Vorwiegend junge Leute demonstrieren am Donnerstag in Kiew gegen die überraschende Absetzung des 35-jährigen Verteidigungsministers Michailo Fedorow. Fedorow war erst seit Anfang Jahr im Amt. Er gilt als digitaler Technikexperte und die erfolgreichen ukrainischen Drohnenangriffe der letzten Monate gegen die russische Treibstoffversorgung und Nachschubtransporte werden zu einem bedeutenden Teil seinem Wirken zugeschrieben. Die weitherum irritierende Absetzung des jungen Verteidigungsministers durch Präsident Selenskyj wird in erster Linie auf einen heillosen Konflikt zwischen Fedorow und dem um eine Generation älteren Oberkommandierenden der Armee, Olexander Sirskyj, zurückgeführt.
Weshalb es Selenskyj nicht gelang, den Streit durch ein politisches Machtwort und ohne spektakuläre Entlassung des populären Verteidigungsministers beizulegen, bleibt undurchsichtig. Jedenfalls schadet dieser Eklat dem Ansehen und dem Vertrauen in seine Regierung, zumal er erst vor wenigen Tagen auch die Entlassung der bisherigen Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko bekanntgegeben hatte. Diese soll neue ukrainische Botschafterin in Washington werden.
Die Entlassung des Verteidigungsministers Fedorow ist vom ukrainischen Parlament noch nicht bestätigt worden. Dieser notwendige Schritt soll am Donnerstag verschoben worden sein. Zu den wichtigsten Erfolgen Fedorows wird sein Einsatz beim amerikanischen Tech-Tycoon Musk gezählt, die Benutzung des Satellitensystems Starlinks durch Einheiten der russischen Armee abzuschalten.