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Frankreich

Tränengas, Wasserwerfer

2. Dezember 2018
Journal21
(Foto: Keystone/AP/Claude Paris)
(Foto: Keystone/AP/Claude Paris)
Auf den Pariser Champs-Élysées herrschten am Samstag teils bürgerkriegsähnliche Zustände.

Vermummte Demonstranten errichteten Barrikaden, zündeten Autos und Kehrichtcontainer an und schlugen Schaufenster ein. Die Sicherheitskräfte reagierten mit Tränengas und Wasserwerfern.

Laut Polizeiangaben waren die samstäglichen Demonstrationen – die dritten in Folge – „wesentlich gewalttätiger“ als am Samstag zuvor.

Unter die Gelbwesten hatten sich auch Anhänger rechts- und linksextremer Gruppierungen gemischt. Allein auf den Champs-Élysées demonstrierten nach Angaben der Polizei 5’000 Menschen. 430 Demonstranten wurden festgenommen, 20 wurden verletzt.

130’000 Demonstranten

Laut einer jüngsten Meinungsumfrage unterstützen 84 Prozent der Französinnen und Franzosen die Forderungen der Demonstranten.

Protestiert wurde nicht nur auf den Champs-Élysées, sondern auch in anderen Quartieren der Hauptstadt und in zahlreichen anderen Städten, vor allem in Marseille. In Paris und Marseille gingen insgesamt 130’000 Menschen auf die Strasse. Ausser auf den Champs-Élysées verliefen die Proteste mehrheitlich friedlich.

Präsident Emmanuel Macron verurteilt die Ausschreitungen scharf. „Es gibt in Frankreich keinen Platz für Gewalt“, sagte er nach seiner Rückkehr vom G20-Gipfel in Buenos Aires.

Kommentatoren hatten vergangene Woche geglaubt, die Proteste würden langsam abebben. Dass sie jetzt derart virulent erneut ausbrachen, hat viele überrascht. Die Polizei spricht von den heftigsten Ausschreitungen seit zehn Jahren.

„Er lebt in einer anderen Welt“

Die Bewegung der „Gilets Jaunes“ richtete sich zunächst gegen die Erhöhung der Benzinpreise. Rasch entwickelte sie sich jedoch zu einem allgemeinen Protest gegen die Regierung Macron. Auf Spruchbändern wurde der Rücktritt von Macron gefordert.

Kommentatoren sind sich einig, dass der Präsident bisher wenig souverän auf die Ausschreitungen reagiert hat. Ausser einigen Floskeln falle ihm wenig ein, hiess es. Vor allem sein vom Fernsehen übertragener Auftritt mit allen Bürgermeistern des Landes wurde als Phrasendrescherei kritisiert. „Er lebt in einer anderen Welt“, erklärte ein Fernsehkommentator. Das eher regierungsfreundliche Magazin „L’express“ schrieb: Anderthalb Jahre nach seinem Amtsantritt habe es Macron nicht verstanden, den Graben in der Gesellschaft zu verkleinern. „Es gelang ihm nicht einmal zu überzeugen, dass er dies tun will.“

Nach seiner Rückkehr vom G20-Gipfel besuchte er das Grab des unbekannten Soldaten am Arc de Triomphe. Dort las er eine aufgespritzte Schrift: Macron démission.

Arc de Triomphe (Foto: Keystone/AP/Thibault Camus)
Arc de Triomphe (Foto: Keystone/AP/Thibault Camus)

(J21)

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