Nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen liegen die linken Parteien, die von der Sozialdemokratin Magdalena Andersson angeführt werden, mit drei Sitzen Vorsprung vorn. Fest steht, dass die teils rechtsextremen «Schwedendemokraten» Federn lassen mussten. Sie fielen von der bisher zweitgrössten zur drittgrössten Partei des Landes zurück. Das Ergebnis steht im Widerspruch zur Darstellung, dass die extreme Rechte in ganz Europa auf dem Vormarsch sei.
Zu Beginn des Abends hatten Nachwahlbefragungen darauf hingedeutet, dass das Land auf dem Weg zu einer völlig neuen, linksgerichteten Regierung sei. Doch während die Stimmen ausgezählt wurden, wurde deutlich, dass es Tage dauern könnte, bis das endgültige Ergebnis feststeht.
Nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen kamen die linksgerichteten Oppositionsparteien auf 176 Sitze. Die rechten Parteien unter Führung von Ministerpräsident Ulf Kristersson erreichten 173 Sitze. Die Schwedendemokraten verlieren 11 Sitze.
Die Sozialdemokraten bleiben Schwedens grösste Partei. Allerdings ist das Ergebnis, das sie jetzt erzielten, das schlechteste seit Jahrzehnten. «Wir müssen auf das endgültige Wahlergebnis warten», sagte die sozialdemokratische Spitzenkandidatin Magdalena Andersson kurz nach Mitternacht. «Aber meine Botschaft ist klar: Wir Sozialdemokraten werden immer bereit sein, Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen. Es sieht so aus, als würde es sehr knapp werden.»
Das linksgerichtete Oppositionslager besteht aus den Sozialdemokraten, der Zentrumspartei, den Grünen und der Linkspartei.
Ministerpräsident Ulf Kristersson hatte bisher eine Mitte-Rechts-Koalition angeführt, die von den rechtsaussen stehenden Schwedendemokraten toleriert und unterstützt wurde. Die rechte Koalition brach 2022 mit einem langjährigen politischen Tabu, als sie eine Zusammenarbeit mit den Schwedendemokraten einging, die ihre Wurzeln in der Neonazi-Bewegung haben. Der sogenannte, von Ulf Kristersson angeführte, mitte-rechts stehende «Tidö»-Block, der seit vier Jahren an der Macht ist, setzt sich aus den Moderaten, den Christdemokraten und den Liberalen zusammen.
Die Verhandlungen über eine Koalitionsbildung dürften Wochen, wenn nicht gar Monate dauern. Der Grund: Bei den Sozialdemokraten gibt es Vorbehalte, mit der sozialistischen, linkspopulistischen Linkspartei (Vänsterpartiet) zusammenzuarbeiten.
Den Wahlen am Sonntag ging ein für schwedische Verhältnisse äusserst gehässiger Wahlkampf voraus. Dazu gehörten persönliche Angriffe, Diffamierungen, Falschinformationen und Verschwörungserzählungen.