolgt hier auch eine enorme Wertschöpfung über die Beschäftigten und deren Einkommen.

Vor diesem Hintergrund wird klar: etwas stimmt ganz und gar nicht. Denn an sich müssten ja die Steuern gesenkt werden können, weil die Kantone dank dem Trend zur ambulanten Behandlung weniger an den Kosten partizipieren müssen. Wir müssten zwar mehr Prämien bezahlen, weil die Krankversicherungen im ambulanten Bereich mehr Leistungen finanzieren müssen. Dafür würden wir von der Entlastung der Kantone profitieren und könnten zumindest einen Teil der höheren Krankenkassenprämien über die tiefere Steuerrechnung kompensieren. Aber das bleibt natürlich reines Wunschdenken. Und die stationären Ausgaben nehmen weiter zu.

Dabei ist der Trend schon seit längerem bekannt: Wir werden älter, leben auch immer länger gesund (die gesunde Lebenserwartung in der Schweiz beträgt rund 68 Jahre), aber die Ausgaben für Pflege und Rehabilitation machen schon seit mehreren Jahren fast einen Viertel aller Gesundheitsausgaben aus. Es ist anzunehmen, dass mit der Alterung der Gesellschaft (eine Million Babyboomer gehen in den nächsten zehn Jahren in Rente) die Kosten für Pflege und Rehabilitation weiter und vor allem überproportional ansteigen werden.

Privatisierung könnte auf den ersten Blick ein Weg aus dem Dickicht sein. In der Tat versuchen Kantone und Gemeinden immer wieder, ihre Spitäler zu verkaufen. Dagegen wehren sich aber regelmässig Gewerkschaften. Und oft scheitern die Vorhaben dann auch an der Urne. Kommt dazu: Wer ein Spital kauft, will damit auch Gewinn erwirtschaften. Der reglementierte Pseudo-Wettbewerb im Gesundheitswesen verhindert echte, wirtschaftlich sinnvolle Lösungen und unterstützt das Streben nach maximaler Ausreizung des Systems.

Letztlich auf dem Buckel der Prämienzahler.

Die Illusion

Unser System ist grundlegend krank. Und es sieht nicht so aus, also ob jemand wirklich daran interessiert wäre, es zu heilen. Erst wenn wir uns von den 26 kantonalen Hoheitsgebieten verabschieden, für die acht Millionen Menschen in der Schweiz ein nationales Versorgungskonzept umsetzen und auch nur, wenn die Kantone nicht mehr selber Spitäler betreiben mit entsprechenden Finanzierungsinteressen, erst dann werden wir die Chance haben, diesen Patienten wieder auf die Beine zu kriegen. Und es braucht ein strenges Regime, also nicht mehr ein Jekami-Selbstbedienungsbuffet, sondern Verzicht im Interesse einer umfassenden medizinischen und therapeutischen Grundversorgung unserer Bevölkerung. Erleben werden wir das freilich kaum. Zu viele Partikulärinteressen wollen behütet werden. Der Föderalismus ist eine heilige Kuh, die Spitalfinanzierung ein Buch mit sieben Siegeln. Wir werden zusehen müssen, wie Politiker weitere sinnlose Vorhaben anschieben, wie die Solidarität im Gesundheitswesen untergraben wird (warum bezahlen Raucher und Adipöse nicht mehr Krankenkassenprämien als Nichtraucher und Schlanke?), wie Exit boomt und Palliative Care stiefmütterlich behandelt wird, wie uns Krankenkassen mit Fitnessbonus motivieren und Rentner schon bald ihre Pflege selber finanzieren müssen.

Inzwischen steigen die Krankenkassenprämien weiter, wie das Fieber bei einem Patienten, den man falsch behandelt.

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Kommentare

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Besten Dank Herr Winiger für Ihren Artikel! Zusätzlich von großer Bedeutung ist meiner Meinung nach, dass die selbe Einheit für das Auftreiben der Geldmittel, wie auch für deren Ausgaben zuständig ist. In Österreich ist es so, dass die Steuern oder Sozialabgaben über den Bund eingezogen werden und an die Länder Verteilt werden welche die Spitäler unterhalten. Dies führt zu einem Verantwortlichkeitsproblem. Kein Landeshauptmann hat nur annähernd Interesse die Kosten einzudämmen. Ähnliches lese ich aus Ihrem Artikel. Wenn die Kantone die für die Spitäler die Steuern erhöhen müssten würden die Politiker und die Bevölkerung wohl anderes Reagieren. Die Erhöhung der KK-Prämien hingegen ist für den Leihen viel weniger genau zurechenbar und Nachvollziehbar (es könnten ja auch die Medikamente sein).

Es gibt einige Staaten wie Kuba, Kanada, wo ohne Krankenversicherung jeder Staatsbürger zum Arzt gehen kann. Das staatliche Gesundheitswesen ist dort steuerfinanziert. Dort wo von dem versteuerten Lohn viele Sachen bezahlt werden müssen, empfinde ich als eine Täuschung der Bürger, der Bürger soll durch die vielen verschiedenen Zahlungen nicht merken wie viel ihm insgesamt weggenommen wird, das beginnt mit der Krankenversicherung, Zusatzversicherung, Autobahnvignette, Fernsehgebühr, und und.

Ich sehe die Zukunft der Krankenversicherung dunkel schwarz.
Mit einer Asylflut von beruflich unbrauchbaren ewigen Sozialfällen kann man den Staat destabilisieren. Nach dem Kollaps der Sozialsysteme und der Krankenversicherung drohen Unruhen und bürgerkriegähnliche Zustände. Das kann niemand außer Linksextremisten wollen.

Ich hätte eine Idee um die Krankenkasse Prämien zu senken, nur Werden die Verwahltungsräte im Parlament keine Freunde dran haben. Es geht drum zu ermöglichen das 100% der Leute die Krankenkasse wechseln können, ohne ein Problem mit der Zusatzversicherung zu bekommen (Zuständigkeitsproblem)

Man sollte die Obligatorische Krankenversicherung von der Zusatzversicherung trennen, indem man gesetzlich die Zuständigkeit regelt. die Obligatorischen Krankenkasse ist Zuständig für Viren und Bakteriellen Krankheiten so wie die notwendigen Operationen) Krankheitsdauer nicht länger als eine Woche dauert, was länger als eine Woche +2 Tage dauert ist als Therapie einzustufen und muss von der Zusatzvericherung gedeckt werden so wie von Geburt fehlerhafte Endwicklungen, Zahnspange, Brille Kontaktlinsen, Zahnartzversicherung, Chemotherapie, Massagen usw.

Finanziert durch die überflüssigen Kankenkasseprämien Verbilligung !

Das funktioniert zwischen SUVA und Kankenkasse ja auch !
Ich bin fürs Schreiben geboren, und möchte nur einmal sagen es gibt Lösungen!

Sehr geehrter Herr Winiger; vielen Dank für diese klare Analyse der Probleme. Leider fehlen auch hier die Lösungen, ausser dem Aufheben des Föderalismus mit grösseren Gesundheitsregionen sowie eine Stärkung der Grundversorgung. Diese Lösungen gehen in eine gute Richtung, dazu gehört auch die Partizipation der Bevölkerung, wie wir das mit dialog-gesundheit im Norden von Bern seit über 10 Jahren praktizieren. Ein neues Projekt daraus ist die "Gesundheitsregion xunds grauholz", nach dem Vorbild "gesundes Kinzigtal" (Schwarzwald). Die Lösungen liegen in solch- überschaubaren Regionen, "wo man sich kennt", weil dann Vernetzung, Koordination und Interprofessionalität einfacher zu er-leben sind, mit Partizipation der Bevölkerung sowie echtem Empowerment und mehr Gewicht auf Prävention, Gesundheitsförderung sowie Verknüpfung von Bildungs- und Gesundheitswesen. Ein Grundsatz, welcher in der Region etwas einfacher zu leben UND lernen wäre, ist "Kooperation statt Konkurrenz" - mit der alterenden Bevölkerung sowie verschiedenen, wachsenden "vulnerablen Gruppen", haben wir genügend Arbeit im Gesundheitswesen, wo jeder das tun sollte, was er am besten kann. Die Lösungen entstehen im Dialog auf Augenhöhe zwischen der Bevölkerung und den Profis; die Politik ist eingeladen daran teilzunehmen.

Die meisten Menschen wollen immer reicher werden, auch wenn sie schon im Überfluss leben.
Ein kleines Beispiel: Meine Tochter geht regelmässig für eine Infusion zur Ärztin. Danach sitzt sie unbeaufsichtigt ins Wartezimmer und geht nach 30 min nach Hause ohne irgend jemanden aus der Praxis gesehen zu haben. Kosten für diesen Nulllaufwand: weit über 100.00 Fr/Std. Auf meine Anfrage sagte die Ärztin: "das ist gemäss Tarmed und deshalb korrekt." Punkt.
Ich will niemandem etwas unterstellen, aber mit etwas Fantasie kann man in diesem Selbstbedienungs-Laden ohne Leistung grosse Summen kassieren.

Dieser Artikel ist hervorragend und gibt mir überaus zu denken!
Ist denn niemand berei, ausser diesem Journalisten, die Tatsachen auf den Tisch zu legen und darüber eine Lösung zu finden?
Dieser Zustand ist mehr als traurig und wir haben keine Grund mit dem Finger auf sog. korrupte Staaten und Staatsmänner zu zeigen, solange es bei uns im Gesundheitswesen so zu und her geht!

Nur schon der Terminus Gesundheitswesen ist heuchlerisch: gesund sein kostet nichts. Nein, dieses Wesen ist krank, somit richtig ein Krankheitswesen. Auch der Befund "explodieren" mag man bald nicht mehr ernst nehmen, denn seit über 10 Jahren explodieren diese Kosten. Zuviele Interessen verdienen an diesem Wesen, auf Kosten der Nettosteuerzahler. Diese haben keine Lobby, diese werden von kaum einer Partei ernst genommen. Eigenverantwortung im Sinne von sich Sorge geben ist weitherum unbekannt. Selbstschädigendes Verhalten wird belohnt. Leistungsverweigerung ebenso.

wichtigster Abschnitt:
"Privatisierung könnte auf den ersten Blick ein Weg aus dem Dickicht sein. In der Tat versuchen Kantone und Gemeinden immer wieder, ihre Spitäler zu verkaufen. Dagegen wehren sich aber regelmässig Gewerkschaften. Und oft scheitern die Vorhaben dann auch an der Urne. Kommt dazu: Wer ein Spital kauft, will damit auch Gewinn erwirtschaften. Der reglementierte Pseudo-Wettbewerb im Gesundheitswesen verhindert echte, wirtschaftlich sinnvolle Lösungen und unterstützt das Streben nach maximaler Ausreizung des Systems.

Letztlich auf dem Buckel der Prämienzahler."

Weil wir immer sozialistischer denken und "solidarisch" sein wollen, wird das leider nichts. Im Gegenteil, es wird mit Sicherheit noch politischer und reglementierter im Gesundheitswesen, womit wir - die Zahler - immer tiefer in die Knechtschaft kommen. Ich will da raus!

Interessant ist in diesem Zusammenhang sicher auch, dass in 60 % aller Krankheiten Placebo am besten wirken würde und dass ärztlich falsch verschriebene Medikamente nach Herzkrankheiten und Krebs die dritt häufigste Todesursache sind. Zudem ist jeder zweite Schweizer mindestens ein Mal im Leben psychisch krank, und an Angststörungen ist jeder vierte Schweizer erkrankt, weshalb Psychopharmaka auch den grössten Umsatz der Pharmamultis und generell auch in der Schweiz die meisten Krankheitskosten generieren (ohne Gewähr). "Viel was die Pharmaindustrie tut, erfüllt die Kriterien von organisierter Kriminalität (nach US Gesetz). Sie verhalten sich auf viele Arten wie die Mafia. Die Pharma Industrie kauft zuerst die Professoren, dann die Chefärzte, dann andere Oberätzte und so weiter." Dr. Peter C. Gøtzsche MD.
Wegen den dazu im Artikel bechriebenen Problemen kann es deshalb nur eine Lösung geben. Totale Verstaatlichung und Kontrolle des gesamten Gesundheitssystems mit gratis Grund- und Zusatzbehandlung für alle Bürger. Reiche dürfen sich aber trotzdem in einer selber finanzierten Privatklink aufhalten.

Was die meisten Krankheitskosten generiert, ist die Zwangsversicherung (de facto ist das schon die Verstaatlichung meiner Gesundheit...). Und die garantiert, dass die Kosten weiter nach oben schnellen - ich zahle ja diese Unsummen von Prämien, also will ich auch was davon haben, mir gehts ja sowieso nicht soo gut.

Die Verstaatlichung der Versicherungen - die ja ohnehin (über die Zwangsprämien) schon nichts weiter als Anstalten mit staatlich garantiertem Umsatz sind, würde der Mechanismus ins Umermessliche gesteigert. Jeder Politiker würde seinen Gestaltungswahn hier ausleben wollen, was das Gesundheitswesen sofort zu einem weiteren Umverteilungsapparat machen würde und jeden Rest an Eigenverantwortung beseitigt. Dass die "Reichen", die das ganze finanzieren würden, dann auch noch auf eigene Kosten in eine Privatklinik "dürfen", ist aber sehr nett, vielen Dank.

Ich meine "Totale Verstaatlichung und Kontrolle des gesamten Gesundheitssystems" natürlich futuristisch in einem anarchistisch-sozialen basisdemokratischen Sinn der kooperativen Prinzipien gemeinsamer Teilung und Verwaltung aller Ressourcen (Elinor Ostrom), und meint nicht Verstaatlichung der Versicherungen, sondern diese gleich gänzlich abschaffen und enteignen, und der Staat übernimmt völlig transparent alle Kosten wie in einem bedingungslosen Grundeinkommen dazugehörend, während er gleichzeitig auch den (wirtschafts-) wissenschaftlichen Goldstandard hoch hält und nur das Beste zum besten, vernünftigsten, sparsamsten und kostenoptimierten Preis seinen Bürger angedeihen lässt. Zu was dazu die machbare Spitzentechnologie im Gesundheitswesen zu leisten in der Lage ist, erfährt er in den besagten Privatkliniken der Reichen, was dann sicher auch Ansporn für die staatliche medizinische Versorgung sein wird. Es ist klar, dass zuerst aber jegliche Korruption auf allen Ebenen ausgeschaltet werden muss (siehe "deklarierte Interessenbindungen" im Nationalrat und recherchiere die Lobbyisten und nicht deklarierten Verbindungen + z. B. Harry F. Heutschi), was nur mit totaler Kontrolle aller Akteure - und was wir dank NSA und Prism und der digitalen Totalüberwachung faktisch schon haben - möglich ist.
"They (the drug industry) corrupt every one they can corrupt, they have bought any type of person, even including ministers of health, in some countries." Dr. Peter Gøtzsche
Und "Was die meisten Krankheitskosten generiert", ist meines Erachtens und gemäss US-Studien, die totale Elektrifizierung des Landes seit den dreissiger-Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Krebsraten zu explodieren begannen. Nur die Amish People, die noch wie im vorletzten Jahrhundert leben und gänzlich auf Elektrizität, Chemie und Verbrennungsmotoren verzichten, haben immer noch die gleich geringen Krankheits- und Krebsraten und sind doppelt so gesund, wie die näcĥst kränkere Bevölkerungsgruppe der USA. Dies sollte uns zu denken geben. Aber so etwas wird natürlich in den Medien auch nicht an die grosse Glocke gehängt. Sonst kämen dann noch die Energie-Gangster-Kabalen zum Busch heraus (ebenfalls bürgernah transparent verstaatlichen und enteignen und sämtliche elektrischen Leitungen messbar smogfrei isolieren und in die Erde verlegen). + totaler Wlan- etc -Strahlen- und ELF- Micro- Funk- und Skalar-Wellenschutz und Isolation aller Räume. Jetzt! Danke.

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