Vor hundert Jahren war Genf ein diplomatischer Hotspot. Am 8. September wurde Deutschland Mitglied des 1920 gegründeten und in Genf beheimateten Völkerbunds. Der deutsche Aussenminister Gustav Stresemann reiste in die Rhonestadt. Ebenso die französischen und britischen Aussenminister Aristide Briand und Austin Chamberlain. Es sah aus, als würde in Europa eine Zeit des Friedens und der Zusammenarbeit anbrechen. Nur die USA waren nicht dabei.
Genf rückte in der ersten Septemberhälfte vor 100 Jahren in die Schlagzeilen der europäischen Presse und festigte den Ruf der Schweiz als friedensfördernde Nation. Acht Jahre nach dem verlorenen Krieg setzte Aussenminister Stresemann in Genf seine Politik der Annäherung an die Westmächte fort – eine Politik, die er zuvor bei den Verhandlungen in Locarno eingeleitet hatte. Deutschland erhielt jetzt sogar einen ständigen Sitz im Völkerbundrat.
Aristide Briand und Gustav Stresemann wurden zu Symbolfiguren der europäischen Verständigung. Beide erhielten 1926 den Friedensnobelpreis.
42 Staaten hatten den Völkerbund gegründet. Nicht dabei waren die USA, obwohl sich der amerikanische Präsident Woodrow Wilson vehement für seine Gründung starkgemacht hatte. Der amerikanische Senat jedoch hatte einen Beitritt abgelehnt, unter anderem, weil er internationale Verpflichtungen befürchtete. 1945 gehörten die USA dann zu den Gründungsmitgliedern der Uno.