Sprach-Akrobatik [4]:

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Sprach-Akrobatik [4]:

Von Journal21, 09.07.2011

Eine Sprachverrenkung, keine Akrobatik, sind die weiblichen Wortendungen, die nur angefügt werden, um eine Verbeugung vor feministischen Ansprüchen zu machen.

Der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate spricht in seinem bis heute lesenswerten Bestseller „Manieren“ (2003) von „Gesslerhüten“, die all und überall zu grüssen seien.

„In Jahrtausenden ist die Regel erwachsen, Pluralbildungen im Maskulinum, wenn es der Sinn verlangte, immer auch auf Frauen zu beziehen“, schreibt der vielsprachige Prinz. Und bezüglich des in Mode gekommenen grossen I in zum Beispiel dem dadurch neu entstandenen Begriff „ElektromechanikerInnen“, bemerkt er trocken, dass „kein Mensch weiss, wie man ihn aussprechen soll“.

Um die weiblichen Wortendungen zu umgehen, werden oft neue Worte erfunden, zum Beispiel „Studierende“ statt „Studenten“. Dazu schreibt Asfa, dass „Studenten“ doch „bereits ein Partizip ist, und zwar nach den Gesetzen des Latein gebildet, wenn auch leider nicht ausdrücklich die Studentinnen erwähnend, sie aber gleichwohl enthaltend.“

Es schmerze die „FeministInnen“, dass in der Mehrzahl der europäischen Sprachen viele Bezeichnungen in ihrer Grundform männlich seien und „eine weibliche Form nur als Ableitung von der männlichen besitzen.“ Man könne ihren Schmerz respektieren wie „den Schmerz eines Bauern, der nach dem Hagelschlag, der die Ernte vernichtet hat, die Hände ringt und die Fäuste gen Himmel schüttelt – denn die Sprache ist wie der Hagelschlag eine Naturgewalt, die ihren eigenen Gesetzen gehorcht.“

Die Sprache ist übrigens weiblich.

S. W.

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Kommentare

Selbstverständlich, was vom Bundesrat, pardon, der 7-köpfigen Bundesrätin gefordert wird, gilt auch für die landesweite Sprache - die französische? deutsche? italienische? welche? Verankern wir also eine Quote weiblicher Wortanwendungen in der Verfassung - in jener der Deutschen? der ÖsterreicherInnen? der SchaffhauserInnen?

Und was ist mit all den Genferinnen und Genfern, Tessinerinnen und Tessinern, Waadtländerinnen und Waadtländern? Was soll schon sein - die gehen zur Arbeit, bezahlen ihre Steuern und leisten so ihren solidarischen Beitrag zur solidarischen Schweiz.

Nicht so die BerlinerInnen, WienerInnen, HamburgerInnen und SalzburgerInnen. Die sind unlängst im Tirol bzw. im Südtirol am Geld ausgeben - auf den Pisten, Wanderwegen und in den Wellness Oasen - waren die Prospekte und Broschüren von Anbietern aus der Schweiz schlicht zu kompliziert, missverständlich und leserfeindlich.

Frau Blättler hat es zwar geahnt: "Das sei kompliziert? Ja klar, aber erstens ist das konkrete Leben halt oftmals kompliziert, differenziert." Aber Frau Blättler hat es kaum kapiert: "Und zweitens wäre das eine Frage der Gewohnheiten. Die entstehen ja bekanntlich nach und nach. Man muss nur einfach mit dem Neuen irgendwann beginnen."

Ja, die Wortneubildungen mit einem "Innen" wie z.B. LehrerInnen" finde ich auch abscheulich, niemand kann so reden. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass unsere gewachsene Sprache vorwiegend mit männlichen Formen arbeitet. Das ist doch der Ausdruck dafür, dass eben unsere Gesellschaft bis vor kurzen Jahren patriarchalisch war, und es auch heute in gewissen Aspekten noch ist.

Aber heute wird die Gleichstellung der Geschlechter diskutiert und in der Realität ist sie an einigen Orten auch in der Praxis vollzogen. Das heisst doch auch, dass sich die Sprache dieser Entwicklung mit der Zeit auch anzupassen hat.

Für mich ist klar, dass ich halt "Lehrerrinnen und Lehrer, Studenten und Studentinnen", schreibe, und im übrigen auch so rede. Das sei kompliziert? Ja klar, aber erstens ist das konkrete Leben halt oftmals kompliziert, differenziert. Und zweitens wäre das eine Frage der Gewohnheiten. Die entstehen ja bekanntlich nach und nach. Man muss nur einfach mit dem Neuen irgendwann beginnen.

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