Ups, wir werden ruhen

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Ups, wir werden ruhen

Von René Zeyer, 13.10.2012

Kaffee, Gipfeli, Tages-Anzeiger. Vielen UBS-Angestellten dürfte am Samstagmorgen der Appetit aufs Frühstück vergangen sein. Denn der Presse durften sie entnehmen, dass sie entlassen werden.

«Anpassungen bei den Mitarbeiterzahlen», so nannte das der VR-Präsident der UBS, Axel Weber, vor Kurzem bei einem öffentlichen Auftritt. Sein Posten sowie der des neusten und blässlichen CEO Sergio Ermotti sind davon natürlich nicht betroffen, genauso wenig wie die jeweiligen Millionengehälter. Was er nicht sagte: Bei der UBS sind offenbar die entsprechenden Entlassungslisten schon erstellt.

IT-Kahlschlag

Wenn der Bericht im «Tages-Anzeiger» zutrifft, soll vor allem im IT-Bereich abholzt werden. Das macht auch furchtbar Sinn, denn diese Infrastruktur ist keine Profitquelle. Sie sollte zwar sicherstellen, dass nicht ständig das Heiligste einer Bank, nämlich Kundendaten, abhanden kommen. Sie ist zudem die Basis fürs Controlling im superschnellen und brandgefährlichen Investment-Banking. Aber was soll’s, da entstehen nach Bankerlogik ja höchstens Kollateralschäden. Solange der Bonus richtig berechnet wird, sehen moderne Banker da kein Problem.

Sinnvoll sparen

Die Fortsetzung eines falschen Geschäftsmodells, das die UBS bereits an den Rand des Abgrunds führte, wird die UBS von einer grossen unfähigen Bank zu einer kleinen unfähigen Bank schrumpfen lassen. Das falsche Geschäftsmodell heisst Investmentbanking. Zwei Zahlen sollen als Beweis genügen. Die UBS zahlte von 2006 bis Ende 2010 an ihre Investmentbanker 34 Milliarden Dollar, obwohl diese in der gleichen Zeit einen kumulierten Verlust von 44,8 Milliarden Dollar einfuhren. Der Ausflug ins angelsächsische Zockercasino brachte also der Bank, nicht den Bankern, nichts als einen Riesenschaden ein. Jede zurechnungsfähige Firma würde sich von einem solchen Verlustbringer so schnell wie möglich trennen.

Warum dann nicht?

Gegen diesen richtigen Entscheid stehen natürlich die angelsächsischen Banker innerhalb der UBS, die die Schweizer Traditionsbank gekapert und schon mehrfach beinahe gegen die Wand gefahren haben. Schnell und gut quatschen, nichts liefern. Diesem Typus entspricht offenbar auch die britische IT-Chefin der Bank. Während das klassische Schweizer Bankgeschäft durchaus Gewinne abwirft, wird trotz des jüngsten Milliardenverlusts in London eisern am Investmenbanking festgehalten. Warum? Nun, zunächst einmal ist auch UBS-Boss Ermotti Investmentbanker.

Todesfalle USA

Die UBS hat in den USA in den letzten Jahren insgesamt eine runde Milliarde Dollar alleine an Bussen bezahlt. Diverse Multimillionen-Prozesse im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der Finanzkrise 1 sind noch pendent. Wie schon Ermotti-Vorvorvorvorgänger Ospel schmerzlich erfahren musste, sind schweizerische Banken mit ihrer Tradition und Mentalität offensichtlich nicht in der Lage, im Wild-West-Saloon ennet des Teichs mitzuspielen, ohne ständig beim nächsten Shoot-out durchlöchert zu werden. Da diese Löcher aber von der Bank, genauer vom Aktionär, gestopft werden müssen, während der Cowboy mit seinen unverdienten Bonusmillionen in den Sonnenuntergang reitet, gibt es für angelsächsische Mitarbeiter der UBS keinen Grund, nicht den nächsten Whiskey an der Bar zu bestellen.

Falscher Werbespruch

Es ist höchste Zeit für die UBS, ihren aktuellen Werbespruch «wir werden nicht ruhen» um ein Wort zu verkleinern - zu: «Wir werden ruhen.» Denn wie die mögliche Verkleinerung des Mitarbeiterstammes um ein Sechstel dazu beitragen soll, dass Investoren und Anleger Vertrauen in die seit Jahren schlingernde Bank fassen sollen, ist schleierhaft. Und die eigentlichen Besitzer, die zum Teil vor Jahren in eine seriöse und stabile Schweizer Traditionsbank investierten, dürfen sich darauf gefasst machen, dass der Aktienkurs von aktuell 11.90 Franken noch weiter runterrauscht. Dabei stand er vor nicht mal 5 Jahren noch auf stolzen 75 Franken.

Wie weiter?

Die Wiederholung von Fehlern führt gnadenlos zur Wiederholung von Ergebnissen. Entscheidungen über die zukünftige Strategie einer Bank werden vom Verwaltungsrat getroffen. Wenn dieser Kahlschlag alles ist, was dem neuen VR-Präsidenten Weber, ein Einstandsgeschenk von 4 Millionen und ein halbes Jahr Arbeit später einfällt, um die UBS wieder «zur ersten Adresse» im Schweizer Banking zu machen, dann gute Nacht. Dann kann der letzte Mitarbeiter noch einen Screenshot machen, bevor auch er seinen Computer herunterfährt. Allerdings: Wie viele von Entlassung bedrohte IT-Techniker werden schon jetzt auf diese Idee zur finanziellen Sicherung ihrer Zukunft kommen?

Tja, und in der gleichen Zeit wird gemäss Inside-IT behauptet, dass wir in den nächsten 8 Jahren einen IT Fachkräfte-Mangel von 25'000 Personen haben werden (http://www.inside-it.ch/articles/30156). Wenn so viele Leute auf die Strasse gestellt werden, wo soll den der Mangel herkommen...?

"Allerdings: Wie viele von Entlassung bedrohte IT-Techniker werden schon jetzt auf diese Idee zur finanziellen Sicherung ihrer Zukunft kommen?"

Genau! Und das sind dann wieder die ganz ganz Bösen! Die Wirtschaft bastelt sich die Kriminellen die sie braucht immer selber!

Es zeigt wieder einmal mehr, was für unfähige Leute diese Bank regieren. Klar sind IT-Leute nicht günstig, sie leisten aber einen enorm wertvollen Beitrag ans Unternehmen. Wer will schon auf einem System arbeiten, das langsam ist, ständig abstürzt und veraltet ist. Früher oder später wird sich das rächen. Spätestens dann, wenn die Konjunktur wieder anzieht. Dann müssen solche Leute wieder eingestellt werden, allerdings zu einem weit höheren Preisen! Das eine Engländerin eine solche Massnahme beschliesst, ist ja wieder einmal typisch. Sobald es mit der Ertragslage hapert, stellt man sofort massenhaft ‘human capital‘ auf die Strasse. Statt sich mal zu überlegen, wo könnte man sparen, dass es nicht weh tut oder wo könnte man neue Erträge generieren? Wenn schon jemand auf die Strasse stellen, dann alle diese Wichtigtuer im oberen Management, welche viel und gerne quasseln, der Firma aber leider nichts bringen. Und selbstverständlich auch in der Casino-Sparte Investment Banking gäbe es grosses Einsparpotential.

Lieber Patrix,

Ich denke, das war von Herrn Zeyer durchaus ironisch gemeint ... !

Freundlicher Gruss aus der VRChina, Hanspeter Lechner.

Gab es nicht kürzlich vom selben Autor einen Beitrag, in dem er die Banken für die fehlenden Investitionen in die IT-Sicherheit tadelte? In diesem Kontext ist die Aussage "Wenn der Bericht im «Tages-Anzeiger» zutrifft, soll vor allem im IT-Bereich abholzt werden. Das macht auch furchtbar Sinn, denn diese Infrastruktur ist keine Profitquelle" fundamental falsch.

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