Direkt zum Inhalt
  • Politik
  • Kultur
  • Wirtschaft
  • Gesellschaft
  • Medien
  • Über uns
close
Sudan

Poker mit grossen Einsätzen

9. Oktober 2010
Pierre Simonitsch
Weltsicherheitsrat auf Reisen: Die Botschafter der 15 Mitglieder des höchsten UNO-Organs sind im Nord- und Südsudan unterwegs. Keine touristischen Sehenswürdigkeiten lockten die Diplomaten in den flächenmässig grössten Staat Afrikas, sondern das geplante Referendum über die Unabhängigkeit des südlichen Landesteils.

Gemäss dem umfassenden Friedensabkommen von 2005, das 22 Jahre Bürgerkrieg zwischen dem islamischen Norden und den mehrheitlich animistischen oder christlichen Einwohnern des Südens beendete, ist die Volksabstimmung auf den 9. Januar angesetzt. Der Urnengang soll von der UNO organisiert und überwacht werden. Schon jetzt sind 10‘600 Blauhelme im Einsatz. Derzeit hat der Süden den Status einer halbautonome Region. Bis zur Selbstbestimmung über die volle Souveränität bleiben noch rund hundert Tage. Es gibt aber weder Wählerlisten noch eine genaue Grenze mit dem Rest des Sudans. Die in der Region Abyei an der Bruchstelle zwischen dem Norden und dem Süden lebende Bevölkerung muss sich entscheiden, von welcher Seite sie verwaltet werden möchte.

China und die USA mischen mit

Was aus der Entfernung exotisch wirkt, ist von globaler politischer Bedeutung. Die USA und China haben das Dossier an sich gerissen und raufen um Vorteile. Das Gebiet von der Ausdehnung Frankreichs hat nicht nur strategische Stellung in einer labilen Region, sondern verfügt vor allem über drei Viertel der sudanesischen Erdölquellen. Der Friedensvertrag von 2005 sieht eine Teilung der Öleinkünfte zwischen dem Norden und dem Süden vor. China ist im Sudan zum wichtigsten Prospektor und Käufer des schwarzen Goldes geworden. Der erste Präsident der halbautonomen Region Südsudan, John Garang, führte den langen Unabhängigkeitskampf seiner Sudanesischen Volksbefreiungsarmee gegen das Regime in Khartum mit Hilfe der USA. Zwei Millionen Menschen kamen dabei um. Ein halbes Jahr nach Friedensschluss kam Garang bei einem ungeklrten Helikopterabsturz ums Leben. Präsident des Südsudans ist jetzt Salva Kiir, wie Garang ein frommer Christ. Dieser Umstand erklärt einiges. In den letzten fünf Jahres der Präsidentschaft von George W. Bush pumpten die USA rund sechs Milliarden Dollar in den Südsudan. Fundamentalistische nordamerikanische Freikirchen überzogen das ganze Land.

Auch unter Barack Obama fliesst noch viel US-Geld in den Südsudan. Mehr als 100 Millionen Dollar wurden in die südsudanesischen Streitkräfte investiert. Die Weltbank verwaltet einen Treuhandfonds von einer halben Milliarde für den Südsudan.

Tricks der Zentralregierung

Am Rande des jüngsten UNO-Gipfels Ende September in New York hielt der Sicherheitsrat drei Geheimsitzungen über den Südsudan ab. An einer davon nahm Obama persönlich teil. Enorme Einsätze stehen auf dem Spiel, erklärte er danach. Obamas Sonderbeauftragter für das Sudan-Dossier ist General Scott Gration, der den Ruf eines Pragmatikers hat. Die sudanesische Zentralregierung vertrat Vizepräsident Ali Osman Mohamed Taha. Staatschef Omar Als-Baschir wagte es nicht, nach New York zu reisen, weil der Weltstrafgerichtshof gegen ihn Haftbefehl wegen Völkermord in Darfur erlassen hat. Taha versicherte der UNO-Generalversammlung, Khartum werde die Unabhängigkeit des südlichen Landesteiles anerkennen, falls sich die dortige Bevölkerung mehrheitlich dafür ausspricht. UNO-Beamte berichten hingegen von Tricks der Zentralregierung, um die Abspaltung zu verhindern. Anderthalb Millionen Bewohner des Nordens wurden zu Südsudanesen erklärt, damit sie auf die Abstimmung einwirken können. In den Kulissen ist bereits von einer Verschiebung des Referendums die Rede. Auch General Gration hat diese Möglichkeit angedeutet, die für die UNO eine schwere Niederlage wre. Viel hängt davon ab, ob der Norden und der Süden die Erdölvorräte teilen. Der Norden hat ein Atout in der Hand, weil die beiden bestehenden Pipelines über sein Gebiet verlaufen und im Hafen von Port Sudan enden. Damit wre es vorbei, falls der Süden sein Projekt verwirklicht, Rohre durch Äthiopien oder Kenia bis zum Meer zu verlegen.

Letzte Artikel

Doom Boom – viel Lärm um die Machina sapiens

Eduard Kaeser 20. September 2026

Den Elefanten im Raum nennt niemand

Carl Bossard 20. September 2026

Die KI, die in Gaza Zehntausende Menschen tötet

Ignaz Staub 20. September 2026

Pressefreiheit à la Trump

19. September 2026

Was Trump und Merz können, kann auch Meloni

Heiner Hug 19. September 2026

Ein Baukünstler im Südtirol

Fabrizio Brentini 19. September 2026

Newsletter abonnieren

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter!

Zurück zur Startseite
Journal 21 Logo

Journal 21
Journalistischer Mehrwert

  • Kontakt
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Newsletter
To top

© Journal21, 2021. Alle Rechte vorbehalten. Erstellt mit PRIMER - powered by Drupal.