Wirtschaftskrieg gegen die Huthis

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Wirtschaftskrieg gegen die Huthis

Von Arnold Hottinger, 02.10.2016

Der schwache, vorwiegend im Exil lebende jemenitische Präsident al-Hadi versucht, den Huthis den Geldhahn zuzudrehen.

Jemen wird seit anderthalb Jahren von Saudi-Arabien und seinen Verbündeten bombardiert. Trotz dieser Luftangriffe konnten die Huthis ihre Stellungen weitgehend halten und dominieren weiterhin die Hauptstadt Sanaa. Ein Ende des Krieges ist nicht abzusehen. Den Truppen des von Saudi-Arabien unterstützten Präsidenten Abdrabbo Mansur al-Hadi gelingen keine wichtigen Terraingewinne. Waffenstillstandsverhandlungen, die in Kuwait stattgefunden hatten, verliefen im Sand.

Die Huthis werden unterstützt von abtrünnigen Armee-Einheiten sowie von Kampftruppen des früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Dieser hatte einst gegen die Huthis gekämpft und gehört nun zu ihren wichtigsten Verbündeten.

Bisher neutrale Rolle der Zentralbank

Jetzt hat Präsident al-Hadi den Huthis den Wirtschaftskrieg erklärt. Dabei spielt die jemenitische Zentralbank eine Schlüsselrolle. Bisher hat die Bank, die ihren Hauptsitz in der Hauptstadt Sanaa hatte, versucht, eine neutrale Rolle im jemenitischen Bürgerkrieg einzunehmen. Sie stand unter Leitung eines erfahrenen und angesehenen Fachmanns. Muhammed Awad Bin Human sah seine Hauptaufgabe darin, den Wert des jemenitischen Rials soweit wie möglich zu stützen und eine Hyperinflation zu vermeiden. Er verteilte das Geld der Zentralbank nach Vorgabe des Budgets von 2014, des letzten, das verabschiedet worden war.

Danach wurden jemenitische Staatsangestellte, ob sie nun den Huthis oder Präsident al-Hadi dienten, gleich entlohnt. So flossen die Gelder sowohl in den von Huthis besetzten Norden, wo die meisten Jemeniten wohnen, als auch in den Süden, der vorwiegend von den al-Hadi-Kräften beherrscht wird.

Zentralbank ohne Geld

Jeden Monat überwies die Zentralbank dem jemenitischen Verteidigungsministerium 25 Milliarden Rial. Das entspricht etwa 100 Millionen Dollar. Diese Gelder kamen bisher vor allem den Rebellen zugute, da das Ministerium von den Huthis infiltriert ist. Die Armee al-Hadis sah nichts davon.

Wie zu erwarten, geht jetzt der Zentralbank das Geld aus. Die Wirtschaft ist im Krieg fast zusammengebrochen, der Erdölsektor bringt keine Einnahmen mehr. Um zu retten, was zu retten ist, versuchte Zentralbankdirektor Direktor Human, in Russland frisches Geld, neue Rial-Scheine, drucken zu lassen. Doch dagegen wehrte sich die Regierung al-Hadi. Nun werden als Notmassnahme alte, eingezogene Geldscheine wieder in Umlauf gesetzt.

Kein Geld mehr für Anti-al-Hadi-Kräfte

Jetzt versucht die Regierung al-Hadi, den Huthi-Rebellen und ihren Verbündeten die finanziellen Mittel der Zentralbank zu entziehen. Er verlegte den Hauptsitz der Zentralbank von Sanaa nach Aden. Dort, in der südlichen Hafenstadt, hat die Regierung ihren offiziellen Sitz. Da jedoch die Stadt immer wieder angegriffen wird, halten sich viele der Minister, auch al-Hadi selbst, meist in der saudischen Hauptstad Riad auf.

Al-Hadi ernannte nun einen neuen Bankdirektor. Monasser Saleh al-Quwaiti versprach, die Zentralbank werde weiterhin alle Staatsangestellten in allen Landesteilen entlohnen – ausser jenen, die nach 2014 eingestellt worden waren. Damit wird allen Beamten der Geldhahn zugedreht, die ihre Ämter unter der Huthi-Herrschaft antraten. Zudem werden nur noch jene Soldaten besoldet, die aufseiten des Präsidenten al-Hadi stehen. Jene Armee-Einheiten, die Ex-Präsident Ali Saleh Abdullah dienen, erhalten nur dann einen Lohn, wenn sie sich den Truppen al-Hadis anschliessen.

Ausländische Kritik

Der neue Direktor erklärte, die Bank habe zurzeit kein Geld, doch sie sei bemüht, neue Mittel zu beschaffen. Dies deutet darauf hin, dass er versuchen wird, sich Gelder in Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu beschaffen. Andere Geldquellen gibt es wohl nicht.

Jemenitische Finanzfachleute und ausländische Beobachter kritisieren den Schachzug der Hadi-Regierung. Sie geben zwar zu, dass so den Rebellen Einkünfte entzogen werden, die teilweise für ihre bewaffneten Kräfte verwendet wurden.

Noch mehr Elend

Doch den Huthis ist es seit Jahren gelungen, sich zu finanzieren und „informelle Geldquellen“ auszuschöpfen. Dazu gehören Einkünfte aus dem von ihnen kontrollierten Schwarzmarkt für Gas und Öl. Zudem erhalten die Huthis direkte finanzielle Unterstützung von zaidistischen Glaubensgenossen.

Die Mächtigen und Wohlhabenden im Land sind vor allem Huthis, die im Norden leben. Sie horten grosse Mengen Papiergeld, das dem jemenitischen Bankensystem entzogen wurde. Laut Einschätzung der jemenitischen Wirtschaftsfrau Amal Nasser werden jene Teile der jemenitischen Bevölkerung, die nicht zu den Privilegierten gehören, demnächst gezwungen werden, ihren materiellen Besitz (Land, Häuser, Geschäfte) zu verkaufen, um sich ernähren zu können. Die jetzt schon Wohlhabenden werden billig an diesen Besitz herankommen und sich weiter bereichern. Leidtragende wird die grosse Masse der einfachen Bevölkerung sein, die über keine Verbindungen zu den Machthabern dieser oder jener Seite verfügt.

Damit wird das Elend unter der jemenitischen Bevölkerung zusätzlich wachsen. Als Folge davon könnten die islamistischen Kampftruppen weiter Zuwachs erhalten. Profitieren davon können der „Islamische Staat“ und al-Kaida. Diese beiden Organisationen kämpfen sowohl gegen die Huthis als auch gegen die Truppen der Exilregierung al-Hadi.

"Ein Ende des Krieges ist nicht abzusehen." Und die 'Weltgemeinschaft' schaut weg. Die Rüstungsgeschäfte florieren.

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