Zwei Windmacher an der Spitze

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Zwei Windmacher an der Spitze

Von René Zeyer, 31.10.2012

Mit Wortgeklingel, das Orwells «Doublespeak» alt aussehen lässt, verkündete UBS-CEO Sergio Ermotti das Ende des Desasters Investmentbanking. Wer sind die Männer hinter den Sprechblasen?

«UBS beschleunigt ihre Strategieumsetzung aus einer Position der Stärke», lautet der Titel der offiziellen Ankündigung. Gemeint ist: Die Bank macht auch 2012 insgesamt wohl mehr als eine Milliarde Verlust. Schmeisst rund 10 000 Mitarbeiter raus. Macht dadurch alleine im dritten Quartal über 2 Milliarden Miese. Will sich bis 2015 von der Zockerabteilung des Investmentbanking trennen, wobei niemand weiss, welche Leichen da noch im Keller liegen. Das ist der Unterschied zwischen Worthülsen und der Realität. Wer sind aber die Männer hinter den Worten?

Der gescheiterte VR-Präsident

Der Deutsche Axel Weber wurde im Mai 2012 zum neuen VR-Präsidenten der UBS gewählt, als Nachfolger des gescheiterten Kaspar Villiger. Weber war bis 2011 Präsident der weitgehend machtlosen Deutschen Bundesbank. Er scheiterte beim Versuch, der Nachfolger von Trichet als Chef der Europäischen Zentralbank zu werden. Auch die Deutsche Bank, bei der er als Vorsitzender des Aufsichtsrats im Gespräch war, winkte ab. Ohne erkennbares Auswahlverfahren wurde Weber dann mit einem «golden handshake», einem Einstandsgeschenk von 4 Millionen Franken, bei der UBS willkommen geheissen. Dazu verdient er satte 2 Millionen im Jahr. Um als VR-Präsident die strategische Neuausrichtung der Bank zu dirigieren. Kann er das?

Ein Mann, ein Wort

Für strategische Aufgaben braucht es Analysefähigkeiten, die Eigenschaft, zukünftige Entwicklungen antizipieren zu können. In seiner damaligen Funktion als Präsident der Deutschen Bundesbank machte sich Weber im Jahre 2007, angesichts der schon überdeutlich erkennbar heraufziehenden Finanzkrise, mit dieser Aussage unsterblich lächerlich: «Befürchtungen bezüglich einer Bankenkrise in Deutschland entbehren jeder Grundlage.»

Zudem lobte er das «überschaubare und begrenzte» Engagement deutscher Banken im US-Immobilienmarkt. Ein nicht nur deutsches Multimilliardendesaster und eine weltweite Finanzkrise später kann man sagen: war wohl nichts.

Der gescheiterte CEO

Sergio Ermotti machte wichtige Karriereschritte in der US-Investmentbank Merill Lynch, wo er es bis zum «Head of Global Equity Derivatives» brachte, also verantwortlich war für Derivatezockereien in virtuellen Spielcasinos. Anschliessend wechselte er zur Bank Unicredit, wo er es bis zum Vizeboss schaffte. Nachdem sein Versuch scheiterte, den Chefposten zu erklimmen, wechselte er im April 2011 zur UBS. Unicredit vermeldete fürs dritte Quartal 2011 übrigens einen Verlust von knapp 11 Milliarden Euro. Und die UBS musste einen Wettschaden von über 2 Milliarden Franken bekanntgeben, was zum abrupten Abgang von CEO Oswald Grübel führte. So wurde Ermotti, nach nur sechs Monaten bei der Bank, doch noch CEO. Halt nicht bei der Unicredit, sondern bei der UBS.

Der gleiche Mann, der heute zusammen mit seinem Antrittsgeschenk-VR-Präsidenten Sparmassnahmen und schmerzliche Einschnitte verkündet, verdiente alleine in seinen ersten neun Monaten bei der UBS bis Ende 2011 satte 6,5 Millionen Franken. Offensichtlich zwei Führungspersönlichkeiten, die wissen, wie sehr das persönliche Beispiel heutzutage im modernen Banking zählt. Wahrscheinlich beruhigen sich die beiden Vorbilder mit dem Gedanken, dass andere bei der UBS noch viel mehr verdienten. Und Weber erinnert sich sicherlich an die deutsche Abwrackprämie, während er die UBS runterschnitzt. Runterschnitzen lässt, denn diese Aufgabe wurde einem anderen übertragen.

Der Abwracker

Im wilden Karussell, das die oberste Führungsetage der UBS seit Jahren darstellt, wo sich alleine in den letzten fünf Jahren gleich viele CEOs die Klinke zum Chefbüro in die Hand gaben, fegt es auch immer wieder ein Mitglied der Geschäftsleitung aus dem Sattel. Diesmal hat es Karsten Kengeter erwischt. Der Chef des Investmentbanking verdiente noch 2010 über 9 Millionen Franken. Er überlebte sogar das Milliardendesaster von London und den Abgang von Grübel. Aber nicht die Installation neuer Seilschaften durch Ermotti. Abgang aus der GL, neue Aufgabe gefasst: Sterbebegleiter im Investmentbanking.

Abgehalftert, degradiert, erniedrigt. So würde man den Absturz Kengeters in der realen Welt beschreiben. In der Dummsprechwelt des modernen Banking heisst das aber, Kengeter sei zukünftig «zuständig für das Management der nicht weitergeführten Geschäfte und Positionen der Investment Bank». Also zuständig für das Rausschmeissen, Lichterlöschen und das Festklopfen der Erde über nicht entdeckten Leichen. Werden wir da bald lesen dürfen, dass sich Kengeter entschieden habe, sich «ausserhalb der Bank neu zu orientieren»?

Männer, Worte, Vertrauen?

Niemand weiss, ob der UBS so der Turnaround gelingt. Aber die entscheidende Frage ist: Kann man in diese beiden Führungspersönlichkeiten Vertrauen haben? Bieten sie, bei der Vergangenheit, bei diesem vielfachen Scheitern, bei dieser, nun, Einkommensaffinität, wirklich Anlass zur Hoffnung? Zur Hoffnung, dass sie nicht nur gut beim Optimieren der eigenen Karriere und ihrer Gehaltschecks sind? Im Herbst kommen, zum Ärger der Nachbarn, gerne lautstarke Laubbläser zum Einsatz. Bei der UBS übernimmt, zum Ärger der Angestellten, das Duo Ermotti/Weber die Aufgabe des Windmachens.

Solange sich das Geschehen nicht ändert werden sich die Kommentare des Herrn Zeier nicht ändern - eigentlich logisch! Die Geschichte ist destruktiv und wird immer mehr zur humanen Katastrophe, organisiert von charakterfreien, analog friesierten Anzugträgern, die gelernt haben wohlformuliert und inhaltsfrei zu sprechen. Diese Wesen verdienen einfach zu viel um die Wahrheit zu sagen! Ab einer gewissen Anzahl Nullen hinter den Zahlen verliert man sein Gewissen und Ethik, Moral etc. werden zum variablen Nichts. So kompliziert ist es doch nicht? Man soll nicht diejenigen angreifen die benennen was wirklich geschieht, sondern die Verursacher des Desasters!

Das ist schon OK, was Ermotti /Weber beschlossen haben. Endlich mal ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Moral der Gschicht: Es zeigt wieder einmal mehr, dass europäische Firmen mit England und Amerika nicht ins Geschäft kommen sollten. Man kann sich dabei nur die Finger verbrennen. So gesehen lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Richtigstellung! Mein Kommentar gilt nicht für die Artikel des Herrn Zeyer. Bissige Analysen sind richtig und nützlich. Jahrelange einseitig gefärbte Informationen durch offizielle und staatliche Medien dagegen tendenziös. Das bemängle ich. Und....bedenken Sie, es ist nur meine Meinung.

Ja, Herr Zeyer, Ihre Artikel werden (wenn man ein paar gelesen hat) langweilig und in zunehmenden Mass für die von Ihnen abgehandelten Personen verletzend. Man kann Misstände und Kritik an Personen in scharfer Form und dennoch mit treffenden, aber nicht verletzenden Ausdrücken und Redewendungen auf den Punkt bringen. Dann gäbe es auch die Variante mit konstruktiver Kritik und sogar mit konkreten Vorschlägen zur Behebung der sachlichen und personellen Mängel. Hätten Sie Vorschläge?

Na...bitte schön! Ärger der Woche! Einer der sich wohl bis Giacobbo - Müller fortsetzen wird. Schwergewicht für eine idiologisierte und dogmatisierte eher phantasielose Berichterstattung. Seit Jahrzehnten prügeln gewisse Medien wahllos und mit wenig Ursachenkenntnis auf die von ihnen vorgefertigten Feindbilder ein. Weder bei der Finanzkrise noch beim sogenannt arabisch-winterlichen Frühling interessiert das wirkliche Epizentrum. Obwohl vor dem Tod der marxistisch-leninistischen Mutter der kapitalistische Vater das ausgesprochene Kritikfeld war, biedern und lehnen sie sich nun an den früher ungeliebten Vater an. Fast infantil scheinen sie die Fähigkeit verloren zu haben Ursachen und Wirkungen zu analysieren. Dazu käme noch die ständige Nestbeschmutzung die ich so bis jetzt in keinem anderen Land in dieser Form erlebt habe. Jetzt macht die UBS endlich das was seit Jahren von ihr verlangt wird und schon kommt die Kritik aus der selben Ecke. Güpplisozialismus vorspielen oder Spielverderber und Querulantentum aus Langeweile? Spielt man vielleicht einfach den Advocatus Diaboli oder leidet man unter denselben bösen Adern wie der militante Feminismus? ...... dabei wären genügend Kampfgebiete vorhanden. Stoppt endlich dieses ungute selbst beweihräuchernde Gutmenschentum!

Ehrlich - Ehrlos. Ein Dazwischen gibt es nicht. Warum machen noch immer unzählige Menschen mit Ehrlosen Geschäfte? Was ist das für eine Sucht, sich übers Ohr hauen zu lassen?

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