Buch oder nicht Buch ...

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Buch oder nicht Buch ...

Von Laura Weidacher, 13.11.2014

... das war keine Frage am eben zu Ende gegangenen Internationalen Literaturfestival der BuchBasel.

Mit dem Siegeszug der elektronischen Medien begann schon vor langen Jahren der internationale Kampf ums Weiterleben des gedruckten Buches respektive aller gedruckten Medien. Die Kampfzone erstreckte sich von den Autorinnen und Autoren über die gesamte, vielfältig besetzte Branche der Buchherstellung bis zu den Buchhandlungen.

Glücksgefühle auslösend und gefährdet

Heute haben sich zum Glück alle Beteiligten einigermassen angepasst und ihre Palette um E-Book oder auch Hörbücher in CD-Form erweitert. Auch der Online-Verkauf wird schon lange nicht mehr nur Vertriebsriesen wie amazon allein überlassen. Offenbar bleibt aber innerhalb der Literaturszene das Buch als haptisches, ungeachtet seines Inhalts Glücksgefühle auslösendes, reales Objekt Favorit bei allen Literaturfreaks. Und gehört trotzdem weiterhin zur gefährdeten Spezies.

Um diesem anhaltenden Rückgang der Verkaufs- und damit automatisch auch der Herstellungszahlen entgegenzuwirken, löste der Basler Schriftsteller und Verleger Matthias Jenny (Verlag „Nachtmaschine“) im Jahre 1998 mit der Gründung eines Basler Literaturfestivals eine erfolgreiche Entwicklung aus, die 2003 in die Verbindung einer Buchmesse mit integrierten Lese-Inseln und Autorenauftritten mündete. Nun, die kleine Buchmesse hat seither diverse weitere  Entwicklungen durchlaufen und ist mit der diesjährigen Ausgabe zu einem veritablen Festival angewachsen mit rund 100 Veranstaltungen an mehr als 30 Spielorten.

Literaturinseln im Herbstmesse-Fieber

Seit 2012 hat Katrin Eckert, Intendantin des Literaturhauses Basel, auch die operative Leitung des  Festivals inne. In der Ausgabe 2014 waren die Veranstaltungen (Lesungen oder Diskussionsrunden) auf ganz verschiedene Orte verteilt, zumeist im Kleinbasler Bereich gelegen, die jeweils durch einen einschlägigen Bücherstand begleitet wurden. Das machte das Festival persönlicher und intimer – Literaturinseln in der treibenden Geschäftigkeit der im Herbstmesse-Fieber pulsierenden Stadt – oder gar abgehoben in einem Rheintaxi auf dem „Bach“, wie die Basler „ihren“ Rhein liebevoll nennen.

Ein interessanter und eher unverhoffter Trend liegt im neu erwachten Interesse für Lyrik. Dies zeigte sich auch an einer vormittäglichen Lesung mit der deutschen Autorin Ulrike Draesner und dem Schweizer Jürgen Theobaldy, die auf grosses Interesse eines fachkundigen Publikums stiess. Generell begleitete alle Veranstaltungen ein waches, wohlwollendes, aber durchaus nicht unkritisches Publikum.

Obwohl am Festival in dieser Form erwartungsgemäss weniger Bücher verkauft wurden als an einer üblichen Messe, zeigten sich die Veranstalter nach Abschluss des Festivals durchwegs zufrieden.

Zukunft der Verlage und der Kulturförderung

Unter diesem Titel fand am Samstag, 8. November, im Volkshaus Basel ein informatives Treffen statt.  Auf dem Podium informierten Danielle Nanchen (BAK), Marianne Sax (Schweizer Buchhändlerverband), Philippe Bischof (Abteilung Kultur BS) unter der Gesprächsleitung von Katrin Eckert über den Stand des neu erarbeiteten Verlagsförderprogrammes. In keinem Schweizer  Kulturförderungsmodell wurde bisher effektiv und resultatorientiert über finanzielle Förderung von Verlagen nachgedacht. Doch Verlage mit ihrer meist aufwändigen Autorenbetreuung stellen nach wie vor einen entscheidenden Faktor in der Buchherstellung dar.

Die aus Chur stammende frühere Zürcher Nationalrätin Vreni Müller-Hemmi brachte 2006 ein Postulat zur Buch- und Verlagsförderung ein. Das Postulat verlangte vom Bundesrat die Vorlage eines Berichts „über den Zustand, die Entwicklungsperspektiven und die Konsequenzen der Entwicklung der Buch- und Verlagsbranche auf das literarische Schaffen sowie das kulturelle Leben in der Schweiz“. Darüber hinaus sollte der Bericht ausländische Buch- und Verlagsförderkonzepte analysieren und mögliche Massnahmen für die Schweiz vorschlagen.

Bundesrat schlägt Verlagsförderung vor

Das vom Bundesrat beauftragte IPMZ transfer der Universität Zürich erstellte nach Recherchen in der Schweiz und verschiedenen europäischen Ländern das „Modell einer kulturorientierten Buchförderung in der Schweiz“ (Schlussbericht „Buch- und Literaturlandschaft der Schweiz im Auftrag des Bundesamtes für Kultur“, 16. Juni 2006).

Vor kurzem legte der Bund seine Kulturbotschaft 2016-2019 vor, in der erstmals auch eine Verlagsförderung vorgesehen ist. Die beantragte Förderung von 2 Millionen  Franken sei allerdings, wie Danielle Nanchen vom BAK  betonte, ein sehr kleiner Beitrag angesichts der Zahl der zu berücksichtigenden Empfänger. Trotzdem  muss aber noch die parlamentarische Hürde genommen werden – ein sicherlich nicht leicht zu nehmendes Hindernis, wie aus den Diskussionen in Basel herauszuhören war. Immerhin aber bewegt sich was in der Bücherlandschaft. Wollen wir – im Interesse aller Buchbegeisterten – hoffen, dass die Sache weiter positiv vorangetrieben wird.

Preis-Boom für Lukas Bärfuss

 

Gekrönt wird das dreitägige Festival jeweils mit der Verleihung des mit 20'000 Franken. dotierten (Deutsch-) Schweizer Buchpreises an in der Schweiz lebende Autoren. Der diesjährige Preisträger ist der aus Thun stammende 43jährige Autor Lukas Bärfuss, der mit seinem neuen Roman „Koala“ das Rennen aus 80 eingereichten Romanen und Essays sowie vor den vier weiteren Nominierten gemacht hat. Der erfolgsverwöhnte, an sich als Theaterautor bekannt gewordene Lukas Bärfuss erlebt derzeit einen wahren Boom. Nach dem Berliner Literaturpreis 2013 wurde ihm bereits im Juni des laufenden Jahres der Solothurner Literaturpreis für „sein bereits heute beachtliches Werk“ verliehen.

Bärfuss verarbeitet in diesem seinem neuesten Buch den tragischen Selbstmord seines Bruders, verbunden mit Kritik an Kolonialismus (Entdeckung Australiens) und philosophischen Betrachtungen über Namensmagie und Bruderliebe. Bei seiner Lesung im Vorfeld bezeichnete der selbstkritische Autor  „Koala“ als sein „vielleicht persönlichstes Buch“, und: „Man begräbt einen Teil seiner Identität mit jedem neuen Buch.“

 

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