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Film

Ohne Ethik weder Fleisch noch Milch

24. Januar 2026
Alex Bänninger
Film Bauernkrieg
Demonstration auf dem Bundesplatz, Bern 1996

Nach dreissig Jahren und technisch restauriert, kommt der «Bauernkrieg» wieder in die Kinos. Brandaktuell und aufrüttelnd wie 1998. Der Überlebenskampf unserer Landwirtschaft ist noch im vollen Gang. Erich Langjahr zeigt die packenden Bilder von der Front. 

Der Film beginnt 1992 mit der Bauerndemonstration in Luzern gegen die GATT-Verträge, im gleichen Jahr, als die Schweiz äusserst knapp den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum ablehnte. Der Film endet mit der Bauerndemonstration samt intervenierender Polizei 1996 auf dem Bundesplatz, ausgelöst von der Angst, mit dem liberalisierten Weltmarkt drohe unseren Bäuerinnen und Bauern der Untergang. Die Wahrscheinlichkeit ist erheblich. Zählte die Schweiz vor dem Zweiten Weltkrieg 100’000 Bauernhöfe, so sind es heute weniger als 50’000. 

Künstlerische Meisterleistung

Zum Gebot der Zeit, die Landwirtschaft aus der staatlich gelenkten Plan- in die freie Marktwirtschaft zu führen, tobt der Meinungsstreit. Produzenten, Konsumenten und die Politik befeuern ihn wie beim Turmbau zu Babel. Von Erich Langjahr kein Wort. Er lässt Bilder sprechen. Wir sehen Bauernhöfe mit Ställen, Äckern und Wiesen, die Vergantung von Braunvieh und landwirtschaftlichen Maschinen und hören Bauersleute, die ihre Sicht der Dinge erklären und über ihre Schicksalsschläge klagen.

Melkmmaschine
Melkmaschine

Der Verzicht auf einen Kommentar, auf Grafiken und Tabellen und die Konzentration auf eine bannende Bildsprache sind eine künstlerische Meisterleistung. Im Vertrauen auf die Mündigkeit des Publikums und mit der Zumutung, auch der Wirklichkeit entsprechend Schockierendes ertragen zu müssen. Wie die Blicke in eine Station für künstliche Besamung und auf die Verarbeitung von Tierkadavern «from nose to tail» zu Tiermehl. Es geht unter die Haut. Die Melkmaschinen stechen ins Ohr wie der Lärm in einer Hammerschmiede. 

Entscheidende Fragen

Keine Spur von Idylle und Folklore, nichts von Heimatfilm-Gefühligkeit, ohne PR-Himmelblau. Da mag es erstaunen, dass die agrarpolitisch wichtige «Bauernzeitung» den Film in einer langen Besprechung lobt, weil er entscheidende Fragen zur Diskussion stelle. Lesbar als Solidaritätsbekundung.

Erich Langjahr, unterstützt von Silvia Haselbeck, besitzt die bohrende Energie und die intellektuelle Unabhängigkeit, nach den historischen Wurzeln der Identitäten und Traditionen zu suchen und deren patriotische Gebrauchsspuren zu beseitigen. Wie mit der «Sennen-Ballade» und der «Hirtenreise ins 20. Jahrhundert», die zusammen mit dem «Bauernkrieg» eine Trilogie bilden. Sie kalibriert unsere Optik, um in unseren Urteilen die Vorurteile zu erkennen und in unseren Mythen die Wahrheit. 

Auch «Bauernkrieg» ist ein faktenbasierter Augenöffner. Kurz gesagt mit der Botschaft, in der Diskussion über die künftige Landwirtschaft neben den Kosten und Preisen gleicherweise die Werte zu erörtern. Mit seiner ethischen Herausforderung plädiert der hervorragende Film spannend für eine gesamtheitlich handelnde Landwirtschaftspolitik. Damit uns die Früchte bäuerlicher Arbeit nicht im Hals stecken bleiben. 

«Bauernkrieg» dauert 84 Minuten und läuft ab Ende Januar in den Kinos.

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