Vor 100 Jahren: Im Oktober 1926 findet in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm in Berlin die grosse Automobilausstellung statt. Originalbildlegende von damals: «Die Ausstellung bietet ein hervorragendes Bild deutschen Automobilbaues. Ein Glanzstück! Das Chassis des weltbekannten Maybachwagens.»
Der Maybach W 5 wurde von Karl Maybach in Friedrichshafen gebaut. Die Fahrzeuge standen für absolute Perfektion und Handarbeit und richteten sich an die Superreichen der Epoche.
Der Wagen kam 1926 auf den Markt und war ein extrem schneller, luxuriöser Oberklassewagen der Goldenen Zwanziger. Bestückt war er mit einem starken 7,0-Liter-Sechszylinder-Reihenmotor (ca. 6992 cm³). Das Auto erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 130 km/h, was für die damalige Zeit sehr schnell war. Heute sind von dieser Serie weltweit nur noch sehr wenige Exemplare erhalten.
1926 war in Deutschland ein Zwischenjahr, ein Jahr des kurzen Aufbruchs. Benz & Cie. und die Daimler-Motoren-Gesellschaft fusionierten zur Daimler-Benz AG mit Sitz in Berlin und stellten 1926 im Ausstellungspalast iam Kaiserdamm ihre Modelle vor. Nicht nur moderne Autos kamen auf: Flugzeuge und Luftschiffe machten Fernreisen zunehmend realistisch; die Luftfahrt entwickelte sich zu einem Symbol der neuen Moderne.
Die Weimarer Republik erlebte 1926 eine Phase relativer Stabilisierung. Deutschland wurde im September in den Völkerbund aufgenommen. Gustav Stresemanns Aussenpolitik zielte auf internationale Verständigung und eine Rückkehr Deutschlands in die Staatengemeinschaft. Berlin erlebte die «Goldenen Zwanziger»: Grossstadtleben, Kino, Radio, Jazz, neue Architektur und eine zunehmend moderne Massenkultur prägten die Jahre. 1926 erschien etwa Fritz Langs «Metropolis». Doch die Demokratie war nicht gefestigt. Bereits wurden Kräfte sichtbar, die das Land später ins Elend stürzen sollten. Die NSDAP reorganisierte sich, und Adolf Hitler gewann innerhalb der Partei zunehmend die Kontrolle.