Marguerite Duras war literarisch betrachtet ein Solitär, aber sie hat zeitweilig mit ihren Werken haargenau die Stimmungen und Gefühle ihrer Zeitgenossen zum Ausdruck gebracht. Sie war mehr als ein Spiegel ihrer Zeit. Was sie erlebte und verinnerlichte, verwandelte sie in eine eigenwillige Sprache.
Marguerite Duras wurde am 4. April 1914 in der Nähe von Saigon geboren, das damals zu Französisch-Indochina gehörte. Mit ihrer Übersiedlung nach Frankreich nahm sie den Künstlernamen Marguerite Duras an. Sie studierte Mathematik, Jura und Politikwissenschaft. Prägend wurden für sie die Erfahrungen in der Résistance, insbesondere wegen der Verhaftung und Verschleppung ihres Ehemannes. Sie schloss sich den Kommunisten an, stellte sich aber gegen den Stalinismus mit seiner Verfolgung von Intellektuellen.
Sie schrieb zahlreiche Romane und Drehbücher. 1984 erhielt sie für «L´amant» den Prix Concourt. Ihr bis heute bekanntestes Werk ist «Hiroshima, mon amour», in dem sie sich in freier assoziativer Weiese mit dem Schicksal französischer Frauen beschäftigte, denen Kollaboration mit den Deutschen vorgeworfen wurde. Die Verfilmung hatte starken Einfluss auf die Nouvelle Vague.
Das Porträt entstand im Zusammenhang mit der Verleihung des Österreichischen Nationalpreises für Literatur 1989. Marguerite Duras starb am 3. März 1996 in Paris.
(Journal 21)