Die Zeitmaschine

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Die Zeitmaschine

Von Stephan Wehowsky, 16.07.2013

Peter Herzog in Basel besitzt die grösste private historische Fotosammlung der Welt. Sein Problem: Die Basler wollen sie nicht. Das "Schweizerische Nationalmuseum/Landesmuseum Zürich" dagegen hat schon 1994 einen Teil davon gekauft.

Die Sammlung beginnt mit den ersten Fotografien um 1838 und durchmisst die Fotogeschichte bis 1950 - stets nach dem Kriterium der Qualität. Aus aller Welt kommen täglich Anfragen, die sich auf eines der etwa 300.000 Werke beziehen. Trotz immer wieder neuer Anläufe aber ist es bis jetzt nicht gelungen, in Basel diese Sammlung öffentlich zugänglich zu machen und entsprechend unterzubringen.

Ein Glücksfall wiederum ist es, dass das "Schweizerische Nationalmuseum" [Landesmuseum Zürich] unter fachkundiger Leitung der Kuratorin Ricabeth Steiger 1994 etwa 100.000 Bilder aus dieser Sammlung erwerben konnte. Das Auswahlkriterium war: Bilder aus der Schweiz. Das ist eine doppelte Erzählung: Die Entwicklung der Fotografie in der Schweiz, ihre unterschiedlichen Techniken, Verfahren und Stile, und natürlich die Schweiz selbst.

Luftsprung, Münsterplatz Basel, Foto von  Kurt A. Haegler, 1924, aus Fotoalbum von Kurt A. Haegler, Gelatinesilber Abzug, Copyright Sammlung Herzog, Schweiz. Nationalmuseum, Inventarnummer: LM 102080.148
Luftsprung, Münsterplatz Basel, Foto von Kurt A. Haegler, 1924, aus Fotoalbum von Kurt A. Haegler, Gelatinesilber Abzug, Copyright Sammlung Herzog, Schweiz. Nationalmuseum, Inventarnummer: LM 102080.148

Es hat schon seine Gründe, dass die historische Fotografie beim Publikum immer beliebter wird. Denn sie erlaubt Einblicke, wie sie sonst nur die naturalistische Malerei bietet. In diesem Reichtum liegt aber auch ein grosses Problem: Wie gelingt es, alle Bilder und Motive so zu inventarisieren, dass die jeweilige Suche auch zum Erfolg führt? Ricabeth Steiger verfügt über langjährige Erfahrung und arbeitet eng mit Kollegen zusammen. So gehen Katalogisierung und Restaurierung in ziemlich emsiger Kleinarbeit voran.

Oskar Teiwes: Flugzeug (Monoplan Blériot XI-2bis) in Wolkenhimmel, Fotograf: Oskar Teiwes, um 1912,, Brömöldruck, Copyright Sammlung Herzog, Schweiz. Nationalmuseum, Inventarnummer LM-112460.46
Oskar Teiwes: Flugzeug (Monoplan Blériot XI-2bis) in Wolkenhimmel, Fotograf: Oskar Teiwes, um 1912,, Brömöldruck, Copyright Sammlung Herzog, Schweiz. Nationalmuseum, Inventarnummer LM-112460.46

Kurz nach Erwerb des Schweizer Teils aus der Sammlung Herzog gab es eine erste Ausstellung mit einem gleichnamigen Katalog: „Im Licht der Dunkelkammer. Die Schweiz in Photographien des 19. Jahrhunderts" aus der Sammlung Herzog. Dazu kommen die im Jahr 2009 eingerichteten Dauerausstellungen im Landesmuseum Zürich: „Galerie Sammlungen“ und „Geschichte Schweiz“.

Bei der Archivierung und Restaurierung besteht das Ausgangsmaterial auch aus privaten Fotoalben. Es sind quasi Familiengeschichten, die nun in die musealen Sammlungen überführt werden. Das macht eben auch den Reiz der Fotografie aus: dass sie zu einem Medium für jedermann geworden ist.

Im Internet gibt es Einblicke in: „Sammlung Historische Fotografie“

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Es wäre nicht das erste Mal, dass das politische Basel sich nicht dazu durchringen kann, eine bedeutende Sammlung zu übernehmen. Man denke z.B. an die Sammlung 'von Hirsch'.

Ich habe schon früher öffentlich gemacht, dass die Sammlung Herzog dem entspricht, was das Kabinett Amerbach darstellte, in Qualität und in Quantität. Basel hatte 1661 den Mut, die Sammlung des Juristen Basilius Amerbach zu kaufen und damit den Grundstock für die Basler Museums-Sammlungen legte. Diesen Mut bringt heute die rot-grün dominierte Regierung Basels nicht mehr auf - Ein Schande. Übrigens die zweite Parallele zum Kabinett Amerbach ist der Beruf, der den Juristen Peter Herzog mit dem Professor für Justiz, Basilius Amerbach, verbindet.

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