Internationale Rettungsteams – unter anderem 80 Spezialisten und Spezialistinnen der «Rettungskette Schweiz – haben in Venezuela begonnen, Überlebende unter den Trümmern zu suchen. Zehntausende Menschen sind vermisst. Bisher wurden 900 Tote geborgen. Doch es wird vermutet, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer über 10’000 betragen könnte. Dies geht aus einer Modellrechnung des geologischen Dienstes der USA hervor.
Die Mitglieder der Rettungskette Schweiz sind wenige Stunden nach den Erdbeben nach Caracas geflogen. Dabei sind acht Suchhunde sowie 18 Tonnen Rettungsmaterial.
Lokale Teams suchten die ganze Nacht hindurch in eingestürzten Gebäuden in Caracas und im Bundesstaat La Guaira. Menschen unter den Trümmern riefen um Hilfe.
Es waren die stärksten Erdbeben in Venezuela seit über hundert Jahren. Das erste Beben am Mittwochabend um 18.04 Uhr Ortszeit hatte eine Stärke von 7,2 auf der Magnitudenskala. Es traf vor allem die Region San Felipe westlich von Carcas. Nur 39 Sekunden später folgte wenige Kilometer weiter östlich eine zweite heftige Erschütterung. Sie erreichte eine Stärke von 7,5.
Die Erdbebenherde lagen in einer Tiefe von nur 10 bis 13 Kilometer, was ihre zerstörerische Wirkung verstärkte. Besonders schwer betroffen wurden Caracas und der Küstenstaat La Guaira.
Das gleich zwei solch schwere Erdstösse stattfanden, bezeichnen Experten als «sehr aussergewöhnlich». Venezuela liegt auf einer sehr aktiven Störungszone, auf der Grenze zweier Erdplatten: der karibischen und der südamerikanischen Platte. Beide verschieben sich in entgegengesetzter Richtung und bauen so Spannungen auf.
Die Beben ereigneten sich in einem Gebiet, in dem insgesamt Millionen Menschen wohnen. Die Katastrophe trifft ein Land, dass bereits tief in einer humanitären und wirtschaftlichen Krise steckt. «Die Ärmsten trifft es immer am härtesten», erklärt ein Helfer.
Ein Arzt in La Guaira berichtet der BBC, dass die beiden grössten Spitäler des Bundesstaates «völlig überfordert» seien und es einen «kritischen Mangel» an medizinischem Material gebe
Dutzende Län der, auch die meisten lateinamerikanischen Staaten schickten Hilfsgüter und Hilfspersonal. Auch Donald Trump, der das Land jahrelang mit wirtschaftlichen Sanktionen belegte und den autoritär regierenden Präsidenten Nicolás Maduro stürzte und in ein amerikanisches Gefängnis brachte, versprach Hilfe.