Thomas Schütte in der Fondadion Beyeler

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Thomas Schütte in der Fondadion Beyeler

Von Dagmar Wacker, 05.10.2013

Kunst kann man nicht machen. Man kann nur die Bedingungen herstellen, damit etwas Spezielles passiert. Sagte Thomas Schütte gestern bei der Pressekonferenz seiner Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen.

Die monumentale Hasenfigur im Teich dokumentiert, wie etwas Spezielles entstehen kann. Der Hase wurde vor Jahren von seiner kleinen Tochter aus Tonresten gestaltet. Sie nannte ihre 20 Zentimeter hohe Figur einen Allzweckheiligen für alle Feste wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Als Allzweckheiliger stand die kleine Plastik auf dem Schreintisch von Schütte - bis er sie aus einer Laune heraus einer Sendung auf ein monumentales Mass vergrösserte und dann in Styropor schnitt.

Dieser Grosshase stand dann jahrelang in seinem Atelier bis ein Bekannter dringend Arbeit suchte. So bearbeiteten sie beide die Hasenskulptur; und was dann daraus entstand,  fügt sich jetzt  so organisch in das Ambiente des beyelerischen Teiches ein, als ob es gerade dafür geschaffen worden sei.

Der Hase
Der Hase

Zusammengeschweisste Feinde 

United Ennemies

Doch nicht alles entsteht so zufällig. Die 4 Meter hohen United Ennemies, die den Zuschauer am Beginn der Ausstellung erwarten, sind ein politisches Statement. Die Feinde sind so zusammengeschweisst, dass sie zwangsweise zu einem für beide lebbaren Kompromiss kommen müssen. Die Figuren erinnern an Rodins Bürger von Calais im Kunstmuseum Basel.

Auch mit der  Flüchtlingsfrage setzte sich Schütte bildnerisch mit der Figurengruppe Die Fremden schon 1992 auseinander. Anstoss dazu waren Flüchtlinge aus dem Nordirak. Die Skulpturen entstanden in einer aufgeheizten Atmosphäre; zur Zeit der Anschläge auf Asylbewerberheime in Deutschland.

Installationsansicht von Die Fremden, 1992, Glasierte Keramik, Lebensgrosse Figuren, Foto: Nic Tenwiggenhorn, © 2013, ProLitteris, Zürich
Installationsansicht von Die Fremden, 1992, Glasierte Keramik, Lebensgrosse Figuren, Foto: Nic Tenwiggenhorn, © 2013, ProLitteris, Zürich

Dabei arbeitet Schütte  in Gross und Klein und mit verschiedenen Materialien. Für seine Aussenfiguren - der Haltbarkeit wegen - vorzugsweise mit Bronze. Sonst gestaltet er aber auch in Stahl, formt Miniaturfiguren in Knetmasse, Frauenfiguren in Keramik, arbeitet in Holz, Glas und Wachs, und  zeichnet zarte Aquarelle. Seine Innocenti, Karikaturen-Portraits mit starker Ausdruckskraft, die die Unmittelbarkeit des flüchtigen Moments einfangen wollen, werden als schwarz-weiss Fotografien gezeigt.

Innocenti, 1994, Fotografie, 75 x 50 cm, Foto: Thomas Schütte © 2013, ProLitteris, Zürich
Innocenti, 1994, Fotografie, 75 x 50 cm, Foto: Thomas Schütte © 2013, ProLitteris, Zürich

„Nicht so bekannt, wie er sein sollte“

Der innovative Zeichner und Bildhauer Thomas Schütte studierte von 1973 bis 1981 an der Kunstakademie Düsseldorf, damals die lebendigste Bildungsanstaltj für Kunst in Deutschland mit einer grossen Präsenz der amerikanischen Avantgarde.

 

Einer seiner Lehrer dort war der heute bereits legendäre Gerhard Richter. Inzwischen hat Schütte den Goldenen Löwen an der Biennale 2005 in Venedig gewonnen und Ausstellungen an der Reina Sofia in Madrid (2010) und im Haus der Kunst in München(2009)  organisiert. Doch ist er nach Meinung von Kuratorin Theodora Vischer lange nicht so bekannt wie er es sein sollte. Vielleicht liegt dies auch daran, dass er in den letzten zehn Jahren seine gesamte Produktion behalten hat.  Nun werden ihm gleich vier verschiedene Ausstellungen gewidmet, die er fast alle aus eigenen Beständen bestückt.  Vielleicht ist dies der Moment, in dem der Künstler Thomas Schütte ganz ins Scheinwerferlicht tritt.

Selbstporträt
Selbstporträt

Thomas Schütte, Figur - Vom 6. Oktober 2013 bis zum 2. Februar 2014 in der Fondation Beyeler in Riehen

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