An der heute strategisch bedeutenden Schifffahrtsstrasse von Hormus lag zwischen dem 10. und 17. Jahrhundert das Königreich Ormus – ein mächtiger arabisch-persischer Staat und einer der wichtigsten Handelsplätze seiner Zeit. Hier wurden Gewürze, Perlen und Seide aus aller Welt umgeschlagen. Der Reichtum des Reiches war sprichwörtlich. «Wenn die ganze Welt ein goldener Ring wäre, wäre Ormus das Juwel darin», zitierte der portugiesische Missionar Gaspar da Cruz einst Bewohner der Stadt. Gleichzeitig war das Königreich auch für seine Zügellosigkeit bekannt.
Ormus galt als eines der wohlhabendsten Länder seiner Epoche und verfügte über eine grosse Handelsflotte. Kaufleute aus vielen Regionen – sogar aus der Mongolei – kamen hierher, um ihre Waren zu handeln. Zugleich fungierte Ormus als wichtiger Umschlagplatz im Sklavenhandel zwischen Afrika und Arabien, Persien und Zentralasien. Der Staat unterhielt zudem eine Marine von bis zu 500 Kriegsschiffen.
Die ursprüngliche Stadt Hormus befand sich auf dem iranischen Festland. Später verlegte die Bevölkerung ihren Siedlungsschwerpunkt auf die vorgelagerte Insel Dscharun.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts eroberten die Portugiesen das Königreich. In der Folge setzte allmählich der Niedergang der einstigen Handelsmacht ein. Der spanische Missionar Franz Xaver berichtete später vom «berüchtigt schlechten» Zustand der Moral: «Ausländer, Soldaten und Kaufleute warfen jede Zurückhaltung in der Nachsicht ihrer Leidenschaften ab.» Auch die Christen seien «nicht besser als die anderen» gewesen. Es habe nur wenige Priester gegeben, «doch sie waren eine Schande für ihren Stand». Araber und Perser hätten zudem «die verabscheuungswürdigsten Formen des Lasters» eingeführt. Der portugiesische Chronist Duarte Barbosa deutete darüber hinaus an, dass Jugendliche als Lustknaben gehalten worden seien.
Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Ormus schliesslich vom Imam und Sultan von Maskat und Oman erobert. Später fiel das Gebiet wieder an Persien zurück.