Falschinformationen zur Energie-Abstimmung

Christina Marchand's picture

Falschinformationen zur Energie-Abstimmung

Von Christina Marchand, 11.05.2017

Die Informationen zur Energiestrategie bieten leider einen traurigen Höhepunkt der Fehlinformationen und Angstszenarien.

Kaum steht eine neue Abstimmung vor der Tür, flattern zahlreiche mehr oder weniger seriöse Informationen ins Haus. Unglaublich, was uns Bürgern da so an Halb- und Falschwahrheiten zugemutet wird! Folgende Punkte werden besonders falsch dargestellt:

Kosten: Erwarten uns riesiger Mehrkosten?

Anstatt der behaupteten 3200 Franken Mehrkosten pro Haushalt, wird Energie durch die Energiestrategie nicht oder marginal teurer. Das sagen der Bundesrat und viele Berechnungsmodelle.

Im Gegenteil gibt es Berechnungen, dass uns die Kosten durch Klimawandel und unsichere Importe viel teurer zu stehen kommen als bei der Umstellung unseres Energiesystems. Vor allem da die Verfügbarkeit von Öl, Kohle, Gas und auch Strom zum grossen Teil von Entwicklungen im Ausland abhängt, die wir nicht beeinflussen können.

Besser im eigenen Land produzieren

Mit oder ohne Energiestrategie werden sich die Preise in Zukunft ändern. Die korrekte Voraussage ist äussert schwierig. Eindeutig und ganz klar bleibt, dass es sicherer ist, ausreichende Mengen Energie im eigenen Land zu produzieren, und damit sowohl die Kosten genau im Griff zu haben, wie auch die Produktion sicher planen zu können. Zusätzlich schaffen wir dadurch neue Arbeitsplätze und lassen Investitionen im Land. Zusätzlicher moderater Handel mit dem Ausland stabilisiert das System ebenfalls.

Nicht zu vergessen: Energie und Strom sind in unserem Land so günstig wie nie und im Vergleich zu den Nachbarländern besonders billig! Das hat leider allerdings eher Nachteile, da sich Effizienz und Sparsamkeit finanziell nicht auszahlen.

Werden wir zur Sparsamkeit gezwungen?

Nein, leider ist die Energiestrategie in diesem Punkt ein Papiertiger, dem alle Krallen gestutzt worden sind. Wir dürfen weiter Energie verschwenden, wie wir wollen, die Massnahmen setzen mehrheitlich auf Freiwilligkeit. Oft sind es die gleichen Leute, die alle griffigen Massnahmen zur Effizienzsteigerung gestrichen haben, die nun behaupten, die Strategie habe keinen Biss.

Die Energiestrategie wurde in mehreren Runden immer weiter angepasst und  „entschärft“. Im Grunde werden vor allem Entwicklungen festgeschrieben, die schon länger im Gange sind oder sowieso einsetzen würden.

Rückschritt oder Fortschritt?

Mit der Annahme ändert sich also nicht viel, es werden vor allem viele Dinge festgeschrieben und endlich legitimiert, die schon aufgegleist worden sind.

Bei einer Ablehnung würde man dagegen vor einem Scherbenhaufen stehen und das wäre tatsächlich ein Rückschritt, da jahrelange Vorarbeiten, Verhandlungen und Kompromisse sinnlos werden würden. Die Kosten für diesen ganzen Prozess, der dann umsonst gewesen wäre, sind vermutlich auch nicht gerade gering.

Erneuerbare Energien – Segen oder Fluch?

Über Ästhetik lässt sich bekanntlich streiten und jeder kann seine eigene Meinung über die Schönheit von Solaranlagen oder Windrädern haben. Das gilt aber auch für Vögel jagende Hauskatzen, die überall hinscheissen, oder Strommasten oder Liftanlagen oder Bergstrassen mit rasenden Motorrädern oder Kernkraftwerke.

Seltsamerweise kommt niemand auf die Idee all das zu verbieten, nur weil es nicht schön ist. Die Gegner der Windkraft haben es leider geschafft, diese genau mit solchen Argumenten ins Abseits zu stellen. Wahrscheinlich vor allem, da Windräder sehr effizient sind und schon heute tiefere Kosten als alle anderen Produktionsformen haben.

Die Schweiz ist mit potentiellen Wind- und Sonne- und Wasserkraftanlagen in der komfortablen Lage, sogar völlig autark Strom zu erzeugen.  Dazu gibt es verlässliche Modellrechnungen von Prof. Gunzinger.

Energiehandel mit Nachbarländern bleibt so oder so

Treiben wir zusätzlich moderaten Handel mit den Nachbarländern, ist das Stromsystem noch sicherer. Dieser Import/Export-Austausch existiert auch völlig unabhängig von der Energiestrategie, und bereits heute importieren wir im Winter Strom aus dem Ausland.

Darüber hinaus ist zu erwarten, dass in naher Zukunft viele Autobatterien zur Verfügung stehen werden, die die lokale Stromspeicherung einfach und billig machen – und damit das Netz stabilisieren.

Fazit: Ein Nein wäre ein echtes Eigentor

Ein Nein, wäre ein echtes Eigentor und Rückschritt. Jahrelange Entwicklung und Planung würden vernichtet. Die Energiestrategie 2050 ist aber nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Um die Energiewende wirklich erfolgreich zu schaffen, müssen wir diesen Weg dann noch viel konsequenter weitergehen.

Kommentare

Die Redaktion von Journal21 behält sich vor, Kommentare gekürzt oder nicht zu publizieren. Dies gilt vor allem für unsachliche und themenfremde Beiträge sowie für Kommentare, die ehrverletzend oder rassistisch sind oder anderweitig geltendes Recht verletzen. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Der Artikel von Frau Marchand ist von zwingender Logik und überzeugend. Das momentan noch existierende Problem der kostengünstigen und effizienten Speicherung von Strom wird bald gelöst werden. Nicht nur die Autoindustrie arbeitet mit Hochdruck an Lösungen. Wer jetzt noch die Angstmacherei betreibt, dass wir mit der Energiewende im Winter in der Kälte hocken werden, das sind die gleichen Leute, die uns Jahrzehnte lang erzählt haben, Atomstrom sei billig und wirtschaftlich sinnvoll.

Es wäre ja schön, wenn sich Ihr Optimismus bezüglich günstiger Speicherung bewahrheiten würde...

Sind sie bereit, meine Mehrkosten zu bezahlen? Wenn nein, dann frage ich sie warum nicht? Sie gehen ja kein Risiko ein, wenn die Energiestrategie 2050 die Haushalte nichts kostet.

Ausgezeichneter Artikel. Danke Frau Marchand. Sie haben mir bestätigt, dass meine Ja Stimme - per Post schon vor einer Woche gesandt - das richtige war, trotzt den vom Parlament geschwächten Gesetz gegejüber dem Vorschlag vom Bundesrat. Cornelio Sommaruga

Die Absicht war gut, das Ergebnis weniger - der Artikel vermehrt nur die Anzahl publizierter Falschinformationen!
Herzliche Grüsse, EK

Ich bin zwar nicht Gegner der Energiestrategie. Trotzdem vermisse ich auch in diesem Beitrag klare Fakten. Sabine Marchand tischt auch nur Vermutungen auf. Eigentlich schreibt die Energiestrategie nur zweierlei vor: das Verbot der Kernenergie und Subventionen für Wasser-, Wind- und Sonnenenergie und für Gebäudeeffizienz. Damit ist der im Winterhalbjahr abzeichnende Strommangel aber überhaupt nicht gelöst. Alle reden von Energie und vergessen den Strom im Winter.

Newsletter kostenlos abonnieren