Die Ferienzeit erreicht in Italien in den ersten zwei Augustwochen ihren Höhepunkt. Die Strände sind überfüllt mit Bikini-tragenden Frauen und Mädchen. Doch der 1946 erstmals auf den Markt gebrachte Zweiteiler war in Italien bis Ende der 50er Jahre verboten. Der Vatikan hatte das Kleidungsstück als Schande, Skandal, unzüchtig und anstössig bezeichnet.
In der ersten Hälfte der Fünfzigerjahre wurden die italienischen Strände noch immer von der Polizei überwacht. Frauen und Mädchen, die keinen Einteiler trugen, wurden mit hohen Geldstrafen gebüsst. Das Bild stammt aus Rimini.
Doch dann kam der Film. Und dann kam Brigitte Bardot. Sie trug 1952 in dem Streifen «Manina, la fille sans voiles» erstmals einen Bikini. Der Film sorgte wegen der freizügigen Strandaufnahmen für Aufsehen. Brigitte Bardot war es denn auch, die 1958 mit dem Film «Und Gott schuf die Frauen» den Bikini weiter populär machte.
Ende der Fünfzigerjahre wagten sich dann immer mehr Frauen und Mädchen mit einem Bikini auf die Strände. Und die Polizei drückte zunehmend ein Auge zu. In den 60er Jahren setzte sich der Bikini dann auch an der Adria und am Tyrrhenisches und Ionischen Meer durch.
Den endgültigen Durchbruch des knappen Kleidungsstücks schaffte dann Ursula Andress. In dem James-Bond-Film «Dr. No» steigt sie mit einem weissen Bikini und einer Muschel in der Hand aus dem Wasser.
Dass ausgerechnet Italien den Bikini zunächst verbot, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn die allerersten Bilder des Zweiteilers stammen ausgerechnet aus Italien. Auf den berühmten Mosaiken in der Villa Romana del Casale in Piazza Armerina auf Sizilien sieht man Sport treibende junge Frauen in bikiniähnlicher Bekleidung. Die Mosaike stammen aus dem 4. Jahrhundert.
In vielen historischen Innenstädten und Badeorten Italiens (wie Sorrent oder Lipari) ist es heute verboten, sich ausserhalb des Strandes nur im Bikini oder mit nacktem Oberkörper zu bewegen; dies wird mit hohen Geldstrafen geahndet.
(J21)