Uns geht's ja noch Gold

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Uns geht's ja noch Gold

Von Kommentar 21, 13.01.2013

Der Titel stammt, wie sich vielleicht manche Leser erinnern, von einem Bestseller Walter Kempowskis aus den siebziger Jahren. Er fiel mir mitsamt seinem leicht ironischen Unterton ein, als ich in einer Spezialausgabe des „Economist“ (The World in 2013) auf ein Länder-Ranking zur Frage stiess, in welchem Land es 2013 am vorteilhaftesten wäre, geboren zu sein. Auf Platz eins dieser Rangliste, die auf einer Gewichtung von 11 Faktoren beruht, rangiert die Schweiz. Platz 2 nimmt Australien ein, es folgen Norwegen, Schweden, Dänemark und Singapur. Vor 25 Jahren landete im gleichen Ranking die USA auf Platz 1, die Schweiz auf Platz 13. Natürlich sind solche Listen mit einigen Körnchen Salz zu geniessen. Dennoch gerät man ins Grübeln, wenn man in Schweizer Medien auf viele Kommentare und Leserbriefe stösst, die an der Regierung in Bern kein gutes Haar finden können. So schreibt Roger Köppel in der Weltwoche im Zusammenhang mit dem Kollaps der Bank Wegelin, niemals hätte es die Schweiz – gemeint ist der Bundesrat – zulassen dürfen, dass eine Schweizer Bank „von einer ausländischen Macht erwürgt wird“. Kein Wort darüber, wie genau dies hätte verhindert werden sollen. Ein anderer Kommentator meint, der Bundessrat sei das „schwächste Glied in der Kette der direkten Demokratie“. Doch wenn unsere Regierung so grottenschlecht ist, wie die Besserwisser behaupten – wie konnte es die Schweiz dann im Economist-Ranking von Platz 13 auf Platz 1 bringen? (Reinhard Meier)

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