Schuld sind die Alten

Stephan Wehowsky's picture

Schuld sind die Alten

Von Stephan Wehowsky, 23.09.2019

Fridays for Future demonstriert weltweit für das Klima. Sehr bald könnten fatale Schuldzuweisungen erfolgen.

Fridays for Future ist eine junge Bewegung. Die Klimadebatte hat diesen Impuls gebraucht. Denn bislang hatte gerade die ältere Generation geglaubt, die jüngere Generation sei mehr an Kurzmitteilungen als an fatalen langfristigen Entwicklungen interessiert.

Aber diese Bewegung steht erst am Anfang. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihr etwas klar wird, das weit über die Klimadebatte hinausgeht: Die Alten machen Schulden über Schulden. Sie leben nicht nur auf Kosten der Natur und des Klimas, nicht nur auf Kosten der Ressourcen dieser Erde, sondern sie leben auch auf Kosten der nachfolgenden Generationen. Für die Jungen bleibt immer weniger übrig.

Die Altersversorgung ist nicht gedeckt. Die Jungen werden für die „Umlageverfahren“ zahlen müssen. Dazu kommt die abenteuerliche Finanzpolitik der internationalen Zentralbanken: verdeckte Staatsfinanzierung. Keiner der hochbezahlten Expertinnen und Experten findet das gut, aber wer möchte sich schon einen blutigen Kopf holen, solange man sich durchmogeln kann? Das Motto: Wir wissen nicht, wohin es geht, aber bitte verschont uns heute mit der Wahrheit, dass es einen Zahltag geben könnte. Oder auch nicht? Und sind wir dann überhaupt noch zuständig?

Es könnte sein, dass die Jungen eines Tages diesen Zahltag ansagen. Ihre Erbitterung wird dann keine Grenzen mehr kennen. Denn ihr Lebensraum schrumpft ebenso wie ihre finanziellen Möglichkeiten. Zudem müssen sie für die Alten immer mehr zahlen, damit die ihre auskömmliche Rente, medizinische Versorgung und Pflege bekommen. Und das, nachdem sie sich einen Lebensstil leisten konnten, an den sich die Jungen nur noch aus ihren Kindheitstagen erinnern.

Die jetzt bestimmende Generation der Alten hat nicht nur Schulden gegenüber der Natur, sondern auch gegenüber der nachfolgenden Generation zu verantworten. Sie wäre gut beraten, diese Schulden so ernst zu nehmen wie Hypotheken, die ihr eines Tages das Genick brechen können.

Ähnliche Artikel

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Danke für diesen guten Artikel, der viele wichtige Punkte anspricht.

Man kann es so sehen, Herr Wehowsky. Es dürfte aber etwas komplexer sein: Will hier aber auf die Komplexität nicht näher eingehen. Schon (zu) viel wurde darüber geschrieben. Nur das: Der Mensch, in diesem Fall spätestens die heutige Jugend, wird fähig sein, den Klimawandel (vorwiegend von der Natur selber gemacht?) weniger schlimm zu halten. Mehr "Respekt" gegenüber der Natur!!! Sie tut ohnehin, was sie will.) - Björn Lomborg hat wohl recht: Das Klimaproblem ist nicht das Ende der Welt. Es schadet übrigens nicht, z.B. folgende Tatsache zu akzeptieren: Sonnenenergie + Wind decken gerade mal 1% (!) vom Gesamtweltbedarf. Viel mehr wird es auch in kommenden Jahren nicht sein. Auch E-Autos werden nicht die Lösung sein. Es werden neue Lösungen sein, die da und dort schon in Schubladen liegen. Die heutige Jugend wird fähig sein, diese zu optimieren. Selbst die heutige Atomtechnik wird nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Kurzum: Etwas mehr Optimismus von uns Aelteren und weniger Weltuntergangsstimmung von der heutigen Jugend würden nicht schaden - auch sozialem Zusammenhang wegen. Selbst dann, wenn die Jugend bei Demos ihre Mobiles zuhause liesse....Zum Glück herrscht hierzulande weniger fragwürdige Panik als in D, wo man Vorbild sein will. Fragt sich nur ob andere Länder (China, Indien, Brasilien, Russland etc.) die deutsche Vorreiterrolle dereinst positiv bewerten wird. "Unter dem Strich muss es stimmen", wird man auch in europäischen Ländern deutsche Hektik kommentieren.

Ja, Herr Wehowsky, wer sind den jetzt diese Alten? Ex-Bänker? Milliardäre, die nie mit echter Arbeit ihr Geld verdient haben?
Politeliten, die Ja-Sagen zu allem Undurchsichtigen?

Wir alle, die wir recht und schlecht, möglichst ehrvoll älter werden?
Nur schon der Gedanke an einen möglichen Clash Jung gegen Alt, wie er von Ihnen umschrieben wird, finde ich verwerflich.

Der wahre Krieg heute heisst: Reich gegen arm. Und die Klasse der
(Super-) Reichen werde diesen Krieg gewinnen! Dies sagt einer der
reichsten Männer der Welt, ein Börsenguru, der es zu wissen meint!
An was glauben wir?

Reich gegen Arm stimmt so einfach nicht, ich denke eher fossil-reich gehen alle anderen. Aber der Klimawandel hat einen positiven Nebeneffekt, er wird alle treffen, auch die Reichen. Vielleicht können die sich länger entziehen, aber die Lebensgrundlagen werden auch für sie schwinden. Und ich bin auch der Meinung, dass wir uns gegenüber der nachfolgenden Generation ganz schlimm verhalten. Ich würde mich auch nicht wundern, wenn diese dann irgendwann auch Rechenschaft fordert.

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren