Wir Fatalisten

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Wir Fatalisten

Von Stephan Wehowsky, 18.08.2013

Es gibt, wohin wir auch schauen, nirgends positive Trends.

Staatsverschuldung, Alterspyramide, Jugendarbeitslosigkeit, Klimakatastrophe, weltweit zunehmende politische Instabilität. Von politischen Eliten kann keine Rede mehr sein. Zu sagen, dass sich der Westen im Niedergang befindet, gilt heute nicht mehr als reaktionär, sondern als eine zutreffende Diagnose. Und was tun wir? Wir schauen zu. Anders als in früheren Jahrzehnten ist es heute aber nicht mehr harmlos, wenn aus den aufgeblähten Egos der „Herrschenden“ die Luft entweicht. Doch wir sehen darin immer noch ein unterhaltsames Spiel in den Medien. Anders ist es in Ländern, in denen die blanke Not regiert. Griechenland zum Beispiel. Neuerdings können wir lesen, dass dort mehr und mehr Menschen Initiativen ergreifen, weil der Staat finanziell und moralisch ruiniert ist. Junge und Alte, Handwerker und Akademiker schliessen sich zusammen, spüren ihre Kraft, packen zu und ändern ihre Mentalität: Aus schamlosen Egoisten werden Bürger, die die Verantwortung zunehmend bei sich selber suchen. Man hilft sich gegenseitig, und auf diese Weise entsteht Mehrwert jenseits herkömmlicher Muster. Was ist mit uns? Noch sitzen wir bequem, aber wir können wissen, dass auch bei uns der Niedergang schmerzhaft zu spüren sein wird. Wann fangen wir an, die Haltung der fatalistischen Beobachter aufzugeben und uns sehr ernsthaft die schwierige und äusserst unbequeme Frage zu stellen, worin unsere Verantwortung besteht und was wir ganz konkret, aber auch effizient tun können? (Stephan Wehowsky)

Kommentare

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Falls ganz Europa zum Griechenland wird - und in diesem Fall auch die Schweiz - wird sich plötzlich niemand mehr mit der Zukunft aufhalten. Denn in diesem Fall, den vorzustellen unsereinem bis anhin mangels Erfahrung äusserst schwer fällt, ist einzig noch die Gegenwart interessant. Im finanziellen und materiellen Bereich, an den wir uns so gewöhnt haben, wird nichts mehr sicher sein.
Wie kommt man durch den Tag? Hat man genug zu essen? Bekommt man benötigte Medikamente noch? Wird man im Spital versorgt, auch wenn man nicht bar bezahlen kann? Wieviel Geld "darf" man noch von seinem Konto abheben - oder ist das ganze Vermögen, oder auch nur das kleine Salärkonto blockiert? Erhält man seine Rente noch - oder nur noch die Hälfte davon? Kann man noch irgendwo Essen kaufen, oder sind die Regale leer? Wird man aus der Wohnung geschmissen, weil man die Miete infolge blockiertem Konto nicht mehr bezahlen kann?
Ich fürchte dann haben wir keine Zeit mehr an die Zukunft zu denken.

wir fangen dann an, uns der zukunft zu stellen, wenn wir aufhören nach immer mehr goodies von anderen zu schreien - billigeres wohnen, mehr kinderbetreuung, mehr subventionen, mehr dies, mehr das. das ist aber noch ein langer weg, bis dahin verunglimpfen wir erst mal die starken und erfolgreichen ("abzocker") oder genauer die "anderen". erst wenn da nichts mehr ist, v.a. kein leistungswille mehr, geht der ofen aus.

ob die demokratie das überlebt? ich bin pessimistisch, aber irgendwann ist es egal, vielleicht kann ich dann noch ein wenig klavier spielen, auch gut.

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