Was bleibt vom Gewinn?

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Was bleibt vom Gewinn?

Von René Zeyer, 07.02.2013

Ist die Universalbank Credit Suisse auf Kurs? Macht Gewinn, schmeisst Mitarbeiter raus, steigert die Eigenkapitalquote. Alles gut. Oder nicht?

Genauer betrachtet ist eine Bankbilanz wie Quantenphysik. Zahlen sind da und nicht da, wechseln ihren Wert je nach Betrachtungswinkel. Nehmen wir nur eine einzige, nicht ganz unwichtige Kernziffer: das Eigenkapital.

Wie ein Gummiband

Also wie viel Reserven sind vorhanden, um allfällige Verluste beim Bilanzrad von 924 Milliarden Franken abzupuffern? In Relation dazu beträgt die Kernkapitalquote 15,6 Prozent. Nach Basel 2,5. Oder 9,4 Prozent, nach «Look-through Swiss Core Capital Ratio». Oder unter Anwendung der ungewichteten Leverage-Ratio bloss 4,5 Prozent. Denn das eigentlich ausgewiesene Eigenkapital von 42 Milliarden kann man mit dem Zauberwort «Risikogewichtung» wie ein Gummiband dehnen.

Und die Rendite?

Knapp 1,5 Milliarden Franken Gewinn hört sich doch schön an. Wenn man das um sogenannte «Sondereinflüsse» erleichtert, kommt man, wie CS-CEO Brady Dougan stolz vermeldet, auf eine Eigenkapitalrendite 2012 von hübschen 10 Prozent, eine Steigerung zum Vorjahr von satten 4 Prozent. Nimmt man den Berechnungsmodus US-GAAP, landet man für 2012 allerdings bei mageren 4 Prozent, 2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Fassen wir also zusammen: Irgendwie hat die Credit Suisse 2012 irgendeinen Gewinn gemacht, berechnet auf irgendeinem Eigenkapital. Toll.

Und der Bonus?

Während es bei der UBS vor zwei Tagen ein hörbares Aufschnaufen wegen den Bonusauszahlungen gab, wird diese Zahl bei der CS bislang höflich vernachlässigt. Dabei handelt es sich doch um immerhin 2,3 Milliarden Franken, auch kein Pappenstiel. Ein Grossteil davon wird, wie es Brauch ist, im Investmentbanking verbraten. Mit 1,9 Milliarden wird ein Jahresertrag von 2 Milliarden vergoldet, wobei wir hier wohlgemerkt von einem Vorsteuergewinn sprechen. Ein Banker nennt das sicherlich business as usual.

Und die Risiken?

Genaues weiss man also nicht, was die Ertragskraft der zweiten Schweizer Grossbank betrifft. Genaueres weiss man allerdings, was die in der Vergangenheit vergrabenen Zeitbomben namens Bussen und Schadenersatzforderungen betrifft. Wie im modernen Banking üblich, gibt es da Forderungen, Drohungen und Prozesse ohne Zahl. Greifen wir, um den Überblick nicht zu verlieren, nur drei Problemgebiete heraus. Sie heissen Libor-Skandal, Steuerstreit mit den USA und Anlegerbetrug bei «National Security».

Wundertüte USA

Die UBS wurde bereits wegen ihrer Verwicklung in die Manipulation des Bankenleitzinses Libor mit einer Busse von 1,4 Milliarden Franken abgewatscht. Die britische Staatsbank RBS muss 615 Millionen Dollar zahlen. Bei der CS ist die Summe noch offen, sie dürfte aber wohl in dieser Bandbreite liegen. Beim Steuerstreit sprechen wir wohl ebenfalls von einer Busse in dreistelliger Millionenhöhe.

Und im April geht in den USA ein Prozess weiter, in dem die CS mit möglichen Schadenersatzforderungen in der Höhe von 2 Milliarden Dollar konfrontiert ist. Sie soll bei der Emission von Papieren des pleitegegangenen US-Finanzdienstleisters «National Security» Kenntnisse über betrügerische Machenschaften verschwiegen haben. Sagen die Kläger.

Weitere Aufräumarbeiten

Weltweit versuchen Justizbehörden, Schaden und Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit der geplatzten US-Immobilienblase, bekannt als Verkauf von CDO-Schrottpapieren, aufzuarbeiten. Da mahlen die Mühlen langsam, aber fein. Und im US-Rechtssystem, in dem Geschworene durchaus auch über Milliardenbeträge entscheiden können, sind unangenehme Überraschungen jederzeit möglich. Vor allem, wenn es sich um eine ausländische Bank handelt. Vor allem, wenn es sich um eine Schweizer Grossbank handelt.

Hier schlummern also weitere Zahlungsrisiken, deren potenzielle Höhe gar nicht zu ermessen ist, die aber im Milliardenbereich anzusiedeln sind.

Alles Trompetengold?

Die CS, genau wie UBS, trompetet also die üblichen Erfolgsmeldungen heraus. «Wichtige, tiefgreifende Veränderungen umgesetzt», sagt Brady Dougan, «Risiken und Kosten reduziert», und überhaupt: «We feel comfortable.» Besonders natürlich er selbst, da dieses Jahr keine Bonuspläne auslaufen und er sich zur Abwechslung mal nicht wegen dem Einkassieren eines Superextrasonderbonus von über 70 Millionen Franken prügeln lassen muss.

Aber eigentlich sind bei genauerer Betrachtung alle Erfolgsmeldungen der CS doch eher aus Trompetengold. Dass das eigentlich niemand gemerkt hat, dafür verdiente Dougan einen hübschen Extrabonus. Kriegt er aber nicht. So ungerecht ist das Leben selbst für Banker.

Wie sind die massgeblichen Herren Banker bloss dahin gekommen wo sie jetzt sind? Wir haben sie machen lassen was wie wollten und sie wollten anscheinend dahin wo sie jetzt sind, nicht wahr? Einst verachtete Geldverleiher, nun die Geiselnehmer der Gesellschaft! Herren über Europa, Amerika etcetera!

Das sind Karrieren meine Damen und Herren!

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