Erheuchelte Flüchtlingshilfe

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Erheuchelte Flüchtlingshilfe

Von Ulrich Meister, 02.07.2018

Der jüngste EU-Gipfel rettete keine Flüchtlinge, sondern Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Der grösste politische Fehler der EU war mangelnde Voraussicht, mehr oder weniger vorgespielte Blindheit und damit verbunden falsche Reaktionen, insbesondere das Abwälzen der Lasten auf schwächere mediterrane Länder. So hat die „grösste humanitäre Krise der Gegenwart“ entstehen können. Der Hauptschönredner dieser europäischen Scheinheiligkeit ist der französische Präsident Macron. Derweil vergisst der ungarische Ministerpräsident Orbán die westeuropäische Solidarität mit den Ungarnflüchtlingen von 1956.

Niemand wird freiwillig Flüchtling. Man hat in der Regel nur noch sein nacktes Leben und ein Bündel Banknoten. Vielleicht zahlt man für kriminelle Helfer, denen niemand das Handwerk legt. Reiner Idealismus ist ein zu schwaches Gegenmittel, leider auch nicht humanitäre Rettungsschiffe, deren Betreibern man vorwirft, den Schleusern in die Hand zu spielen. So ertrinken die Flüchtlinge weiter oder landen wieder in libyschen Verliessen.

Es fehlt nicht an Analysen, aber an Referenzen. Man mag schon nicht mehr „Exodus“ lesen oder ansehen, die nicht vergleichbare historische Völkerwanderung studieren. Man vergisst den Selbstmord von Walter Benjamin an der französisch-spanischen Grenze. „Das Boot ist voll“, um in der Schweiz zu bleiben. Der Asyldrang hat sich globalisiert wie alles. Früher behielt man afrikanische Flüchtlinge jahrzehntelang „zuhause“ in Wüstenlagern – dank der UNHCR.

Man muss sich fragen, was Europa auf Dauer mehr schadet: eine alles in allem begrenzte Zahl von Flüchtlingen oder der aufkeimende Rechtspopulismus, der das Rad der Geschichte zurückdreht. Dem jungen österreichischen Kanzler Kurz, der ab Juli in dem von ihm geschätzten Rückwärtstrend die EU präsidiert, sollte man – wie auch sich selbst – vorschlagen, sich vorzustellen, man sei ein Flüchtling.

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Die Asylflut wird nie enden.
Ein fundamentales Problem, das in der öffentlichen Diskussion stets dezent umschifft – man kann auch sagen: totgeschwiegen – wird, ist das unheimliche Bevölkerungswachstum. Trotz Kriegen und Terror, trotz Hungersnöten und Epidemien wird sich die Bevölkerung auf dem Schwarzen Kontinent aktuellen Schätzungen zufolge bis 2050 auf 2,5 Milliarden Menschen mehr als verdoppelt haben. Diese beängstigende Zahl wird in den Qualitätsmedien schon mal genannt, aber weitestgehend unkommentiert einfach stehen gelassen. Das tradierte Reproduktionsverhalten des schwarzen Mannes, das darauf angelegt ist, möglichst viele Nachkommen zu zeugen, wird nicht kritisch hinterfragt. Ein Tabu, das nicht angesprochen werden darf, eine Tatsache, die wir einfach hinzunehmen haben. – Das ist schlicht verlogen und bemäntelt eine unangenehme Wahrheit, der wir uns nicht verschließen können. Zehn bis zwölf Millionen junge Afrikaner drängen jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt. Die Lösung: Asyl und Jobsuche in der Schweiz und in Deutschland?

Jeder vernünftiger Mensch begreift, dass man die globale Armut nicht mit unserem Asylrecht bekämpfen kann, sonst werden wir später auch bitter arm. Problem ist, dass die ärmste Bevölkerung am schnellsten wächst, was zwangsweise zu Kriegen um Rohstoffe, Land und Trinkwasser und somit zu neuen Asylsuchenden führen wird. Unsere Ressoucen sind begrenzt. Wohnungsnot! Landfraß!

Im allgemeinen schreiben nur solche Leute Memoiren, die entweder kein Gedächtnis haben oder die nie etwas Gedenkswertes taten. Doch zweifellos erklärt das ausreichend ihre Beliebtheit. Denn das Publikum fühlt sich am wohlsten, wenn eine Mittelmäßigkeit zu ihm redet.

Oscar Wilde, 1854–1900
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