Sprach-Akrobatik [1]:

Journal21's picture

Sprach-Akrobatik [1]:

Von Journal21, 23.06.2011

Kreatives aus dem Zürcher Wald. Schreiende Unke.

Schild im Adlisberg oberhalb von Zürich
Schild im Adlisberg oberhalb von Zürich

Was haben Unken, diese hässlichen, warzigen Kröten mit der Sprache zu tun? Der deutsche Schriftsteller Jean Paul, der eigentlich Johann Paul Friedrich Richter hiess, schreibt am 22. Dezember 1817 in seinem „Zwölften Brief“ aus Bayreuth: „So frag ich mich, gibt es denn nirgends ein Mittel, die ungs, diese Sprach-Unken, die auf jedem Blatte nisten und schreien, und deren in der grosstönenden Römersprache nur zwei oder drei sitzen und desto mehr auffallen – deunx, quiocunx und septunx – aus unserer Sprache herauszutreiben?

Goethe übrigens hatte dem grassierenden Ungeist tapfer widerstanden. Nur selten rutschte ein -ung in seine Texte. Am 25. Januar 1787 schreibt er: "Man kann das Gegenwärtige nicht ohne das Vergangene erkennen, und die Vergleichung von beiden fordert mehr Zeit und Ruhe".

Der deutsche Journalist und Schriftsteller Burkhard Schröder bloggt: „Ung, ung, ung, ung, tönet das Echo im Sprachwalde in der Hoffnung auf Erlösung vom Nominalstil. Dieses gespreizte Bläh- und Furzdeutsch wollen wir jetzt übersetzen, liebe Kinder.“

P.S.: Neubekiesung? Wieso nicht gleich dies? Die Neubeschminkung einer Frau, die Grillierung einer Wurst, die Neubefarbung eines Hauses, die Neubewaschung eines Hundes.

Tötet das Ungeheuer. Kämpft für die Guillotinierung der Ungitisierung.

(hh)

Kommentare

Die Redaktion von Journal21.ch prüft alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ehrverletzende, rassistische oder anderweitig gegen geltendes Recht verstossende Äusserungen zu verbreiten, ist uns verboten. Da wir presserechtlich auch für Weblinks verantwortlich sind, löschen wir diese im Zweifelsfall. Unpubliziert bleiben ausserdem sämtliche Kommentare, die sich nicht konkret auf den Inhalt des entsprechenden Artikels oder eines bereits aufgeschalteten Leserkommentars beziehen. Im Interesse einer für die Leserschaft attraktiven, sachlichen und zivilisierten Diskussion lassen wir aggressive oder repetitive Statements nicht zu. Über Entscheide der Redaktion führen wir keine Korrespondenz.

Wunderbar - danke für diese Entweihräucherung - die Lesung kam einer Krönung vor der Schlafengehung gleich! Falls ich nicht doch noch (vor der Einschlafung) meinen Karl Kraus vom Büchergestell hole und genüsslich entsprechende Sprach-Philippika raussuche. So oder so - ein Vergnügen!

SRF Archiv

Newsletter kostenlos abonnieren