Mit Vollgas in die nächste Katastrophe?

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Mit Vollgas in die nächste Katastrophe?

Von René Zeyer, 28.04.2011

Journal21-Autor René Zeyer hat an der Generalversammlung der UBS der Führung dieser Grossbank die Leviten gelesen. Wir bringen das Statement von René Zeyer im Wortlaut.

Hochverehrte Aktionärinnen und Aktionäre, Grüezi, Herr Villiger, Tach, Herr Grübel, hello, Ladies and Gentlemen on the podium who don’t even understand German

Ich freue mich, dass wir diese GV in der Schweiz abhalten dürfen. Und nicht etwa auf den Bahamas oder in Panama City. Denn Herr Grübel droht ja unverhohlen mit einem Wegzug der UBS, weil ihm die geplanten Schweizer Eigenkapitalvorschriften nicht passen. Das sagt ausgerechnet der Boss der Bank, die es nur dank den Schweizer Steuerzahlern überhaupt noch gibt. Ich frage Sie, Herr Verwaltungsratspräsident Villiger, wieso darf Ihr Untergebener Grübel solche strategischen Aussagen machen, obwohl das doch in Ihre Kompetenz fallen müsste? Und wieso hört man von Ihnen nichts? Sie sind der oberste Mann bei der UBS, nicht Herr Grübel. Herr Villiger: Haben wir es bei der UBS allenfalls wieder mit einem Fall Swissair zu tun? Wo eine weltweit führende Gesellschaft durch unfähige Manager ruiniert, dann vom Staat unter Ihrer Leitung mit Milliarden saniert wurde, um schliesslich für ein paar lumpige Millionen an die Lufthansa verscherbelt zu werden? Ich würde von Ihnen erwarten, dem obersten Herrn im Hause, dass Sie den Aktionären erklären, ob hier ein zweiter Fall Swissair in der Pipeline steckt. Oder handelt es sich nur um dummes Geschwätz und eine ebensolche Geschäftspraktik, mit der man den Aktionär, Bürger, Steuerzahler ein weiteres Mal an der Nase herumführen will?

Und wo soll die Schweizer Traditionsbank UBS denn hingehen, wenn sie weggeht? Als UB, als Unbekannte Bank, nach Singapur, nach Kasachstan, in die USA? Nach Amerika, wo die UBS im Wealth Management auch letztes Jahr einen Verlust von 130 Millionen Dollar machte? Wo die UBS mit Multimillionenklagen überzogen wird, von Madoff- und Lehman-Opfern und von Kontenbesitzern, deren Daten Sie ausgeliefert haben? In die USA, wo Ihr grossartiges Investment-Banking von 2006 bis Ende 2010 insgesamt einen Verlust von fast 45 Milliarden Dollar einfuhr? Davor verblassen doch die knapp 2,2 Milliarden Dollar Zwischengewinn des letzten Jahres.

Diese gigantischen Verluste, die die Bank an den Rand des Ruins trieben, hinderten Sie nicht daran, Ihren US-Bankern in diesen 5 Jahren 34 Milliarden Dollar zu bezahlen. Immerhin der Beweis: Investmentbanking ist die einzige Tätigkeit, bei der aus Verlust Gewinn geschlagen werden kann. Mit einem weit von den selbstgesteckten Zielen entfernten Gewinn wollen Sie nun für das Jahr 2010 einen unverfrorenen Bonus von 4,3 Milliarden Franken ausschütten. Logisch, dass für den Aktionär ein weiteres Mal keine Dividende abfällt. Obwohl der zwischen 2006 und Ende 2010 zuschauen musste, wie seine Aktie 80 Prozent des Wertes verlor.

Zocken im roten Bereich, Ablehnen jeglicher Regulierung, Ignorieren des Aktionärs als Risikonehmer, Milliardenboni für bescheidene Leistungen. Nichts gelernt, nichts begriffen, mit Vollgas in die nächste Katastrophe. Sie werden nicht ruhen, bis Sie die UBS ein weiteres Mal gegen die Wand gefahren haben.

Herr Villiger, Herr Grübel, man ist nie zu alt, um noch dazuzulernen. Was hindert Sie daran, das Steuer herumzureissen? Geldgier kann es doch nicht mehr sein. Ist es Ignoranz oder Arroganz? Wie auch immer, ruhen Sie sich endlich aus, bevor in der UBS Grabesruhe herrscht.

Ich beantrage die Ablehnung des Jahresberichts, des Vergütungsberichts und insbesondere die Ablehnung der Entlastung der Mitglieder des Verwaltungsrats und der Konzernleitung.

Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Kommentare

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Chapeau, Herr Zeyer; es ist wie Lichtenberg sagte: Die meisten Menschen leben mehr nach der Mode als nach der Vernunft. Daran zu erinnern ist ein Muss in diesen Tagen.

Als deutscher Staatsbürger wünsche ich mir, dass deutsche Journalisten von Ihnen etwas lernen und ebenfalls so auftreten. Man wird ja noch träumen dürfen.

Hochachtungsvoll Stefan Schütz

Dem ist nichts beizufügen. Alles gesagt. Bravo! (Weltweit millionen Existenzen zerstört! Dieses Schurkenpack - zusammen mit den hörigen Politikern - gehört wirklich an die Wand...)

Gratuliere Herr Zeyer. Das ist der richtige Ton, mit dem man mit Bankstern redet. Die Showtime der Herren Verwaltungsräte auch bei der UBS ist vorbei. Herr Villiger sollte - weil er nichts aber auch gar nichts zur Besserung des Bankenplatzes Schweiz beiträgt - so- fort als Verwaltungsratspräsident der UBS zurücktreten. Dann müss- te er sich, wie etwa an einem privaten UBS-Event in Sursee gesche- hen, nicht mehr von 3 Boddyguards bewachen lassen... Die Schweiz braucht dringend ein neues Finanzsystem, dass ihr Ehre machen und die EU und mit ihr die ganze Welt vor der unmittelbar bevorstehenden, finalen Finanzkatastrophe retten kann !

Ein Mann sieht rot! (Aber diesmal nicht Charles Bronson) Ein gemeinsames wieder herstellen der Ehre und des Vertrauens scheint sich langsam Schritt für Schritt anzubahnen. Es reicht nicht, sich in gut schweizerischen Flagellantismus und Selbstbezichtigung zu verheddern ohne die waren Schuldigen und den psychologischen Hintergrund ernsthaft zu beleuchten. Unsere Medien wollten und konnten, eventuell aus politischen Gründen, die ganzen Wahrheiten nicht "Publik" machen. Geziehlt wurde die halbe westliche Welt finanziell beinahe in den Abgrund gerissen, weil ein Vertrauensvorschuss aufs äusserste missbraucht wurde. AAA Ratings und eine bestimmte Lebensart verführten und verführt heute noch zu Risiken, die nicht abzuschätzen sind. Greenspan hat es aber im Jahr 2000 schon kommen sehen. Er wurde von der damaligen Regierung zurückgepfiffen! Die als Verschwörungstheorie verspotette " New World Order" könnte hier wirklich von Bedeutung sein. Nicht alles was nach Zufall aussieht ist es auch! Auch bei der Swissair nicht! Wir müssen gut nachdenken bevor wir den nächsten Beinstellern auf den Leim kriechen. Den Grossbanken rate ich desshalb Abteilungen einzurichten, die nebst den Finanz und Wirtschaftsinfos sogenannter Analysten auch eine für politische Analysen beinhaltet. Die Pfiffe und das ausbuhen wie es Marcel Ospel in der Kronenhalle passierte, könnt ihr euch für den zukünftigen Besuch eures neuen Messias aufsparen. Peinlich wars oder nicht? Erinnert irgendwie an den Mob. Trotzdem gefallen mir Leute wie Herr Zeyer, die Klartext sprechen und den Mut haben die Konfrontation zu suchen. Nur in der offenen Auseinandersetzung klären sich die wahren Hintergründe. Herr Grübel scheint mir auf gutem Weg zu sein und es ist zu hoffen dass er weltoffenen und professionellen Beratern mehr vertraut, als einigen Debütanten in der Politik. Es gibt Dinge die sind geschehen und sie waren "Miserable" aber jetzt geht es darum in die Zukunft zu schauen für unsere Schweiz.Alles andere ist ungewollter Landesverrat!

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