Köppel muss gehen

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Köppel muss gehen

Von Journal21, 08.01.2012

Wie schnell hat sich der Fall Hildebrand in einen Skandal der «Weltwoche» verwandelt. Es ist Zeit fürs Grossreinemachen.

Unbeirrt hält Besitzer, Verleger und Chefredaktor Köppel daran fest: Hildebrand sei ein «Gauner». Zur Persönlichkeitsverletzung kommt nun auch – nach Hildebrands Klarstellung der Abläufe – praktisch die Verleumdung hinzu, weil widerlegte Vorwürfe aufrechterhalten werden. Aber es geht hier nicht nur um juristische Aspekte. Es geht darum, ob in der Schweiz Sitten wie im englischen Boulevardjournalismus Einzug halten können oder nicht. Das Skandalblatt «News of the World» wurde am 10. Juli 2011 eingestellt. Es ist Zeit, dass die «Weltwoche» diesem Beispiel folgt.

Schall und Rauch

Die «Weltwoche» beschuldigte in ihrer Ausgabe vom 5. Januar den Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, er betreibe «Insider-Geschäfte», gegen ihn «wurde Strafanzeige erstattet», er sei ein «Sicherheitsrisiko», er «muss gehen», «belügt die Öffentlichkeit», sei «ein Währungsspekulant», habe «per Anruf» am 15. August für 400 000 Franken Dollar gekauft, schlimmer noch: «Der vielgerühmte und auffällig geschniegelte Herr Hildebrand selbst entpuppt sich als Gauner, der sich illegal Vorteile erschleicht.» Für keinen einzigen dieser massiven Anwürfe konnte die «Weltwoche» bis heute den geringsten Beleg erbringen. Ihre Breitseite vom 5. Januar beruht auf der Ausgangsbehauptung, Philipp Hildebrand selbst habe den Devisenkauf getätigt, und daraus leitet sie eine nicht enden wollende Reihe von juristischen, politischen und sonstigen Folgen und Forderungen ab. Nicht nur, aber vor allem die Prämisse muss die «Weltwoche» beweisen. Das konnte sie nicht und das kann sie auch nicht.

Kriminelle Informanten

Schlimmer noch: Als bislang einziges Dokument druckte die «Weltwoche» ein unscharfes Faksimile eines gestohlenen Bankauszugs des Privatkontos von Philipp Hildebrand ab, das, da illegal behändigt, nur von zweifelhafter Beweiskraft ist. Bei allen übrigen Behauptungen stützt sich die «Weltwoche» auf angebliche anonyme Informanten. Chefredaktor Roger Köppel reagiert nicht auf die ihm persönlich zugestellten sechs Fragen, die hier im Journal21 veröffentlicht wurden. Stattdessen sagt er im «Tages-Anzeiger»: «Ich krebse nicht zurück. Wir haben keinen Grund, von unserer Darstellung abzuweichen.» Das ist angesichts der Faktenlage und der überzeugenden Darstellung von Philipp Hildebrand nicht mehr verstockt, sondern verantwortungslos, schäbig, unbegreiflich.

Das Lügengebäude bricht zusammen

Selbst der Autor der Titelgeschichte der «Weltwoche» räumt inzwischen ein, dass er selbst mit keinem einzigen der angeblichen Informanten gesprochen hat, sondern nur mit einem «Mittelsmann». Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass es sich dabei um den Thurgauer Anwalt und SVP-Kantonsrat Hermann Lei handelt, der mir bestätigte, dass er in Kontakt mit einem angeblichen IT-Techniker der Bank Sarasin stand, der offenbar einige Kontounterlagen von Hildebrand gestohlen hat und sich Anfang dieses Jahres selbst anzeigte. Allerdings handelt es sich bei diesem D. T. (*) laut Handelsregisterauszug um ein Kadermitglied mit Kollektivunterschrift der Bank Sarasin. Also keineswegs um einen subalternen, kleinen Angestellten. Alle anderen von der «Weltwoche» angeführten «Informanten», «Kundenberater», «kleinen Angestellten», «Gewährsmänner» und die angebliche Hauptquelle «Deep Throat II» entspringen offenbar der blühenden Fantasie des Revolverblatts, genauso wie angebliche «mündliche und schriftliche Bestätigungen eines direkt involvierten Mitarbeiters der Bank».

Die Konsequenzen

Von hier aus gibt es nur zwei Wege in die Zukunft des Journalismus in der Schweiz. Entweder darf ein unbescholtener Amtsträger in exponierter Position folgenlos mit Jauche übergossen werden, und falls sich die Anschuldigungen als völlig haltlos erweisen, kann es der dafür verantwortliche Roger Köppel mit dem Satz bewenden lassen: «Ich habe nie ein Problem damit gehabt, einen Fehler zu korrigieren und dazu zu stehen.» Oder aber, ein dermassen gravierender Missbrauch der Macht eines Massenmediums, das sich zum willenlosen Organ der Exponenten einer politischen Partei gemacht hat, beschert ihm das gleiche Schicksal wie dem Boulevardblatt «News of the World». Die Parallele liegt auf der Hand. Dem englischen Boulevardblatt brach illegales Handeln das Genick. Angesichts der Verhältnisse bei uns sollte dem Schweizer Boulevardblatt das Verwenden von illegal erhaltenen privaten Kontoinformationen und ihre Ausschmückung mit falschen Vorwürfen das Genick brechen. Das, nachdem schon alle internen Untersuchungen im Vorfeld deren Haltlosigkeit bewiesen hatten. Bereits vor Weihnachten war, angestossen von Blochers Interventionen, der Sachverhalt abgeklärt. Die «Weltwoche» hat, nachdem der Fall auf der politischen Ebene gescheitert war, den persönlichen öffentlichen Angriff zum Jahresbeginn lanciert.

Alternativlos

Die Alternative wäre schrecklich. Denn sie würde beinhalten, dass jeder Staatsbürger, Amtsträger oder Politiker in der Schweiz damit rechnen müsste, unversehens mit kriminell erworbenen Informationen aus seinem Privatbereich, ehrenrührigen und völlig haltlosen Beschuldigungen und Verleumdungen attackiert zu werden. Und während der dadurch verursachte Image- und Reputationsschaden irreparabel bleibt, könnte sich der Angreifer mit einem «da haben wir wohl einen Fehler gemacht» aus der Affäre schleichen. Das kann niemand wollen. Umgekehrt wollen wir auch keine ungarischen Verhältnisse. Aber die Vorstellung hat doch etwas Verlockendes, dass man, weil der Besitzer, Verleger und Chefredaktor Köppel nicht die Grösse eines Rupert Murdoch hat, ihm seine «Weltwoche» einstellt. Das ist kein Eingriff in die Pressefreiheit, sondern ihre Verteidigung.

(*) Name der Redaktion bekannt.

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Kommentare

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Es wäre interessant, wie der Journalist die Affäre unterdessen beurteilt:
1) die vermutlich in der Schweiz nicht illegalen Transaktionen wurden scheinbar über US-eMail Server abgewickelt, der mutmasslich von US Behörden ausgewertet wurde - es wäre interessant zu wissen, wie die Amerikaner mit einem FED Chef umgegangen wären der gleich gehandelt hätte wie Familie Hildebrand.
2) Frau Hildebrand ist offenbar nicht mehr mit ihrem Mann
3) Die mutmasslich neue Frau an seiner Seite hat offenbar während ihrem "Aufstieg" auch mal einen Schweizer für etwas über ein Jahr geehelicht, um ihrem Heimatland zu entkommen, bevor sie dann ein lukrativeren Partner fand ...

unglaublich, dieser "Hass-Journalismus" hier. Eigentlich dachte ich, Berichte im journal21 seien deswegen lesenswerter, da sie mit mehr Sorgfalt und Hintergrundwissen geschrieben werden, als zum Beispiel bei "20 Minuten". Was ich hier jedoch lesen musste, erweckt in mir ein Würgen und Ko...., denn hier wird der Bock zum Gärtner gemacht. "Köpft den Überbringer"... hiess es im finsteren Mittelalter. Seien wir doch froh, dass es Journalisten wie den hier mehrfach erwähnten Roger K. gibt, die sich noch trauen, gegen das Establishment zu schreiben und nicht den allseits üblichen "Duckmäuser-Journalismus", den wir heutzutage nur allzu oft antreffen.
In diesem Sinne: Weiter so, Roger K.

Ja, und jetzt, ein Jahr nachher, hat der Befehl: Köppel muss gehen, gewirkt. Er ist gegangen, so jedenfalls wollen wir es wahrhaben. Falls er sich immer noch irgendwie äussert, dann wohl nur deswegen, weil er sich auf die bundesverfassungsgemässe Pressfreiheit beruft. Ergo: Bundesverfassung anpassen!

In Anbetracht der Tatsachen die nach der Publikation dieses Artikels ans Tageslicht kamen, wäre eine Entschuldigung von Herrn Zeyer angebracht. Herr Köppel ist kein Rupert Murdoch, er hat einfach Tatsachen rapportiert.

Indirekt spekulierende Natonalbankpräsidenten mit US Amerikanischen Bindungen braucht unser Land nicht.

Herr Schmidhauser: Kritischer Journalismus ist ja schön und gut, aber es geht doch hier darum, dass gelogen wurde und journalistische Grundsätze des kritischen Journalismus missachtet wurden. Es sollte schon möglich sein, dass man das abstellt. Das ist bloss Verleumdung und gehört bestraft. Interessant finde ich auch, dass sie mit "Weltwoche resp. SVP" ja zugeben, dass die Weltwoche das verkündet, was die SVP will. Ist es nicht ein Widerspruch zum kritischen Journalismus, wenn eine Zeitung bloss noch als Sprachrohr einer politischen Partei wahrgenommen wird? Und wie kritisch kann eine Zeitung denn sein, wenn ihr Überleben abhängig ist von den Finanzen eines Parteibonzen? Der Titel "Die Familie Hildebrand spekuliert fröhlich im Devisenhandel" ist einfach eine Unwahrheit. Lügen kann jeder und hat nichts mit Journalismus zu tun.

Mich interessiert vor allem die Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit. Ob von links oder von rechts "genodert" (Ich mag als Basler dieses zürichdeutsche Wort.) wird, ist mir dabei einerlei; Die Hauptsache, es wird genodert und nicht zensuriert. Uebrigens mag ich nicht nur Politiker der „extremen Mitte“ sondern auch „linke und rechte Abweichler“ wie Christoph Blocher und Jean Ziegler. Und ich mag Whistleblowers und „Enthüllungsjournalismus“, weil sich sonst unsere „Nomenklatura“, dazu zähle ich nicht nur Hildebrand und Blocher sondern auch die Masse der farblosen Entscheidungsträger und Absahner, alles erlauben könnte. P.S: Mich ärgert hingegen die feige Postfinanz, die das Konto von Julian Assange bzw. von Wikileaks sperrte (Oder war es der damalige „linke“ amerikahörige Bundesrat?). Whistleblowers hätte es bereits vor dem 1. Weltkrieg geben sollen. Er wäre dadurch vielleicht verhindert worden. Die rechtzeitige Veröffentlichung der Tatsache, dass der Sozialist, Pazifist und Gewerkschafter Benito Mussolini (der spätere Ehrendoktor der Universität Lausanne) auf der Gehaltsliste des britischen Geheimdienstes stand und von ihm gekonnt umgepolt wurde, wäre für die Bande der Warmongers sehr peinlich gewesen. Das gleiche gilt für die vom selben Geheimdienst beauftragte Ermordung des „ausschweifenden Mönches“ Rasputin, der einen sehr „üblen Einfluss“ auf die Zarenfamilie ausübte. Dieser – für Grossbritannien – negative Einfluss bestand darin, dass er die Zarin und den Zaren vor einem Kriegseintritt warnte, weil ein Krieg grosses Unheil über Russland und die Zarenfamilie bringen würde. Heute braucht es weiterhin dringend Whistleblowers, damit sich die USA und in ihrem Gefolge die NATO und Israel sowie der Iran nicht alles erlauben können, denn ein 3. Weltkrieg würde noch grösseres Unheil über die Welt bringen.

Wie kann man als Journalist verlangen, dass eine Pressemedium "einstellt". Hier ist es nur noch der Hass auf die Weltwoche, resp. auf die SVP, welcher die Feder führt. Wenn man so denkt, gerät man schnell auf die Linie der totalitären Staaten, welche nur Blätter zulassen, welche ihnen dienen. Schaffen wir logischerweise also ein Bundesblatt, in welchem Herr Zeyer alles verkündet, was regierungstreu ist.

Hätte die Weltwoche nur faktisch richtig getitelt: "Die Familie Hildebrand spekuliert fröhlich im Devisenhandel", dann sässe der prächtige Herr Hildebrand schon nicht mehr auf dem Thron.

Gottseidank, endlich die richtige Perspektive.

Es ist erbärmlich, wie von der Weltwoche und ihrem Lager Emotionen gegen Herrn Hildebrand geschürt werden: Was heisst "auffällig geschniegelt", was tut das zur Sache, ob Herrn Hildbrands Anzug sitzt oder nicht? Frau Hildebrands Kunst-Galerie ist - so lese ich in der Baz und anderswo - ein "Art-Banking"-Geschäft. Ich lese in Foren auch oft von "Devisenspekulation". Dabei ist die Familie Hildebrand bloss flüssig und legt einen Teil ihres Geldes in Fremdwährungen an. Das empfehlen Anlagaberatern ihren reichen Kunden und das ist eigentlich legitim, aber ja, nicht beim SNB-Chef. Als er bemerkt hat, dass seine Frau das gemacht hat, reagiert er offenbar tipptopp: er stellt sicher, dass dies nicht mehr passiert und meldet es sogar. Wenn Herr Hildebrand Insider-Wissen hätte ausnützen wollte, dann hätte er das bestimmt nicht über sein Konto gemacht. Man wirft Herrn Hildebrand auch vor, dass er einen (zu) grossen Lohn beziehe (knapp 1 Mio CHF). Herr Hildebrand ist kompetent (ist gar nicht so wichtig) und gut vernetzt (sehr wichtig) - er würde in einer privaten Bank möglicherweise das zehnfache verdienen. Wir können froh sein, dass wir in der Schweiz einen kompetenten und integeren SNB-Chef haben, der diesen offenbar undankbaren Job macht. Bitte, Herr Hildebrand, bleiben Sie! Was ist die "hidden agenda" von Köppel, Somm und Blocher? So kleinkariert, wie sie sich nun darstellen, können sie gar nicht sein, ohne eine Absicht dahinter. Ist es die Absicht von diesen Kreisen, die SNB zu schwächen?

Nette Polemik. Insbesondere der Gedanke mit den überhitzten Gehirnen ist mir auch schon gekommen. Ich bin überzeugt davon, dass weder Köppel noch sein Stellvertreter Gut mental erwachsen sind. Bei Gut hat mir der Auftritt in der Arena die Augen geöffnet, bei Köppel der letzte Irak-Krieg. Damals ist Köppel mit dem Flugi nach Kuweit um für die WW Kriegsberichter zu spielen - vom sicheren Hinterland aus. Dabei hat er verbal hyperventiliert wie ein 10-Jähriger, der sich auf eine Abenteuerübung im Wölflilager freut. Köppel, Gut und manchmal auch Engeler - die Jungs denken, das News-Business sei wie Räuber-und-Bulle-Spielen im Walde. Meines Erachtens brauchen sie dringend ein paar harte juristische Sanktionen vor den Latz geknallt, auf dass sich ihr Mütchen kühle.

Der Pfeifenbläser mit Kollektivunterschrift zu zweien heisst nicht D. (Name der Redaktion bekannt), sondern Reto. Zusammen mit dem Namen seines Arbeitgebers und seinem Wohnort ist seine Identität mit einer kleinen Internet-Recherche für jedermann rekonstruierbar und das ist auch gut so. Ich seh' nicht ein, warum kriminelle SVP-Dreckwerfer aus dem Schutz der Anonymität heraus ihre Jauche verspritzen dürfen sollen.

Trotzdem wäre es angebracht, wenn Herrn Hildebrand nicht nur ein Mail seiner Gattin, sondern auch das Telefonprotokoll seines Handys vom fraglichen Sommertag mindestens der WAK vorlegen würde.

Zur Weltwoche: Ich glaube, die beschädigt gerade ihre Glaubwürdigkeit in irreperablem Mass. Den Rest sollen die Gerichte entscheiden.

Immer wieder das Wort Whistleblower. Echte Whistleblower sind Menschen die uneigennütz Straftaten aufdecken und veröffentlichen, sich für andere einsetzen die Opfer schwerkrimineller Straftaten wurden aber keine Möglichkeit haben sich dagegen zu wehren. Richtige Whistleblower brauchen sich keine Unterlagen/Dokumente zu erschleichen oder gar zu stehlen. Echte, zivilkouragierte Whistleblower, nehmen auch hunderttausende Franken Kosten und Arbeitsplatzverlust in Kauf um Straftatenopfer vor anhaltenden Verleumdungen, Drohungen und Beschimpfungen übelster Art zu schützen.

Herr Köppel entpuppt sich immer mehr als Knecht von einem gewissen Hr. Blocher, der sich mit seinem vielen Geld in der Schweiz alles erlauben kann. Wie lange will sich die Bevölkerung dieser Rufschädigung eines einzelnen noch aussetzen. Blocher gehört als NR sofort abgesetzt, er veranstaltet mit der Schweiz ein gefährliches Spiel nur zu seinem eigenen Vorteil.

Dieser Artikel würde bezüglich Stil, den Aussagen und den Faktenlagen sehr gut in die Weltwoche passen!

Von einem Blatt wie der "Weltwoche", dass unappetitlichen Gestalten wie H. M. Broder regelmässig Raum bietet, ihr Gift zu verspritzen, habe ich auch nichts anderes erwartet. Nun erweist sich also selbst der Chef (wieder einmal?) als journalistischer Schmierfink, der selbst die geringsten Regeln journalistischer Arbeit und sogar menschlichen Zusammenlebens nicht nur nicht kennt, sondern bewusst mit Füssen tritt. Was soll man dazu noch sagen, was nicht in Ihrem Artikel schon gesagt worden wäre? Man sollte dieses Blatt nur noch mit Zangen und Handschuhen anfassen – und auch nur, um es als abschreckendes Beispiel zu präsentieren. Aufs Lesen sollte man aus geistiger Hygiene verzichten. Und eben dort (und nicht in der Anzahl der Betroffenen) trifft sich die Weltwoche mit News of the World oder der deutschen BILD auf demselben Niveau.

Wenn....? Wenn alle Insidergewinne von Aktionisten den Bergbauern zugute kämen.... wären diese für lange Zeit gerettet! Wer von denen keine Schweissperlen auf der Stirn hat, werfe den ersten Stein!

Absurd ist es, zu verlangen, Köppel soll gehen. Was ist Herr Köppel, ein Politiker, ein Regierungschef, der einen schwerwiegenden Fehler begangen hat? Es ist wohltuend, dass in der Schweiz wenigstens ein Medium nicht dem linksorientierten Mainstream zugerechnet werden kann. Dass die betroffene Institution nun durch die Publikation der Vorgänge ihre internen Regeln verschärft und der Exponent selbst seinen Spekulationsgewinn der Wohltätigkeit spendet, lässt tief blicken. Herr Zeyer hat wohl vergessen, dass einer der Aufgaben der freien Presse in der Kontrolle der politischen Instanzen und deren Exponenten besteht. Mir ist lieber, es passieren Fehler bei einer Recherche im Journalismus, denn Fehler in der Politik gibt es genug. Aber vielleicht liefert der ganze Wirbel noch lachende Dritte.

Jetzt übertreiben Sie aber massiv! News of the world hat hunderte Personen ohne Verdachtshintergrund abgehört. Die Weltwoche hat, ohne Eigeninitiative, Informationen zugespielt bekommen und daraus eine Geschichte gemacht, die nicht ganz sauber ist. Deswegen muss sie noch lange nicht zumachen. So ein Quatsch!

Es gibt nicht nur zwei Wege für die Zukunft des Journalismus der Schweiz, es gibt mindestens noch diesen dazu: Sämtliche Medien müssten die Öffentlichkeit über ihre Besitzverhältnisse informieren. Bei Fremdfinanzierungen wären Kreditgeber und Bürgen, Garanten, etc. offenzulegen, damit jedermann sehen kann, wessen Knecht der Eigentümer sein könnte. Stille Beteiligungen an Medienunternehmen wären zu verbieten. Bei Widerhandlungen wären Gefängnisstrafen und Berufsverbote auszusprechen. Die Medien sollen der Transparenz dienen und nicht der Verschleierung, der Intrige und dem ruchlosen Angriff auf unbescholtene Bürger. Die Medienkonsumenten sowie die Politiker und andere prominente Personen würden damit besser geschützt.

eigentlich wird mit dieser ganzen Aktion das Status-Symbol Blocher (und mit ihm seine ganze Partei) nicht wie geplant mystifiziert sondern im Gegenteil definitiv demontiert.

Ungeschick und Unethik Und beides nicht zu knapp

In der Schweiz stützt die Bundespräsidentin Evelyn Widmer-Schlumpf ihren Nationalbanker Philipp Hildebrand. Er ist sehr tüchtig. Seine Abwahl würde den wild für ihre schlechte Finanzierung kämpfenden Grossbanken einen Steilpass zuspielen. Es ist besser, er bleibt. Trotz sehr viel Ungeschick und Unethik.

Es besteht kein Zweifel daran, dass das Schweizer Volk Anspruch hat auf die harten Wahrheiten. Auch dann wenn sie aus der Gosse daherkommt. Die Präsidentin jedoch will "knallhart" vor allem alle illegalen Informanten aus dem Verkehr ziehen, weil es sonst bald von Skandalen nur so wimmeln werde. Sie selber wimmelt derweilen mit ethischer Rabulistik.

In Deutschland stützt die Kanzlerin Angela Merkel ihren Präsidenten Christian Wulff. Tüchtigkeit sagt man ihm nicht nach. Das Deutsche Volk hat Anspruch auf einen integren, klugen Präseidenten. Frau Merkel jedoch will sich und ihrer Partei den neuen Flop ersparen.

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Das Historische Bild

Vor 50 Jahren, am 28. September 1966, starb André Breton. Er gilt als der wichtigste Vertreter des Surrealismus in Frankreich. Im 9. Arrondissement in Paris trägt ein Platz seinen Namen. Ursprünglich wollte André Breton, geboren 1896, Arzt werden. Aber seine Begegnungen mit Paul Valéry, Stéphane Mallarmé und Guillaume Apollinaire führten dazu, dass er sein Medizinstudium abbrach, um freier Schriftsteller zu werden. 1919 gründete er zusammen mit Louis Aragon und Philippe Soupault die Zeitschrift Littérature, die sich zunehmend dem Dadaismus öffnete. 1924 verfasste Breton auch unter dem Einfluss surrealistischer Maler wie Max Ernst und Salvatore Dali das „Manifest des Surrealismus“. Ursprünglich stand diese Bewegung dem Sozialismus nahe, aber 1935 brachen Breton und einige seiner Freunde mit der kommunistischen Partei Frankreichs. Während des 2. Weltkrieges emigrierte Breton mit finanzieller Unterstützung von Peggy Guggenheim zusammen mit seiner 2. Frau, der Malerin Jacqueline Lamba, nach New York. Der Begegnung mit ihr widmete Breton sein vielleicht erfolgreichstes literarisches Werk, L´Amour fou. Nach dem Krieg kehrte Breton nach Paris zurück und blieb dem Surrealismus, der bereits seinen Zenit überschritten hatte, verbunden. André Breton trug im Laufe seines Lebens die bedeutendste Privatsammlung surrealistischer Kunst zusammen. Nach seinem Tod wurden zahlreiche Werke versteigert. Das Centre Pompidou hat einen Teil der Sammlung erworben und stellt sie in einem eigens dafür eingerichteten Raum aus. (Foto: Keystone/STR) Mehr…