Heisser Jazz für kalte Nächte

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Heisser Jazz für kalte Nächte

Von Dagmar Wacker, 30.10.2013

Heute beginnt das 15. Zürcher Festival «Jazznojazz». Bis zum 2. November finden 18 hochkarätige Konzerte statt.

«Jazznojazz» präsentiert so herausragende Musiker wie den US-Saxophonisten David Sanborn (31. Oktober, Gessnerallee Zürich) und den kubanischen Pianisten Chucho Valdes (2. November, gleicher Ort). In den achtziger und frühen neunziger Jahren wurde das kalifornische Lebensgefühl musikalisch vor allem durch diese zwei Musiker verkörpert. Sanborn bliess auf seinem Saxophon streichelzarten Smooth Jazz und erzeugte damit eine Atmosphäre von Freiheit, Harmonie und Lebensfreude, die so ansteckend war, dass Sanborn nicht nur seine eigene Radiosendung hatte, sondern es sogar einen eigenen Radiosender für diesen Musikstil gab. Chucho Valdes steuerte mit seinen  temperamentvollen Afro-Cuba-Rhythmen etwas Pfeffer bei und repräsentierte den wachsenden Einfluss der Latinokultur in Kalifornien.

David Sanborn (Foto: Jazznojazz)
David Sanborn (Foto: Jazznojazz)

David Sanborn wuchs zwar in St. Louis, Missouri, auf und wurde von den Chicago-Blues-Musikern inspiriert, zog aber bereits 1967, mit 22 Jahren, an die Westküste, wo er auch mit Stevie Wonder arbeitete und im Orchester von Gil Evans spielte. 1975 nahm er sein erstes Soloalbum auf, wurde mit «Hideaway» bekannt, und spielte im Anschluss mit den Grössten seines Fachs: Miles Davis, Al Jarreau, Eric Clapton, David Bowie und den Rolling Stones. Er bewegte sich musikalisch im Pop, im R&B, im Blues und Jazz.

Mehrere seiner Soloalben gewannen Grammys,  einmal für «Best Contemporary Jazz Album» und einen für «Best Jazz Fusion Performances». Sein 1986 mit dem Pianisten Bob James aufgenommenes «Double Vision» wurde zu einem Meilenstein des Smooth Jazz. Jetzt hat er, zum ersten Mal nach fast dreissig Jahren, mit Bob James zusammen eine neue CD produziert und tritt am Zürcher Jazz Festival damit auf. Ihr neues Album ist eine Reverenz an Dave Brubeck, im besonderen an dessen Zusammenspiel mit dem Altsaxophonisten Paul Desmond.

Sanborn: «Ich bin froh, dass dies nun endlich möglich wurde. Bob ist der Grösste. Doch auch James Genus (Drums) und Steve Gadd (Bass) brachten ihr spezielles Talent ein. Ich brenne darauf das Resultat nun auch live zu spielen.»

Chucho Valdes, eigentlich Dionisio de Jesus Valdes Rodrigez, 1941 in Havanna, Kuba, geboren, entstammt einer Musikerfamilie. Sein Vater war Pianist, seine Mutter ebenfalls, und auch sein Sohn Chuchito hat sich diesem Instrument verschrieben. Chucho war ein  musikalisches Wunderkind, das bereits mit drei Jahren Klavier spielte und mit 16 seine eigene Band hatte. Ausgehend von der traditionellen kubanischen Musik arbeitet er seitdem auch als Komponist an deren Verbindung mit andern Musikgenres wie Modern Jazz und Latin Jazz.

Cucho Valdes (Foto: Jazznojazz)
Cucho Valdes (Foto: Jazznojazz)

Ab 1963 spielte er mit Grössen wie Arturo Sandoval und Paquito D’Rivera, mit denen er das «Questa Cubana de Musica Moderna» gründete und später die legendäre Gruppe «Irakere», die auch am Montreux Jazz Festival auftrat. Valdes ist selbst Gründer des Havanna Jazz festivals und unterrichtet an Musikschulen in Kuba wie den USA. Valdes phrasenreicher und phantasievoller Stil, sein musikalisches Temperament, und seine unbestreitbare Virtuosität, haben ihm zahlreiche Fans und Auszeichnungen eingebracht, darunter fünf Grammy Awards.

Eine kleine Korrektur: Steve Gadd spielt nicht Bass, sondern Drums. Ich würde dem Saxophonspiel von Sanborn noch ein weiteres Attribut geben: Die Melancholie. Er ist ohne Zweifel einer der besten seines Genres.

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