Gott und das Parlament

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Gott und das Parlament

Von Kommentar 21, 12.09.2012

"Das Parlament ist nicht Gott", sagte ein katholischer Würdenträger am französischen Radio, um die neue Kampagne seiner Kirche gegen gleichgeschlechtliche Ehe und Adoption zu rechtfertigen. Ein entsprechendes Gesetz der neuen Regierung Hollande ist in der Vernehmlassung. Man kann dafür oder dagegen sein. Aber warum das Parlament in Frage stellen? Es hat weltliche Aufgaben:  mit Gesetzen die Gesellschaft organisieren, den Staat definieren und den Bürgern Rechte garantieren. Es - nicht Gott - ist zuständig für die Frage der homosexuellen Gleichberechtigung. -  Wer das Parlament diskreditiert, schadet der Demokratie. Frankreich ist seit 1905 ein laizistischer Staat. Gott ist Privatsache. Aber der Staat schützt umgekehrt die Religionsfreiheit. Es war ein langer Kampf von der Aufklärung, der Revolution und den Menschenrechten bis zur modernen westlichen Demokratie. - Diese historischen Voraussetzungen sind in den islamischen Länder nicht gegeben. Die "arabische Revolution" kämpfte zwar für die Demokratie. Aber die arabischen Tyrannen und die Vorstellung vom "Gottesstaat" sind noch zu mächtig. Doch hier ist es umgekehrt. "Gott ist das Parlament", sagen sich Islamisten oder Salafisten, welche die "arabische Revolution" und die Parlamente in Ägypten, Tunesien und anderen Ländern usurpiert haben oder usurpieren wollen. Über das Parlament versuchen sie die Verhinderung der Demokratie mit ihren Menschenrechten durch die Scharia. - Dort wie hier aus Machtgelüsten ein Missbrauch Gottes, ein Missbrauch der Demokratie. (Ulrich Meister, Paris)

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Kommentare

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Früher machte die Religion alle Menschen "gleich". Heute ist sie daran, Menschen "besser" zu machen. Sie hat die Lebenssicht der alten Feudalisten übernommen!

Das gleiche geschieht mit der Homo-Ehe. Sie will alle "gleich" machen, erreicht aber nur die "Besser"-Stellung eines Teils von Schwulen und Lesben. Mehr nicht. Die Ungläubigen haben das Nachsehen...

Man lese übrigens das interessante Buch von Maxime Rodinson: Islam und Kapitalismus, 1986, stw.

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