«Tanzen Sie mit!»

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«Tanzen Sie mit!»

Von René Zeyer, 02.05.2013

Der Journal21-Autor René Zeyer kündigte an der UBS-GV an, dass die Bank nochmals eingeklagt wird. Weil sie sich weigert, Rückvergütungen an ihre Kunden weiterzugeben. Wir bringen die Rede im Wortlaut.

Da vorne auf dem Podium sitzen die UBS-Bosse, die für uns Aktionäre goldene Eier legen sollten. Die essen sie aber lieber selber auf. Axel Weber kassierte ein goldenes Willkommens-Ei von 5 Millionen Franken. Bravo. Herr Orcel kassierte ein Willkommens-Ei von 25 Millionen Franken. Bravissimo. Im Jahre 2012 machte die UBS 2,5 Milliarden Franken Verlust. Dafür legte sie ein goldenes Bonus-Ei von 2,5 Milliarden. Also machte sie eigentlich 5 Milliarden Verlust. Bravo, bravissimo!

Wie geht das? Ganz einfach: Man behält, was eigentlich den Aktionären und den Kunden der UBS zustehen würde. Nämlich Provisionen, Retrozessionen, Kick-backs oder «Bestandespflegekommissionen», wie das die UBS selbst nennt.

Ignorierte Ansprüche der Kunden

Was ist damit gemeint? Wenn die UBS mit dem Geld ihrer Kunden Anlagen tätigt, Aktien kauft oder Fonds oder was auch immer, dann bekommt sie dafür vom Hersteller ein Entgelt, eine Provision. Die müsste die UBS an ihre Kunden weitergeben. Tut sie aber nicht. Obwohl das oberste Schweizer Gericht, das Bundesgericht, die UBS Ende letzten Jahres dazu verurteilt hat.

Nicht zum ersten Mal. Bereits 2006 hielt das Bundesgericht unmissverständlich fest, dass solche Provisionen dem Kunden auszuweisen und auf Verlangen auszuzahlen sind. Aber wie reagiert da eine arrogante Grossbank wie die UBS? Sie sagt: Pfeif drauf. Wer das ihm zustehende Geld zurück will, bekommt mitgeteilt: Das Bundesgerichtsurteil trifft auf Sie nicht zu. Wenn Ihnen das nicht passt: Bitte, Sie können uns gerne nochmal einklagen.

Die kommende Klage

Um wie viel Geld geht es da? Um sehr viel Geld. Zitieren wir die UBS selbst. Die UBS sagte nämlich in einer unteren Instanz warnend: Sollte sie diesen Prozess verlieren ­– sie hat ihn verloren –, dann rechne sie, ich zitiere, «mit potenziellen Forderungen in der Höhe von mehreren Milliarden Franken.» Da hat die UBS für einmal Recht. So ist es.

Ein Anleger, der über 5 oder 10 Jahre sein Vermögen bei der UBS verwalten liess, kann 50'000 oder mehr Franken zurückfordern. Warum tut er das nicht? Weil er als kleiner Anleger Schiss vor der grossen UBS hat. Weil er Angst hat, dass er für einen Prozess viel Geld ausgeben müsste. Das können wir ändern. Ich beabsichtige, die UBS nochmals auf Herausgabe dieser Provisionen zu verklagen. Die ihren Kunden gehören. Die ihren Kunden rechtens zustehen. Ich werde da nicht locker lassen. Dafür bin ich bekannt.

Wer sich mir anschliessen möchte, denn gemeinsam sind wir stärker als die UBS, kann sich im Internet unter ubs-opfer.ch informieren und mitmachen.

Der Bär tanzt! Tanzen Sie mit!

Die UBS hat gerade verkündet, dass sie im ersten Quartal 2013 mehr als eine Milliarde Gewinn gemacht hat. Bevor ihre Bosse auch dieses goldene Ei selbst verspeisen, nehmen wir es ihnen weg. Und verteilen es an die Kunden der UBS, denen es eigentlich gehört.

Wir Aktionäre, wir Besitzer der UBS, kriegen sowieso nichts davon ab. Oder gibt es jemanden in diesem Saal, der über den Aktienkurs der UBS oder über die Dividende für sein investiertes Geld glücklich und fröhlich ist? Ich sehe keinen.

Da die UBS, eben typisch arrogant, keinerlei ausgewiesene Rückstellungen für die gesetzlich zwingende Rückzahlung dieser Kommissionen in ihrem Jahresbericht gemacht hat, beantrage ich seine Ablehnung. Aber er wird natürlich, wie auch der Vergütungsbericht, angenommen werden. Wir sind hier ja leider nicht bei der Bank Bär. Aber bei den Kommissionen können wir der UBS zeigen, wo der Bär tanzt! Tanzen Sie mit!

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