Bombardierte Spitäler

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Bombardierte Spitäler

Von Arnold Hottinger, 19.08.2016

„Médecins sans frontières“ verlässt zwei Provinzen in Nordjemen. Bei Bombenangriffen der saudisch geführten Koalition auf Spitäler gab es Tote und Verwundete.

Die Hilfsorganisation „Médecins sans frontières“ (MSF) gab am Freitag bekannt, sie sehe sich gezwungen, ihre Spitäler in den nördlichen Teilen Jemens zu räumen. Solche Entschlüsse würden nicht leichtfertig gefasst, erklärte die Leitung von MSF. Doch die Organisation sei zum Schluss gekommen, dass in den Spitälern und Kliniken im Norden Jemens die Situation für Patienten, Ärzte und medizinisches Personal zu gefährlich geworden sei.

Der Entschluss kam, nachdem am 15. August das von MSF betriebene Spital in Abs, nahe bei Harad, der Grenzstadt am östlichen Flügel der saudisch-jemenitischen Grenze, von Flugzeugen der saudischen Koalition bombardiert worden war. Der Luftangriff hatte 19 Personen das Leben gekostet, 24 wurden verwundet.

Angreifer kennen Koordinaten der Spitäler

MSF betont, die Hilfsorganisation habe die Koordinaten ihrer Spitäler und Kliniken an alle an dem Konflikt beteiligten Parteien weitergeleitet. Ausserdem sind die Dächer ihrer Spitäler rot gekennzeichnet. Laut MSF erklärten die Beamten der saudisch angeführten Koalition, dass sie sich an die humanitären Regeln halten wollten. „Doch der Angriff auf unser Spital zeigt, dass sie nicht in der Lage sind, den Einsatz von Gewalt zu kontrollieren und Angriffe auf Spitäler voller Patienten zu vermeiden.“

Die Hilfsorganisation sagt auch: “MSF ist nicht beruhigt und nicht befriedigt durch die Erklärung der von Saudi-Arabien angeführten Koalition, nach welcher der Angriff ein Irrtum gewesen sei.“ Sie erklärt: „Angesichts der Heftigkeit der gegenwärtigen Offensive und unseres Vertrauensverlustes in Bezug auf die Fähigkeit der von Saudi-Arabien angeführten Koalition, tödliche Angriffe zu vermeiden, betrachtet MSF die Spitäler der Provinzen Saada und Hajja als unsicher für Patienten und Personal. Die Spitäler werden weiterhin durch lokales Personal und freiwillige Helfer betrieben.“ In den beiden Provinzen an der Nordgrenze Jemens werden sechs Spitäler von MSF aufgegeben.

Riad „bedauert“

Die saudische Koalition gab ihrem Bedauern über den Entschluss von MSF Ausdruck und erklärte, sie suche „ein eiliges Treffen mit MSF zu organisieren, um gemeinsam einen Weg zu finden, um diese Situation zu beenden.“

Dem Angriff auf das Spital von Abs waren zuvor andere Angriffe auf Kliniken und Spitäler von MSF vorausgegangen. Der tödlichste von ihnen traf am 16. Januar das Spital der Stadt Saada und liess sechs Tote zurück. Weniger als zwei Tage vor dem Angriff auf Abs war eine Koranschule auch in Haydan, Privinz Saada, getroffen worden, was zehn Kindern das Leben kostete. Die saudischen Sprecher hatten erklärt, sie hätten ein Lager bombardiert, in dem die Huthis Kindersoldaten ausbildeten.

Am gleichen Tag wurde in Razih, ebenfalls in der Provinz Saada, das Haus eines Schuldirektors getroffen, was dessen Frau und vier Kindern das Leben kostete. Vier ihrer Verwandten, die zur Rettung herbeigeeilt waren, wurden durch einen Zweitschlag ebenfalls getötet.

Intensivierte Bombenangriffe

Die Koalition hat ihre Bombenangriffe intensiviert, seitdem zu Beginn dieses Monats die Friedensverhandlungen in Kuwait ergebnislos abgebrochen worden waren. Die Huthis versuchen, an den nördlichen Grenzen saudische Soldaten mit Raketen zu beschiessen, und sie dringen auch des öftern über die Grenze hinweg in das saudische Territorium ein und überfallen kleinere Gruppen von saudischen Soldaten innerhalb Saudi-Arabiens.

Die saudischen Grenzwächter und die dort stationierten Panzer und Raketenwerfer schlagen mit allen Mitteln zurück. Aus diesen Gründen ist die Lage in den beiden relativ dicht bewohnten Grenzprovinzen in der östlichen Grenzregion besonders angespannt. Man kann vermuten, dass angesichts dieser Spannungen die saudische Luftwaffe noch weniger als in anderen Landesteilen auf zivile Einrichtungen, Spitäler und Schulen Rücksicht nimmt.

Bomben aus GB und aus den USA

In den USA und in Grossbritannien wird Kritik an den vielen zivilen Opfern saudischer Bombardierungen laut. Dies kann der saudischen Regierung nicht ganz gleichgültig sein, weil sämtliche Waffen, Bomben und Raketen, die in dem Luftkrieg eingesetzt werden, von diesen beiden Staaten geliefert werden. Die Saudis zahlen schweres Geld dafür. Was einer der Gründe sein dürfte, weshalb die britische und die amerikanische Regierung sich gegen das Ansinnen sträuben, die Waffenlieferungen einzuschränken.

Doch Vorkommnisse wie der gegenwärtige Zusammenstoss von MSF mit der kriegführenden Koalition heizen natürlich die Kritik an dem saudischen Vorgehen weiter an.

Das nun stillgelegte Spital in Abs hatte nach Angaben von MSF seit seiner Eröffnung von Juli 2015 4 600 Patienten behandelt. Andere funktionierende Spitäler und Kliniken gibt es in den beiden Provinzen kaum mehr.

Das Ziel von KSA ist es die schiitische Bedrohung zu beseitigen und das bedeutet, die Menschen zu töten.
Über die Bedeutung des saudischen Verteidigungsministers Prinz Mohammed-bin-Salman hat der Deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) schon einige Befürchtungen geäussert.
Der Krieg im Jemen und in Syrien wird also weitergehen.

SRF Archiv

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