Sommerliche Leckerbissen

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Sommerliche Leckerbissen

Von Christoph Kuhn, 08.07.2019

Es ist Sommer, wie schön. Zu den Wohltaten der Jahreszeit gehört, dass der tägliche Zeitungskonsum ausser dem üblichen Elend der Welt Texte und Bilder anbietet, die noch den hartgesottensten Leser das Staunen lehren können.

Da erfährt man, zum Beispiel, dass in Australien eine Spinnenart entdeckt wurde, die dem verstorbenen Modezar Karl Lagerfeld so auffällig gleicht, dass sie seinen Namen erhalten hat. Oder es wird berichtet, dass eine von künstlicher Intelligenz gesteuerte raffinierte App dir via Handy helfen kann, deine psychischen Leiden zu verringern, indem sie dir etwa rät, ein bisschen Wasser zu trinken. Genial. Oder es erklärt dir in der Forschungsbeilage der NZZ eine Journalistin, dass entgegen landläufiger (Fehl)meinung auch Frauen die Nacht hindurch schnarchen können. Das sei statitisch erwiesen und sie stünden im übrigen den Männern akustisch nicht nach. Beruhigend.

Eine Statistik darüber, ob Kreativität und  Kriminalität, Kunst und Verbrechen, etwas miteinander zu tun haben könnten, gibt es bedauerlicherweise noch nicht, wie der „Tages-Anzeiger“-Autor, der meinen vorläufigen Favoritenartikel unter den sommerlichen Leckerbissen verfasst hat, zugeben muss. Aber es ist ja nicht verboten, zu spekulieren. Von der entsprechenden Zeitungsseite starren einen drei grauenvoll schlecht gemalte Frauengesichter an. Geschaffen hat sie ein in den USA einsitzender 79-jähriger Serienmörder, was den Artikelschreiber dazu animiert, in der Kulturgeschichte des Abendlandes nach Künstler-Verbrechern zu fahnden. Er findet zwar ein paar und kann auch den grossen Joseph Beuys zitieren, der in Künstlern und Verbrechern Weggefährten gesehen haben will, „beide sind ohne Moral, verfügen über eine verrückte Kreativität …“

Aber ein Muster lässt sich in dieser vermuteten Affinität zwischen Maler und Mörder  leider nicht erkennen. Kreativität und Killerinstinkt müssen nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben. Das ist nicht zuletzt für uns Journalisten, die wir doch auch Anspruch auf Kreativität haben, eine gute Nachricht!

Kommentare

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Zeitungskonsum von Einheitspresse. Vom Mainstream abweichende Meinungen sind verboten. Kein Redakteur will arbeitslos werden.

Berlin – Die Feministin und Publizistin Alice Schwarzer sieht das aktuelle Diskussionsklima in Deutschland kritisch. „Es gibt keinerlei Freude an kontroversen Diskussionen mehr, abweichende Meinungen werden verboten. Wir müssen dieser verdummenden Entwicklung dringend Einhalt gebieten“, sagte Schwarzer der „Welt am Sonntag“.

Die Propaganda des islamischen Fundamentalismus scheine unter der Flagge der Toleranz und des Antirassismus besonders in linken und linksliberalen Medien und an den Universitäten gegriffen zu haben, „da herrscht die Tyrannei der politischen Korrektheit“, so Schwarzer. Selbst die „sogenannten Leitmedien“ trügen zur „Verrohung des Meinungsklimas“ bei. Das Problem des Islamismus beginne nicht erst bei Gewalt.

„Islamismus beginnt dort, wo die naturwissenschaftliche Lehre von der Entstehung der Welt unterdrückt wird, wo sogenannte Ungläubige verachtet werden, wo Kinder schon in der Kita nach Geschlechtern getrennt werden, wo Brüder ihre Schwestern und Söhne ihre Mütter bevormunden, wo das islamische Kopftuch, das Haar und Körper der Frauen als sündig bedeckt, unhinterfragt akzeptiert wird“, sagte Schwarzer. „Wir haben der islamistischen Agitation in Deutschland 25 Jahre lang nichts entgegengesetzt.“ Sie äußerte allerdings die Hoffnung, dass die Verfechter der Meinungsfreiheit in öffentlichen Debatten wieder aktiver werden: „Ich spüre, dass es sich gerade dreht. Die vielen, die bisher geschwiegen haben, aus Ignoranz oder Bequemlichkeit, beginnen, die Gefahr zu erkennen. Es kann doch auch nicht sein, dass wir unsere hart errungene Aufklärung und die Gleichberechtigung der Geschlechter von religiösen Fundamentalisten ernsthaft gefährden lassen.“

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