Spekulieren und schwadronieren

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Spekulieren und schwadronieren

Von Christoph Kuhn, 12.03.2020

Wie das Corona-Virus die Medien befeuert

Das Corona-Virus hat es wirklich in sich! Analog wie digital beherrscht es den öffentlichen und den privaten Diskurs. Real, surreal, irreal manifestiert es sich, flächendeckend, in mannigfachen Metamorphosen. Wegen seiner Unsichtbarkeit, Unfassbarkeit und Unberechenbarkeit wirkt es unheimlich. Es verführt Kollegen und Kolleginnen in den Medien, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen, zu mutmassen, zu spekulieren – und zu schwadronieren, was das Zeug hält.

Eindrücklich, was man da seit Tagen geliefert bekommt. An Pest und Cholera wird erinnert, Gottes Strafgericht beschworen oder, diesseitiger, der Fluch der Globalisierung; das Virus ist auch ein Angst-Virus, ein Börsen-Virus. Für die am 8. März demonstrierenden Frauen in Buenos Aires war es eins zu eins auf den allgegenwärtigen Machismo anwend- und übertragbar (das Virus «patriarcado» denunzierten sie auf ihren Transparenten). Für andere unterminiert es das Vertrauen zwischen den Menschen und jemand findet, Corona sei gut fürs Klima, weil es wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse bremst und dadurch der Natur hilft, sich zu erholen.

Das mögen originelle Erzählungen und Lektüren sein – hilfreich im Umgang mit der Krankheit sind sie kaum. Statt der Wirkung des geheimnisvollen Virus entgegenzutreten, befeuern sie diese erst recht, machen sie, durch ausschweifendes Gerede, intensiver und stärker. Die Vernunft würde gebieten, den Virologen und anderen Wissenschaftern, den Ärzten zuzuhören und das Virus dort zu orten, wo es hingehört, im medizinischen Bereich. Aber die unscheinbare, die trockene Vernunft hat es bekanntlich schwer, sich gegen abenteuerliche, im Guten wie im Schlechten verführerische Fantastereien durchzusetzen.

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Kommentare

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In einem E-mail, das aus verlässlicher Quelle stammt, Stand, dass ein italienischer Arzt von der chinesischen Regierung zum Mitgied des WUHAN Pneumonia-Virus study team ernannt wurde. Seine "gute" Meldung ist, dass das Virus Corona nur bis ca.26 ° überlebt. Hoffen wir auf einen heissen Frühling!. Luzern, 17.3. 2020

Es gibt zwar noch keine Panik, aber da das Virus sich mit recht konstanten Wachstumsraten verbreitet, greifen die Leute zu eigenen Masnahmen. Eine davon ist sich von den Aktien zu trennen, die natürlich sehr volatil sind. Sinkende Kurse sind eigentlich logische Folge und besser jetzt verkaufen als später. Darum werden die Kurse natürlich noch weiter sinken, allerdings werden sie genauso wieder steigen, wenn es klar wird, auf welchem Niveau das Virus gestoppt wird. In China ist genau das passiert, dort ist das Wachstum gestoppt und die Börsen stabilisieren sich.

RNA-DNA Software, hab ich bei Google gelesen!

Ich, mit Hand im Gips lasse es heute Mal schreiben.
RNA-DNA Software gut verpackt in Fett und Eiweisshüllen, leblos und ohne eigenen Stoffwechsel, die Viren. In mehreren hunderten Variationen vorhanden suchen sie ständig Wirte, es geht um Reproduktion. Zellen gebären unfreiwillig ihre Nachkommen. Updates der Evolution , nicht jedes ist von Nutzen. Nicht jedes funktioniert, manche wirken verheerend. Leben entstand durch Mutation, vor allem durch harte Strahlung veränderte und erschuf Neues. Offerierte dadurch auch Erkenntnis und Sicht aufs Ganze, sogar aufs Universum. Genau, eine Weiterentwicklung mit und durch Experimentierfreudigkeit. Deswegen bleibt Leben immer auch lebensgefährlich. Crisper, die RNA-DNA Schere ist auch so eine Sache. So ein Bastelwerkzeug könnte in dem Sinne auch zur Gefahr werden, da ganz unten rumzubasteln, im Hochrisikobereich? Manche tun es aus verschiedenen Gründen, auch um Pflanzen zu optimieren.
… cathari

Danke für diesen Beitrag. Irgendjemand muss doch auf diese Boulevard-Hysterie (inkl. Tagi) verweisen. Die Medienwoche hat am 6.3. aus der Feder von Adrian Lobe dazu einen angemessenen Artikel publiziert: "Coronavirus: «Abstand halten» gilt besonders für die öffentlich-rechtlichen Medien" !!

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