Die Gewerkschaft Unia hat den Abstimmungskampf um die im September vors Volk kommende 1:12-Initiative mit einer Studie lanciert: 2012 bestand bei den 41 grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz zwischen dem tiefsten und dem höchsten Lohn ein Verhältnis von 1:135. Gemäss Unia lag dieser Faktor 2011 noch bei 1:120. Den wachsenden Abstand zeigen auch Zahlen des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB. Hier wurden nicht Tiefst-, sondern Durchschnitts- mit Toplöhnen verglichen. Sie verhielten sich 1984 wie 1:6, 1998 wie 1:14 und 2011 wie 1:93. Selbstverständlich lässt sich über die Methodiken dieser wie aller derartigen Erhebungen trefflich streiten. Nicht zu bestreiten ist hingegen die Tendenz; und die ist exorbitant. Soll also der Staat mit seiner Verfassung bei den Löhnen für nicht-anstössige Relationen sorgen, indem er tief in die Vertragsfreiheit privater Unternehmen eingreift? Die einen werden diese heikle Frage aus ordnungs- und wettbewerbspolitischer Sicht mit Nein, andere aus einem Empfinden für soziale Gerechtigkeit mit Ja beantworten. Der im Herbst fällige Entscheid des Souveräns wird sich aus vielen Pros und Kontras sowie aus widerstreitenden Emotionen herausschälen. Eines aber werden die Gegner der Initiative im Abstimmungskampf (leider) nicht überzeugend vorbringen können: dass die Wirtschaft ohne staatliche Bevormundung aus eigener Einsicht für Remedur sorgen werde. (Urs Meier)
Sprach-Akrobatik [41]
„Im“ Iran? „In“ Iran? „Im“ Irak? „In“ Irak?
„Der Iran will seinen Verhandlungspartnern im Atomstreit neue Vorschläge zur Beilegung des Konflikts unterbreiten“, heisst es heute in vielen Zeitungen.
„Der“ Iran? Bis vor kurzer Zeit war es im deutschsprachigen Raum üblich, den männlichen Artikel vor Iran zu setzen. Grosse Medien allerdings nennen das frühere Persien immer häufiger ohne Artikel, also „Iran will seinen Verhandlungspartnern …“.
Das hat seinen Grund: Iran auf Arabisch hat keinen Artikel. Das Persische verfügt überhaupt über keine Artikel, was die Grammatik viel einfacher macht.
Irans Nachbarland, der Irak, allerdings wird mit dem männlichen Artikel verwendet. Irak heisst auf Arabisch „al-Iraq“. Wie auf Französisch gibt es im Arabischen Länder- und Städtenamen, die einen Artikel haben – und solche ohne. „Le“ Caire. Auch auf Persisch sagt man „al-Iraq“, weil man das arabische Fremdwort gebraucht.
Da viele Medien begonnen haben, Iran richtigerweise ohne Artikel zu schreiben, gibt es auch solche die jetzt Irak ohne Artikel schreiben. Das hingegen ist falsch. „Im Falle eines Angriffs auf Iran wird Irak israelischen oder amerikanischen Kampfjets keine Überflugerlaubnis erteilen“, heisst es heute im deutschen Nachrichtenmagazin Focus.
Der Duden ist in Bezug auf „Iran“ gnädig, er lässt beide Formen zu. Also: „Iran“ oder „der Iran“. Nicht gnädig ist er beim Irak. Da gibt es nur eine Form, nämlich jene mit Artikel. „Der Irak“.
(hh) mit A.H.
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