Mit dem Bischof im Clinch

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Mit dem Bischof im Clinch

Von Kommentar 21, 05.06.2013

Dass die katholische Kirche demokratische Grundrechte missachtet, ist nicht neu. Namhafte Juristen und Theologen weisen seit Jahren darauf hin. Nun aber hat der Zürcher Regierungsrat Martin Graf das Thema aufgegriffen und der Kirche vorgeworfen, dass sie an verfassungsrechtlich geschützten Grundrechten vorbeipredige. Das hätte er nicht tun sollen, findet der Churer Bischof und verlangt sowohl von der Zürcher Regierung wie von Graf selbst eine Entschuldigung. Begründung: Graf habe mit seiner Äusserung gegen die Religionsfreiheit verstossen und der katholischen Kirche ihr Existenzrecht abgesprochen. Dieser Forderung sollte Graf wie auch die Regierung meines Erachtens nicht nachkommen. Martin Graf mag sich im Ton vergriffen haben, in der Sache jedoch hat er vollkommen recht. Mit dem Berufsverbot für missliebige Theologen verstösst die Kirche gegen das Recht auf freie Meinungsäusserung. Mit dem Verdikt gegen die Frauenordination missachtet sie das Prinzip der Gleichbehandlung der Geschlechter. Das ist undemokratisch und widerspricht den Grundsätzen, die einer öffentlich-rechtlichen Anerkennung zugrunde liegen. Das weiss auch Chur und pocht deshalb immer dann auf Religionsfreiheit, wenn es im Grunde darum geht, sich der demokratischen Kontrolle der staatskirchenrechtlichen Instanzen zu entziehen. (Klara Obermüller)

Kommentare

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Das Prinzip der Demokratie unterstützt die Idee, dass die Bürger eines Landes oder ihrer gewählten Vertreter, werden sich selbst zu regieren. Rechte, die Menschen in einer demokratischen Nation gewährt begleiten das Prinzip der Demokratie, und negative Folgen ergeben sich aus der Verletzung dieser Rechte.
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Zu meinem vorhergehenden Kommentar hier noch der Link auf die sda-Meldung: http://www.bluewin.ch/de/index.php/17,832677/Papst_Franziskus_beklagt_Schwulen-Lobby_im_Vatikan/de/news/ausland/sda/

Und der Link auf den Artikel in der flämischen Zeitung 'Het nieuwsblad': http://www.nieuwsblad.be/article/detail.aspx?articleid=DMF20130611_00618766

Peter Röthlin-Timmermans

An M. Imfeld, als Denkanstoss von wegen polemischen Kommentaren von Klara Obermüller und Ignoranz von Zürcher Katholiken: Auch das ist ein Teil der ganzen römisch-katholischen Welt, Papst-Rede vom 6. Juni 2013:

<< Papst Franziskus hat die Existenz einer "Schwulen-Lobby" im Vatikan eingeräumt. "In der Kurie gibt es fürwahr heilige Leute. Aber es gibt auch eine korrupte Strömung. Man spricht von einer 'Schwulen-Lobby' und es stimmt, sie existiert", sagte Franziskus.

Die katholische chilenische Internetseite "Reflexion y Liberacion" veröffentlichte am gestrigen Dienstag eine Mitschrift der Aussagen des argentinischen Pontifex. Er hatte sie demnach bei einem Treffen mit Vertretern des Verbandes von Ordensleuten Lateinamerikas und der Karibik (CLAR) gemacht.

Die Authentizität des Protokolls wurde vom Ordensleute-Verband bestätigt. Auch der Vatikan dementierte die dem Papst zugeschriebenen Aussagen nicht.

In der mit 6. Juni datierten Ansprache zog Franziskus sowohl gegen den erzkonservativen als auch gegen den liberalen Kirchenflügel vom Leder. >>

Zugegeben: Ich zitiere hier nicht das Original, sondern eine Agenturmeldung (mit etwas salopper Wortwahl), welche jedoch übereinstimmend u.a. auch in Belgien verbreitet wurde. Über www.kath.net dürfte eine Nachprüfung mühelos möglich sein.

Nach dem II. Vatikanischen Konzil (Statement von Papst Franziskus: Die Glaubenspraktiken aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1959-63 seien überlebt, betonte der Papst) wäre die Debatte über die Stellung der katholischen Laien (und deren "staatskirchliche" Institutionen, Kirchgemeinde, Kantonalkirche) spätestens seit 1963 eigentlich hinreichend klar. Aber diese Botschaft ist in Chur offensichtlich noch nicht angekommen.

Peter Röthlin, 8123 Ebmatingen Ehemaliger Pfarreiratspräsident (aus Obwalden zugewandert), nach Qualifikation von M. Imfeld mit lückenhaftem Wissen über die römisch-katholische ( ... allein seeligmachende) Kirche ausgestattet. Gottes Wege sind verschlungen - wenn selbst der Papst eine Absage an die Zeit vor dem II. Vatikanischen Konzil erteilt.

Die Kommentare von Peter Röthlin, Maria Blättler und Eugenio Pacelli lassen darauf schliessen, dass diese Personen ein lückenhaftes Wissen über die römisch-katholische Kirche haben. Diese Kirche besteht auf dem Nachfolger Petri, Seiner Heiligkeit, dem Papst, seinen Bischöfen, den diesen unterstehenden Priestern und den gläubigen Katholiken auf der ganzen Welt. Die Antworten zu allen in der Schweiz seit 50 Jahren diskutierten Fragen sind entschieden und können auf der website des Vatikans eingesehen werden. Die in deutschsprachigen europäischen Ländern geschaffenen künstlichen "katholischen Staatskirchen" sind keine Kirchen im römischen-katholischen Selbstverständnis, sondern Institutionen, welche sich in den letzten Jahren leider zusehends von der römisch-katholischen Weltkirche entfernt haben, indem gut besoldete Personen in solchen Staatskirchen den römisch-katholischen Glauben bekämpfen. Das gilt speziell auch für die katholische Staatkirche des Kantons Zürich, welche früher einmal eine romtreue Staatskirche war, aber heute nicht mehr ist. Ich kenne die Verhältnisse, da ich in Winterthur aufgewachsen bin. Die wenigen Staatskirchen in deutschsprachigen Länder sind überflüssig - es braucht sie nicht: Vollständige Trennung von Kirche und Staat wäre angebracht. Dann haben auch Politker, welche keine Ahnung von der römischen-katholischen Kirche haben, keine Kommunikations-Probleme mehr. Die meisten aktiven gläubigen Katholiken stehen zur römisch-katholischen Weltkirche und nicht zu sich profilierenden Angestellten von Staatskirchen.

Treffender könnte die Analyse von Klara Obermüller nicht sein. Leider, für die römisch-katholische Kirche oder was noch von ihr übrig ist.

Ich gebe Klara Obermüller recht. Er sollte sich nicht entschuldigen.

Martin Graf hat eine sachliche Feststellung gemacht, mit der man einverstanden sein kann oder nicht. Auf jeden Fall hat er keine beleidigenden oder polemischen Ausdrücke gebraucht, welche im zivilen Leben meistens der Anlass für eine Klage wegen Rufschädigung sind.

Die katholische Kirche verstösst in verschiedener Hinsicht gegen die Menschenrechte, wie Klara Obermüller ausführt, und sollte deshalb zuerst vor der eigenen Türe wischen. Für die katholische Kirche gilt für mich das Gleiche wie man für die Asylanten reklamiert; die rechtsstaatlichen Normen sind für alle, die hier leben, verbindlich, gleich welcher Religion, welcher Staatszugehörigkeit usw.

Das Rezept von Herrn Marquard Imfeld, doch einfach die Religion zu wechseln, ist ziemlich billig. Die Religion kann man nicht wechseln wie das eigene Hemd. Das ist eine Erfahrung, die ich - als Konfessionslose - in Gesprächen mit vielen konfessionell gebundenen Leuten gemacht habe.

Marquard Imfeld: Dass Sie die öffentlich-rechtliche katholische Körperschaft des Kantons Zürich als nicht römisch-katholisch qualifizieren, passt zu www.kath.net und offenbar auch zu Ihnen. Dazu nur zur Erinnerung: Der damalige Churer Bischof Johannes Vonderach (Vorsitzender der Bischofkonferenz 1967 - 1970 und Gründer der Theologischen Hochschule Chur) hat 1963 die öffentlich-rechtliche Anerkennung (Kirchengesetz, mit demokratischen Auflagen) ausdrücklich begrüsst. Dass das zu Ihnen und Ihrer Sicht nicht passt, wenn Sie im Jahr 2013 den Churer Bischof auf das hierarchische Podest "S.E." heben, kann ich verstehen. Aber mit der Hirtenaufgabe eines Bischofs im 21. Jahrhundert hat das wenig zu tun. Was Frau Dr. Klara Obermüller betrifft (Ehrendoktorat 2010 der Theologischen Fakultät der Universität Zürich; natürlich protestantisch, aber auch ökumenisch orientiert) unterstelle ich, dass Frau Obermüller wahrscheinlich über die katholische Kirche und ihre Verhältnisse als "Protestantin" mehr weiss als die Mehrheit der Schweizer Katholiken. Es sei denn, Sie gehen davon aus, dass die Schweizer Katholiken schon lange von "Rom" abgesprungen sind (und auch von www.kath.net).
Peter Röthlin, 8123 Ebmatingen ZH

Man staunt, dass man sich sogar noch damit brüstet, dass die Schweizer Katholiken von "Rom" abgesprungen seien. Wie ist das möglich? Vielleicht dadurch, dass man ihnen pflichtwidrig seit 4 Jahrzehnten nichts mehr vom eigenen Lehramt übermittelt hat? Wieso denn das? Heute weiss die Zukunft unserer Kirche nichts mehr vom eigenen Glauben, es sei denn sie informieren sich eigenhändig, vielleicht bei Freikirchen. Tragisch! Nur noch tragisch!

Die Protestantin Klara Obermüller möchte der römisch-katholischen Kirche Strukurelemente der protestantischen Kirche aufzwingen. Sie selbst verstösst damit gegen die Religionsfreiheit! Eine katholische Kirche muss nicht protestantisch werden, eine protestantische Kirche muss nicht islamisch werden, eine islamische Kirche muss nicht jüdisch werden. So kann eine Frau, wenn sie Priesterin sein möchte, dies z.B. in der protestantischen Kirche verwirklichen. Jeder Mensch kann seine Kirche wählen. Wenn Frau Obermüller dies immer noch nicht begreifen will, wirkt sie polemisch. Ich empfehle dem Leser, sich auf den folgenden websites zu informieren: www.bistum-chur.ch (dort finden Sie ein Communiqué von S.E. Bischof Huonder) und www.kath.net (mit aktueller Information aus der ganzen römisch-katholischen Welt, d.h. nicht von katholischen Staatskirchen, welche eben nicht römisch-katholisch sind)

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