Migranten, fast ausnahmslos junge Männer, dringen zu Tausenden von Marokko in die spanische Exklave Ceuta ein, nachdem sie den Absperrzaun im Meer umschwommen oder zum Teil auch den Grenzzaum überklettert haben. Die spanische Regierung hat einen Militäreinsatz angekündigt, um der ausser Kontrolle geratenen Lage Herr zu werden.
Spanien verlegt unter anderem 60 Soldaten und ein Militärschiff nach Ceuta. Regierungschef Sánchez und Innenminister Grande-Marlaska sollen zudem dorthin reisen. Viele Migranten haben in den vergangenen Tagen zumeist schwimmend von Marokko aus die Exklave erreicht. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der spanischen Guardia Civil sagte, es sei nicht möglich, genaue Zahlen zu nennen, aber es überquerten Tausende Menschen die Grenze. Offiziellen Angaben zufolge kamen mindestens neun Menschen bei Tumulten ums Leben.
Die Behörden in Ceuta brachten den Ansturm mit einer neuen Entscheidung des spanischen Obersten Gerichts in Verbindung. Dieses hat geurteilt, dass über das Meer eintreffende Migranten nicht ohne ordnungsgemässes Verfahren sofort über die Grenze zurückgeschickt werden dürfen.
Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, forderte Italiens rechtsgerichtete Regierung angesichts der Bilder aus Ceuta, Spanien aus dem Schengen-Raum auszuschliessen. Spanien bestellte daraufhin den italienischen Botschafter ein.
Ceuta gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Zugangspunkte für afrikanische Migranten nach Europa. Immer wieder versuchen Menschen, von Marokko aus schwimmend oder über die Grenzanlagen in die spanische Exklave und damit auf EU-Gebiet zu gelangen. Der Zugang zu Ceuta ist für viele aber lebensgefährlich. Wer vom marokkanischen Staatsgebiet aus unter Umgehung der Absperreinrichtungen im Meer EU-Territorium erreichen will, muss fast vier Stunden schwimmen. Viele der Migranten können aber kaum schwimmen und benutzen Schwimmreifen, um sich über Wasser zu halten. Dabei ertrinken immer wieder Menschen, so auch in den vergangenen Tagen.