Abhijeet Dipke, Gründer der «Cockroach Janta Party» (in der Mitte sitzend), kündigt in Neu-Delhi seinen unbefristeten Hungerstreik an. Dieser steht im Rahmen einer Protestaktion, die den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan wegen Unregelmässigkeiten bei Prüfungen und wiederholter Vorabveröffentlichungen von Prüfungsaufgaben fordert.
Korruption bei staatlichen Prüfungen ist ein verbreitetes Phänomen, mit dem Jugendliche aus vermögenden Familien sich ungerechte Vorteile verschaffen. Die Themenwahl ist typisch für die «Kakerlaken»: Sie greift einen weithin bekannten Missstand auf, der junge Leute betrifft und für die Gesellschaft Indiens bezeichnend ist.
Die Cockroach Janata Party (CJP) ist eine indische Satirepartei. Sie entstand im Mai 2026 als Reaktion auf eine Bemerkung des Richters Surya Kant. Dieser hatte arbeitslose Jugendliche als «Kakerlaken» und «Parasiten» bezeichnet. In Umdrehung dieses Verächtlichmachens griffen Jugendliche Aktivisten die Bezeichnung «Kakerlaken» für ihren viralen Protest auf.
CJP-Gründer Dipke bezeichnete die CJP als «Plattform für alle Kakerlaken» und erklärte, dass er keine Registrierung als politische Partei anstrebe. Die Mitgliedschaftskriterien wurden in satirischer Form definiert und richteten sich an Personen, die sich selbst als faul, arbeitslos, chronisch online und diskussionsfreudig sehen. Der Name der CJP ist eine Parodie auf die Regierungspartei Bharatiya Janata Party(BJP).
Gleich nach ihrer Gründung verbreitete sich die CJP rasant über soziale Netzwerke. Fünf Tage nach ihrem Start verfügte sie auf Instagram über mehr Follower als die BJP und erreichte später rund 23 Millionen Anhänger. Auch auf der Plattform X gewann die CJP schnell Reichweite, bevor ihr Konto mit über 200’000 Followern gesperrt wurde. Zudem blockierte die indische Regierung die Website der Gruppe im Inland.
Politiker der Regierungspartei BJP bezeichneten die CJP als einen Versuch, Indien oder die Regierung von Premierminister Narendra Modi zu destabilisieren. Vertreter der Regierung sprachen zudem von einer ausländischen Einflussoperation und verwiesen dabei auf Dipkes Wohnsitz in den Vereinigten Staaten. Als Grund für die Sperrmassnahmen wurde eine angebliche «Bedrohung der nationalen Sicherheit» genannt.
Dipke gab an, nach der Gründung der CJP Drohungen gegen sich und seine Familie erhalten zu haben. Unterstützung geniesst die Gruppe hingegen von vielen Jugendlichen sowie von Aktivisten, Prominenten und Politikern der Opposition. In den sozialen Netzwerken verbreitete sich der Hashtag #MainBhiCockroach («Auch ich bin eine Kakerlake»).
Beobachter sehen die CJP als Teil einer regionalen Entwicklung. Jugendliche in mehreren südasiatischen Staaten – darunter neben Indien auch Sri Lanka, Bangladesch und Nepal – machen sich seit einigen Jahren zunehmend in kreativen viralen Bewegungen bemerkbar. Sie greifen dabei exemplarisch Missstände auf, von denen sie selber betroffen sind und artikulieren so ihren Protest gegen die politischen Zustände ihrer Länder.
Quellen: AP, Wikipedia